Unser Lied für Lissabon: voXXclub sprechen über „I mog Di so“

Mit voXXclub hatten wir im Rahmen unserer „Unser Lied für Lissabon“-Interviewserie bislang nur eine Art „Marcel Proust meets BRAVO“ Fragenbogenaktion gemacht. Viele von Euch haben uns gebeten, konkrete Fragen zum Song nachzureichen. Diesem Wunsch sind wir nachgekommen und haben die Jungs nach der ersten ULfL-Pressekonferenz auch gefragt, wie sie mit den temperamentvollen Diskussionen in der ESC-Bubble umgehen.

Die Stimmung am ersten Probentag zwischen der ULfL-Eröffnungskonferenz und den einzelnen Soundchecks war gut, Xavier Darcy kam spontan am Interviewtisch vorbei. Für voXXclub haben Flo, Bini und Stefan (von links nach rechts neben Xavier) Eure Fragen beantwortet.

PRINZ-ESC-Blog: Wann seid Ihr in Berlin angekommen? Habt Ihr in den letzten Tagen ausreichend Schlaf bekommen?

Stefan: Wir sind gestern eingetroffen und haben gestern Abend noch ganz lange an unserer „I mog Di so“ Choreo geprobt. Ich habe dann tatsächlich wenig Schlaf bekommen. Ich konnte nicht schlafen, weil ich so freudig aufgeregt bin – im besten Sinne.

Bini: Ich habe auch wenig Schlaf bekommen, ich habe gestern noch meinen Geburtstag gefeiert. Allerdings hab’mich ein wenig zurückgehalten, weil wir hier Vollgas geben wollen.

Wie kam es zu der Entscheidung, aus „Spitzenmadl“ vom Donnawedda-Album Euren Beitrag „I mog Di so“ zu kreieren?

Flo: Wir hatten dem Eurovisionspanel mehrere Songs vorgeschlagen und der Song wurde im Eurovisionspanel sehr gut bewertet. Das war entscheidend.

Bini:  An einem neuen Text für „Spitzenmadl“ hatten wir schon gearbeitet, bevor wir die Rückmeldung des Eurovisionspanels kannten. Und dann sollte unser Titel für die Liveshow viel Dynamik, quasi Bums kriegen, so dass wir unsere Livequalitäten zeigen können.

Der Song ist einerseits voXXclub-typisch, verfügt aber andererseits auch über typischen Elemente eines ESC-Hits, er hat sogar eine Bridge. Wie ist dieser Revamp entstanden?

Bini: Wir wollten den Titel nicht an den ESC anpassen, sondern wir wollten Elemente haben, wo voXXclub seine ganze Bandbreite zeigen kann. So kam ein Dancebreak zustande, aber eben auch ein ruhiger Moment.

Stefan: Und es gibt einen Jodel am Anfang. Wir wollen voXXclub authentisch zeigen, auch die Energie transportieren, die wir haben. Und wir möchten auch unsere Mehrstimmigkeit rüberbringen.

Ihr seid der bekannteste ULfL Act. Glaubt Ihr, dass das ein Wettbewerbsvorteil ist?

Flo: Ich glaube nicht, dass das ein Vorteil ist. Das Schöne am ESC ist, dass es allein auf Song und Performance ankommt. Bekanntheit ist kein Vorteil, möglicherweise dann schon eher unsere Bühnenerfahrung. Außerdem ist zu bedenken, dass bei der Entscheidung unter anderem ja auch ein internationale Expertenjury dabei ist, die das Zuschauervoting ergänzt.

Bini: Es gab ja auch in den letzten Jahren sehr prominente Teilnehmer wie Santiano oder Unheilig und man hat erleben können, dass diese sich nicht durchsetzen konnten.

Kennt Ihr schon die Songs Eurer ULfL „Wettbewerber“? Natürlich kennt Ihr die. Wie bewertet Ihr die Songs, habt Ihr darunter einen Favoriten?

