Unser Lied für Stockholm: Die große Vielfalt – Bombastrock und Ralph Siegel inklusive

Jamie-Lee Kriewitz

Kategorie Realsatire: „Under The Sun We Are One“ – so heißt der Titel, mit dem Ralph Siegel in diesem Jahr für Deutschland am ESC teilnehmen will. Sein Schützling Laura Pinski gehört zu den zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich am 25. Februar 2016 live in der ARD um das deutsche Ticket für den ESC in Schweden bewerben. Genauso wie TVOG-Siegerin Jamie-Lee Kriewitz (Foto), Ella Endlich, Luxuslärm und sechs weitere, zum Teil sehr exotische Acts. Richtig große Namen fehlen erwartungsgemäß, aber soviel Abwechslung gab es selten.

Die große Vielfalt von Merci jetzt auch beim deutschen ESC FinaleDie große Vielfalt (im Bild ist die von Merci) gibt es jetzt auch beim deutschen ESC Finale 2016.

Alle Achtung! Dafür, dass der LineUp in knapp sechs Wochen mitten in der Weihnachtssaison sehr hektisch zusammengetragen werden musste und dafür, dass es nach der roten Karte für Xavier Naidoo einiges an ESC-Bashing etablierter Protagonisten aus der Musikerszene gab, kann sich das Aufgebot für den deutschen Vorentscheid 2016 sehen lassen. Zwar ist der Promifaktor überschaubar, dafür ist die Bandbreite von Schlager über Indie bis Metal beeindruckend. Die Songs stehen alle fest, sind aber mit wenigen Ausnahmen noch nicht veröffentlicht.

Dabei sind  bei „Unser Lied für Stockholm“ (in alphabetischer Reihenfolge):

Avantasia: Mystery Of A Blood Red Rose
Alex Diehl: Nur ein Lied
Ella Endlich: Adrenalin
Gregorian: Master Of Chant
Jamie-Lee Kriewitz: Ghost
Joco: Full Moon
Keøma: Protected
Laura Pinski: Under The Sun We Are One
Luxuslärm: Solange Liebe in mir wohnt
Woods Of Birnam: Lift Me Up (From The Underground)

Zehn Songs hat eine (ebenfalls) zehnköpfige Branchenjury aus 150 Bewerbungen ausgesucht. Ausschließlich im Televoting und wie von uns prognostiziert wird aus diesen zehn Titeln „Unser Lied für Stockholm“ in zwei Durchgängen in einer ARD Primetime Show von 120 Minuten Länge gewählt. Moderieren wird – wie ebenfalls zutreffend von uns vorhergesagt – Barbara Schöneberger (Foto).

Barbara Schöneberger strahlt auf den DER FEINSCHMECKER Wine Awards 2015 auf Schloß Bensberg
Diese zehn Branchenmultiplikatoren haben die Vorauswahl getroffen:

Tom Bohne, Universal Music (Senior Vice President)
Carola Conze, Head Of Delegation Deutschland (erstmals in Stockholm), NDR
Claudia Gliedt, Leitung Musikredaktion Brainpool
Nico Gössel, Sony Music (Head Of Promotion)
Jörg Grabosch, geschäftsführender Gesellschafter Brainpool (Brainpool ist neben dem NDR Co-Producer der Primetime Show „Unser Lied für Stockholm“)
Konrad von Löhneysen, Embassy of Music (Geschäftsführer)
Steffen Müller, Managing Director Warner Music Entertainment Central Europe
Thomas Schreiber, Leiter Programmbereich Fiktion und Unterhaltung, NDR und ARD Unterhaltungskoordinator
Aditya Sharma, Radio Fritz (Leitung Musikredaktion)
Andreas Zagelow, MDR Radio Sputnik (Musikredaktion)

Maßgebliche Kriterien für die Auswahl waren laut NDR Presseinfo „das jeweilige Lied, dessen Erfolgschance in dem internationalen Wettbewerb und die Genrevielfalt.“ Gönnen wir uns also eine Hörproben-Durchgang durch die Jahrgangsteilnehmer beim deutschen ESC Vorentscheid 2016.

1. Avantasia: Mystery Of A Blood Red Rose

Meat Loaf Reloaded. Der Meat Loaf von Aventasia heißt Tobias Sammet und kommt aus Fulda. Die Band erreichte mit dem vorletzten Album „The Mystery Of Time“ den zweiten Platz der deutschen Albumcharts und hat in Wacken schon vor über 100.000 Zuschauern gespielt. Der VE-Song kommt vom neuen Album „Ghostlights“.

2. Alex Diehl: Nur ein Lied

Oh oh, latent angestrengter Betroffensheitpop mit Fahrstuhl-Kompatibilität. Den Songtitel gab’s beim ESC bekanntlich schon mal (1989) – aus Österreich und produziert von Dieter Bohlen und deutlich besser als dieser vielgeklickte youtube-Knaller, der außerdem das Privileg genießt, beim ARD-eigenen Eurovision.de bereits sehr früh promotet geworden zu sein.

3. Ella Endlich: Adrenalin

Ihren Titel „Adrenalin“ gibt es noch nicht als Video, Ihren großen Kitsch-Hit „Küss mich, Halt mich, Lieb mich“ (ein OGAE Member Song Contest Gewinner) kennt jeder. Da „Adrenalin“ nach Uptempo klingt, haben wir hier jedoch einen Schlagerauftritt von Ella E. rausgesucht – zugebenermaßen etwas tacky wie das halt so üblich ist im schönen Schlagerleben.

