Unser Lied für Lissabon: Welche Songs könnten die Acts ins Rennen schicken?

Nachdem wir nun die sechs Acts kennen, die am 22. Februar in Berlin bei „Unser Lied für Lissabon“ um das deutsche Ticket zum Eurovision Song Contest 2018 singen, stellt sich die Frage, mit welchen Songs Ivy Quainoo, Natia Todua, Xavier Darcy, Ryk, VoXXclub und Michael Schulte ins Rennen gehen. Denn das müssen ja bekanntlich keine Songs sein, die während des morgen beginnenden Song Writing Camps geschrieben oder dort für die Künstler ausgewählt werden, sondern es können auch Lieder sein, die die Acts selbst mitbringen oder sogar schon (natürlich nach der offiziellen ESC-Deadline am 1. September 2017) veröffentlicht haben. Deshalb werfen wir heute einen Blick auf bereits bekannte, ESC-kompatible Songs der sechs ULfL-Acts.

XAVIER DARCY

Xavier Darcy hat keinen Song nach dem 1. September veröffentlicht, alle bislang bekannten Stücke fallen also aus dem Raster. Allerdings hat er beim Eurovision-Workshop einen Song performt, der bislang unveröffentlicht, vom Stil her ein typischer Up-Tempo-Darcy ist und größtenteils auf Englisch, teilweise aber auch auf Französisch gesungen wird. Der Song war eingängig und Zweisprachigkeit wird beim ESC ja immer gern genommen, insofern könnte ich mir gut vorstellen, dass dieser Titel im Songwriting-Camp verfeinert wird und Xavier damit schließlich in Berlin antreten wird.

 

VOXXCLUB

VoXXclub sind der ULfL-Act, der hier auf dem Blog am meisten polarisiert. Dafür sind sie aber auch der einzige Act, der gleich ein ganzes, bereits veröffentlichtes Album potenzieller ESC-Songs mit sich herumschleppt, denn das Album „Donnawedda“ wurde zwischen den Jahren und damit nach dem 1. September veröffentlicht. Nicht in Frage kommt allerdings der Titeltrack „Donnawedda“, den die Jungs beim ESC-Workshop dargeboten haben und mit dem sie ins deutsche Finale eingezogen sind. Der Song bedient sich nämlich der Melodie des „Zillertaler Hochzeitsmarschs“ und kann damit nicht beim ESC antreten. Auch andere Songs des Album sind angelehnt an bereits bekannte Tracks und scheiden damit als ESC-Material aus.

Da Kollege Peter das aktuelle Album der Jungs bekanntlich hoch und runter hört, habe ich ihn um eine Einschätzung gebeten, welcher Track am ehesten für den ESC geeignet ist:

„Auf dem Album finden sich mehrere geeignete Uptempo-Songs (Uptempo ist Pflicht!), die auf ein ESC-Format hin weiterentwickelt werden können und die überzeugend mit einer VoXXclub-typischen mitreißenden Choreo und Performance auf der Bühne verzahnt werden können. Eine Choreo, die die Stärken der modernen Boygroup international kompatibel transportiert, ist Pflicht. Meine Uptempo-Favoriten sind – in dieser Reihenfolge – „Spitzenmadl“ und „Heit Bini Kini“ mit Prio A sowie „Stadlmadl“ und „Oberkrainer-Funk“ mit Prio B – vorausgesetzt diese Titel bringen die formalen Startvoraussetzungen mit, was sie nach Papierform (Infos aus dem CD Booklet) tun. Was aber nichts heißen muss, weil wir nicht wissen, ob sie schon vor September publiziert und/oder öffentlich aufgeführt wurden oder ob es sich um Coverversionen von Titeln handelt, die ich schlicht nicht kenne.

„Spitzenmadl“ ist deshalb mein Favorit, weil hier moderne und traditionelle VoXXclub-Elemente harmonisch miteinander verknüpft werden, und weil der Song einen sofort eingängigen catchy beat hat. Und weil der Titel Raum hat, dass jeder der Jungs individuell zur Geltung kommen kann, was bei der Inszenierung auf der großen Bühne abwechslungsreich dargeboten werden könnte.