Stefan: Jeder der Teilnehmer hat für sich einen ganz eigenen coolen Song gefunden. Die Lieder passen gut zu jedem einzelnen und man sieht sofort, dass hier sehr gute Musiker teilnehmen.

Flo: Die Riesenbandbreite hier ist der Hammer. Deshalb hat jeder einzelne von uns fünfen sogar unterschiedliche Favoriten.

Ihr habt Euch in den letzten Wochen sicher erstmals intensiver mit der ESC Bubble auseinandergesetzt. Was sind Eure nachhaltigsten Eindrücke?

Flo: Wir haben selten so intensiv für einen Song gearbeitet für wie unseren ESC Song. Wir haben viel unmittelbares Feedback von Fans direkt bekommen, eine so intensive Erfahrung haben wir selten macht. Es ist faszinierend, mit wie viel Feuer und Flamme die Fans sich jeweils für ihre ganz persönlichen Musikvorstellungen engagieren.

Bini: Ich bin sehr froh und sehr überrascht, dass in der ESC Community so intensiv diskutiert wird, es gibt sehr viele unterschiedliche Stimmen. Es ist spannend zu hören oder zu lesen, wie bunt die Reaktionen sind.

Von allen Acts seid Ihr die, die am stärksten polarisieren – den glühensten Vereherinnen und Verehrer auf der einen Seite stehen Leute gegenüber, die mit moderner Volksmusik nichts anfangen können. Die musikalische Bandbreite und auch die damit einhergehende  Polarisierung ist Teil des ULfL Konzepts, aber wie geht Ihr damit um?

Stefan: Es ist gar nicht so schlecht, wenn polarisiert wird. Wir kommen aus der modernen Volksmusik. Andere Acts kommen aus der Pop- oder Songwriter-Ecke. Wir akzeptieren die unterschiedlichen Meinungen, die ausgetauscht werden. Musik ist Geschmacksache. Wir wollen unseren Wurzeln und unserem Stil treu zu bleiben, unser Ding machen.

Bini: Gerade heute hat mir jemand geschrieben: „Eigentlich habe ich bislang keine Berühungspunkte mit Eurer Musik gehabt, aber jetzt höre ich Euch täglich beim Joggen.“ Es ist schön, wenn sich die Leute auf etwas Neues einlassen.

Lest Ihr eigentlich auch die kritischen Kommentare, bei uns oder auch anderswo?

Flo: Ja, das tue ich. Es ist toll, wenn kontrovers diskutiert werden. Es ist aber falsch, dass wir auf eine reine Gaudi- oder Ballermann-Band reduziert werden, denn wir sind mehr. Wer uns und unsere Vita kennt weiß, dass wir Musik von klein auf leben.

Stefan: Man muss aufpassen, dass man die Kommentare ernst nimmt und reflektiert, aber man muss auch aufpassen, dass man es nicht zu nahe an sich ranlässt und persönlich nimmt. Konstruktive Kritik kann ja auch hilfreich sein, solange sie nicht beleidigend wird.

Bini: Der Ton macht im wahrsten Sinne des Wortes die Musik. Respekt ist wichtig.

Für viel Gesprächsstoff sorgte auch Eurer Fanboxkalender, in dem Ihr viel nackte Haut zeigt?

Bini: Was viele nicht wissen, dahinter steckt mehr als nackte Haut. Von jedem Kalender bzw. jeder Fanbox, die verkauft wird, geht 1 Euro an die Initiative „Bergbauern in Not“.  Wir stammen größtenteils aus Bergregionen, ich komme von einem Bauernhof in Österreich. Wir kennen persönlich betroffene, in eine Notlage geratene Bergbauern, denen wir helfen wollen, deren Hof z.B. abgebrannt ist oder die ihre Ernte durch Überschwemmungen verloren haben.

Flo: Und wenn man die Fotos genauer anschaut, merkt man auch, dass sie mit einem Augenzwinkern entstanden sind und die Fotos auch humoristisch gemeint sind.

Wir danken Euch, dass Ihr Euch für die Fragen unserer Leserinnen und Leser noch einmal Zeit genommen habt.