4. Gregorian: Masters Of Chant

Gregorian sind kommerziell sicher der größte Name im diesjährigen LineUp. Gregorian, eine Kreation des Hamburger Musikproduzenten Frank Peterson, haben bereits 10 Millionen Tonträger verkauft. Offen und etwas fraglich ist, wie das Gregorian-Konzept, bekannte Pophits mit gregorianischen Klängen zu interpretieren, bei einem gänzlich unbekannten Song funktionieren soll?

5. Jamie-Lee Kriewitz: Ghost

Die stimmlich starke 17-jährige Sängerin, die erst im Dezember 2015 die jüngste Ausgabe der Casting-Show „The Voice Of Germany“ gewann, geht mit ihrem Siegersong „Ghost“ klar als Favoritin für das Ticket nach Stockholm ins Rennen. Wiewohl der Song kein Hit in Deutschland war, für den Signature Song einer quotenstarken Castingshow ist das ungewöhnlich, dass dieser in Deutschland die Top Ten nicht erreicht hat.

6. Joco: Full Moon

Joco sind zwei Hamburger Schwestern, eine heißt Jo-sepha, die andere Co-sima – so entstand der originelle Bandname. „Full Moon“ ist noch nicht veröffentlicht, deshalb gibt es hier ihren bislang klickstärksten Track „Pilot“ zu hören. Sollte „Full Moon“ ähnlich klingen, ist das ein „strong contender“ für das Tabellenende am 25. Februar 2016.

7. Keøma: Protected

In unserer VE-Prognose haben wir Australien-Bezüge versprochen, hier ist einer. Denn 50% von Keøma ist Kat Frankie aus Sydney, die aber seit mehr als zehn Jahren in Berlin wohnt, wo im Club Bi Nuu auch ein Live-Mitschnitt ihres VE-Titels „Protected“ entstand. Zu Kat gesellt sich der Kölner Rockmusiker Chris Klopfer, zusammen sind sie Keøma und nennen ihren gewöhnungsbedürftigen schleppend-melancholischen Sound „Night Drive Pop“. Der Song polarisiert bei den Bloggern, Fotograf Volli simst „kate frankie for stockholm“, dem Berichterstatter wäre mehr „Drive“ und weniger „Night“ lieber.

8. Laura Pinski (Ralph Siegel): Under The Sun We Are One

Laura schaffte es 2012 mit einem Cover von Rihannas „Diamonds“ ins Finale der RTL-Boulevard-TV-Show „Das Supertalent“. Ihr jüngster musikalischer Output ist jedoch dieses Weihnachtlied-Cover „Santa Baby“, welches bis zum letzten Tag des alten Kirchenjahres gerade einmal 400x angeklickt wurde. Ralph Siegel hat einen maßgeschneiderten Song für Laura Pinski komponiert und der trägt den sehr ESC-affinen „fishing for compliments“ Titel „Under The Sun We Are One“. Ganz klar das erste Trash-Highlight der noch jungen ESC-Saison, auch wenn es den Song noch nicht zu hören gibt.

9. Luxuslärm: Solange Liebe in mir wohnt

Luxuslärm ist eine in die Jahre gekommene Schülerband, vier süße männliche Twentysomethings und eine schmucke Frontfrau namens Janine „Jini“ Meyer. In dieser Formation wurden sie bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ bereits in 2012 Vierte. Den BuViSoCo 2012 hat damals übrigens pikanterweise Xavier Naidoo gewonnen. Den VE Song „Solange Liebe in mir wohnt“ von Luxuslärm gibt es noch nicht, dafür haben sie jedoch einen Titel namens „Atemlos“ eingesungen.

10. Woods Of Birnam: Lift Me Up (From The Underground)

Unsere WoB-Hörprobe „I´ll Call Thee Hamlet“ ist der Titelsong des Til-Schweiger-Kino-Blockbusters „Honig im Kopf“. Woods Of Birnam ist einem Dresdner Theaterprojekt des Sängers und Schauspielers Christian Friedel mit Musikern der Band Polarkreis 18 („Allein, allein“) entsprungen. Ihr Titel „Lift Me Up“ wird von Sputnik, dem jungen Radioprogramm des MDR, gepusht und könnte ein Sleeper im diesjährigen LineUp sein.

ESC 2015 Euroclub Opening Nite Ann Sophie entspannt
Nun haben wir einen ersten musikalischen Bewegtbild-Eindruck des diesjährigen Interpreten-Portfolios, kennen aber bislang die wenigsten der Titel, die ins Rennen gehen. Die zentrale Frage, wer in der Nachfolge von Ann Sophie (Foto) Deutschland bei der größten Musikshow der Welt vertreten wird, bleibt also vorläufig offen.

P.S.: Tickets (Einheitspreis 32,90 zzgl. 1 Euro Systemgebühr plus 3,90 Euro Versandkosten / freie Platzwahl) gibt’s nach der Devise „first come first serve“ im NDR Ticketshop mit der Rufnummer 0511 – 277 89 899. Knapp 1.000 Tickets gehen in den freien Verkauf, darunter sind auch Kontigente für die Fanclubs ECG und OGAE.

Eure Meinung ist gefragt:

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