Ukraine verkündet Einreise-Verbot für Yuliya Samoylova aus Russland

Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland eskaliert auch auf ESC Ebene. Übereinstimmend melden verschiedene internationale Medien und Agenturen, dass der ukrainische Geheimdienst SBU, der „Security Service“ der Ukraine, ein dreijähriges Einreiseverbot für Yuliya Somoylova ausgesprochen hat, weil diese gegen ukrainische Gesetze verstossen habe.

Diese Entscheidung hat gemäß BILD.de die SBU Sprecherin Jelena Gitljanskaja der Agentur Interfax mitgeteilt. Konkreter Anlaß für das Einreiseverbot sei ein – aus ukrainischer Sicht – illegaler Auftritt der im Rollstuhl sitzenden Interpretin auf der Halbinsel Krim, die 2014 von Russland annektiert wurde.

Erst kurz vor Anmeldeschluß hat Channel 1 aus Russland die Teilnahme von Yuliya Samoylova mit dem im grottigen Englisch vorgetragenen schmalzigen Titel „Flame is burning“ bekanntgegeben. Schlagzeilen haben in der Folge zwei Aspekte gemacht. Zum einen ist Yuliya damit nach Monika Kuszynska (Polen 2015) die zweite Rollstuhlfahrerin auf einer ESC-Bühne. Zum anderen ist Yuliya 2015 auf der Krim aufgetreten – und hat damit gegen ukrainische Gesetze verstossen. Diese Umstände führten zu aufregten kontroversen Debatten, gerade auch hier auf dem Blog.

Diese Entscheidung wird die Berichterstattung über den Eurovision Song Contest 2017 dominieren, es ist bei allem Verständnis für die politische Motivation der Entscheidung fraglich, ob sich der ukrainische Veranstalter damit einen Gefallen getan hat. „Russland hat die Falle ausgelegt und Kiew tritt rein.“ heisst es beispielsweise prägnant in einem der ersten Social Media Kommentare.

Die EBU hat bereits nach Bekanntgabe der russischen Entscheidung klargemacht, dass sie sich raushalten wird, wie immer die ukrainische Regierung entscheidet.

Jon Ola Sand wörtlich: We fully understand and respect the laws of Ukraine, but the European broadcasting Union has no objections to the Russian delegation and not see any violations on their part. We want all countries to participate, but the decision is of the Ukrainian government, and we will respect it.

Übersetzung: „Wir verstehen und respektieren die ukrainischen Gesetze vollständig. Die EBU hat keine Einwände gegenüber der russischen Delegation und erkennt auch keinerlei Verstösse auf dieser Seite. Wir wünschen uns, dass alle Länder (am Eurovision Song Contest – die Redaktion) teilnehmen, aber die Entscheidung liegt bei der ukranischen Regierung und wir werden sie respektieren.“

Überraschend an der Entscheidung ist weniger, wie sie ausgefallen ist, sondern vielmehr, dass es über zehn Tage gedauert hat, bis sie gefallen ist. Mutmaßlich haben anscheinend alle Lösungsgespräche hinter den Kulissen zu keinem Ergebnis geführt.

Die EBU reagiert jedenfalls überrumpelt und konsterniert, die offizielle Stellungnahme klingt sogar beleidigt:

It has been confirmed to the EBU that the Ukrainian authorities have issued a travel ban on the Russian artist chosen for the Eurovision Song Contest, Yuliya Samoylova, as she has been judged to have contravened Ukrainian law by entering Crimea in order to perform.

We have to respect the local laws of the host country, however we are deeply disappointed in this decision as we feel it goes against both the spirit of the Contest, and the notion of inclusivity that lies at the heart of its values.

We will continue a dialogue with the Ukrainian authorities with the aim of ensuring that all artists can perform at the 62nd Eurovision Song Contest in Kyiv in May.

Übersetzung: „Inzwischen liegt der EBU die Bestätigung, dass die verantwortlichen ukrainischen Autoritäten einen Einreisestopp gegenüber der russischen Interpretin, Yuliya Samoylova, verhängt haben, weil diese gegen ukrainische Gesetze verstossen hat, da sie für einen Auftritt auf die Krim gereist war.

Wir haben die lokale Gesetzgebung des Austragungslandes zu akzeptieren, sind aber unabhängig davon über diese Entscheidung tief enttäuscht, weil sie nicht für den Geist des Contests steht und auch nicht für den Gedanken der Verbundenheit, der einen Kern unserer Werte bildet.

Wir werden den Dialog mit den ukrainischen Entscheidern weiterführen und verfolgen das Ziel, dass alle Interpreten beim 62. Eurovision Song Contest im Mai in Kiew auftreten können.“

Die russische Delegation reagiert exakt wie man es erwarten kann. Es handele sich um einen „weiteren ungeheuerlichen, zynischen und unmenschlichen Akt“, dokumentiert Eurovision.de ein Interfax Zitat des russischen Vize-Außenministers Grigori Karasin.