„Heit Bini Kini“ ist genauso catchy und hat sogar noch sehr schöne Beach-Boys-Style-Chorus-Elemente. Der Song fängt zwar nicht so schmissig an wie „Spitzenmadl“, hat im Verlauf aber noch mehr Zuckerguß. Textlich sind beide Songs schlichte Liebeslieder – mit hohem Identifikationspotential aber gänzlich ohne intellektuell-intelligente Zwischentöne, die ein Liebeslied so schön veredeln wie es letztes Jahr bei Portugals Beitrag der Fall war.“

 

RYK

Auch Ryk steht ein ganzes Album potenzieller ESC-Songs zur Verfügung, denn nach eigenen Angaben ist sein erstes Album fertig, wird aber noch zurückgehalten – vermutlich wird nun erstmal der weitere Prozess bis zur Vorentscheidung abgewartet. Die meisten Songs kennen wir noch nicht – mit Ausnahme natürlich von „You and I“, das die Leser unseres Blogs mittlerweile schon sehr genau kennen dürften.

„You and I“ könnte mit ein wenig mehr Dramaturgie gegen Ende des Songs zu einem ESC-tauglichen Beitrag mit enormem Wiedererkennungswert werden. Auch die Bühnenshow steht, wenn es nach etlichen Kommentaren hier geht, schon fest: Eine einzige, ungeschnittene Kamerafahrt, ganz ähnlich wie im Video zu „You and I“. Gab es das überhaupt schon mal beim ESC? Es käme auf einen Versuch an!

Aber wer weiß, vielleicht entscheidet sich Ryk ja doch noch für einen anderen, uns bislang unbekannten Song…

 Ryk – You and I

 

NATIA TODUA

Natia Todua ist, was ihre eigene Musik angeht, ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Die The Voice of Germany-Gewinnerin hat bislang öffentlich nur Coversongs zum Besten gegeben und deshalb lässt sich bei ihr auch keine Prognose hinsichtlich ihres zukünftigen musikalischen Stils, geschweige denn ihrer Songauswahl abgeben. Im Studio oder beim Songwriting scheint sie – wenn man den sozialen Medien glauben kann – jedenfalls noch nicht zu sein, tourt sie doch mit The Voice aktuell durch Deutschland.

 

MICHAEL SCHULTE

Alle über die gängigen Portale verfügbaren Songs von Michael Schulte wurden bereits vor dem 1. September veröffentlicht. Der Singer-Songwriter scheint außerdem fest entschlossen, einen Song speziell für den ESC zu schreiben. So postete er in der ersten Januarwoche zunächst ein Foto aus dem Studio mit dem Zusatz „ESC-Song schreiben, Tag 1!“. Zwei Tage später hatte er dann offensichtlich schon drei Songs geschrieben. Das sind bestimmt nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um eine gute Auswahl für die Vorentscheidung zu treffen.

Foto-Quelle: Michael Schulte bei Facebook

 

IVY QUAINOO

Ivy Quainoo hat eine ganze Reihe von Songs nach dem 1. September veröffentlicht: „Supercharged“, „X-Ray“, „My Own Terms“ und „Running Red Lights“. Alle diese Songs wären potenzielle ESC-Kandidaten, wobei ich „Running Red Lights“ persönlich favorisieren würde. Aber da gibt es noch einen anderen, bislang unveröffentlichten Song: „Double-Time“. Diesen Song hat Ivy bereits beim Eurovision-Workshop dabei gehabt, im Clip für die Jury und das Panel dann letztendlich aber doch „Wildfires“ verwendet. „Double-Time“ ist meiner Meinung nach aber richtiges ESC-Material. Der Song ist ein Midtempo-Song, aber sehr hypnotisch, so dass er den Zuhörer in seinen Bann zieht. Er hat außerdem Ohrwurmqualitäten und erinnert mich etwas an die Songs von Loïc Nottet und Aminata. Mit dem einen oder anderen Feinschliff wäre „Double Time“ bestimmt keine schlechte Wahl für Berlin.

Welche Songs der sechs Interpreten von „Unser Lied für Lissabon“ sind eure Favoriten? Oder haben wir potenzielles ESC-Material vergessen? Sagt es uns in den Kommentaren!

Das Song Writing Camp findet am Mittwoch, Donnerstag und Freitag dieser Woche in Berlin statt. Wir werden natürlich darüber berichten. Stay tuned!