Unser Song für Österreich Wildcard – Bloggerblick (Woche 1)

Unser Song für Österreich NDR Video-Portal

Neun Tage sind vergangen, seitdem letzten Montag die offene Internet-Plattform Unser Song für Österreich des NDR gestartet wurde. Anders als im letzten Jahr verläuft der mengenmäßige Upload der Clips nicht ganz so rasend, aber die jungen Talente haben ja auch sehr viel länger Zeit als in der letzten Saison. Wir haben schon mal ins Angebot gelinst.

Im letzten Jahr blieb das Video-Portal für „Unser Song für Dänemark“ fast genau 2 Monate offen, von Mitte November bis Mitte Januar. Nun mit der Veröffentlichung bereits Anfang September startet der NDR schon zwei Monate früher. Wurden in der letzten Saison bereits in den ersten 48 Stunden der Portalöffnung 164 Titel hochgeladen, läuft die Suchaktion nach hoffnungsvollen angehenden ESC-Stars diesmal gefühlt schleppender an. Wir zählen nach 9 Tagen erst 80 Titel, davon der allergrößte Teil unter der Rubrik Pop eingestuft.

Aber die jungen Talente haben diesmal viel mehr Zeit, ihre Coverversion oder ihren Originaltitel in ein möglichst ansprechendes Video zu packen und hochzuladen. Das USFÖ-Portal bleibt bis 9. Januar 2015, 12 Uhr offen – insgesamt mehr als 4 Monate! Das ist deutlich länger als alle anderen jemals im Vorfeld einer ESC-Vorentscheidung durchgeführten offenen Internet-Auswahlen (in Österreich, der Schweiz und Spanien) und wird den NDR ziemlich sicher erneut mit einem im wahrsten Sinne des Wortes unglaublichen Haufen an Clips überschwemmen. Hier haben wir uns schon einmal mit den typischerweise auftretenden Problemen solcher Systeme befasst.

Wenn wir indes davon ausgehen, dass das derzeitige Fließtempo der jungen Talente anhält, hätten wir am Ende knapp 1.500 Titel. Das wären viele, aber doch deutlich weniger als die 2.240 der Vorsaison. Womöglich hat die im letzten Jahr geäußerte Kritik an den wenig transparenten Auswahlkriterien und dem insgesamt recht uniformen Cast im Clubkonzert den Drang zu USFÖ zu kommen etwas gebremst? Oder hatte der letztjährige Pate der Aktion, Adel Tawil, einfach mehr Zugkraft als Andreas Bourani? Wer weiß, es ist einfach noch zu früh für eine ausführliche Analyse. Letztlich genügen 10 Top-Talente…

Andreas Bourani ruft zu reger Beteiligung für die Wildcard-Bewerbungen für „Unser Song für Österreich“ auf

Wir können aber schon mal in die vorliegenden Bewerbungen schauen und von Zeit zu Zeit mal einige (aus verschiedenen Gründen) bemerkenswerte Clips vorstellen. Dazu haben wir die drei plakativen Rubriken HIGHLIGHT, HALLO! und HÄH? geschaffen, in denen wir künftig je einen Song pro Woche präsentieren.

 

HIGHLIGHT

Die weiter unten folgenden Rubriken waren schneller ausgesucht und geschrieben als die Top-Empfehlung. Die Perlen muss man eben etwas länger suchen… kurz rekapituliert: Was brauchen wir für das Wildcard-Konzert? Eine Persönlichkeit, eine starke und möglichst unverwechselbare Stimme, Live-Präsenz und, auch wenn es sich um Nachwuchs handeln sollte, eine gewisse Professionalität… und letztlich natürlich auch einen tollen Song, der bei Juroren und Publikum gleichermaßen Stimmen zu sammeln vermag. Da viele Talente Coverversionen singen, ist das anhand der Clips nicht immer einfach zu beurteilen. Daher stellen wir hier ein Video einer Künstlerin vor, die ihr Lied selbst geschrieben hat.

Ann Sophie – Get Over Yourself

Hier finde ich alle meine Kriterien sehr schön vereint und möchte spontan mehr von Ann Sophie hören. Sehr stilsicher, sehr sophisticated, genau mein Fall. Meine Bloggerkollegen hätten hier womöglich einen anderen Vorschlag ausgewählt, aber das können und werden sie ja demnächst – wir werden uns abwechselnd um diese neue Serie kümmern, die uns bis zur USFÖ-Portalschließung im Januar begleiten wird.

 

HALLO!

Auch ehemals bekannte, mittlerweile vergessene Künstler („Was, der lebt singt noch?“) haben mitbekommen, dass es mit der Wildcard-Aktion eine Chance gibt, wieder wahrgenommen zu werden. Letztes Jahr hat eine Reihe von Castingsternchen (mit Bahar Kizil auch eine ESC-Vorentscheid-Erfahrene) Clips eingereicht – mit einer wohl versehentlich durchgewunkenen Ausnahme allesamt erfolglos. Demzufolge finden sich diesmal (noch) kaum Castinggeschädigte auf dem USFÖ-Portal, dafür aber jemand ganz anderes:

Gottlieb Wendehals – Keine halben Sachen (nach einem im Video inkludierten 30-Sekunden-Werbeclip für feiyr.com)

Gottlieb Wendehals (alias Werner Böhm) hat im Nicole-Jahr 1982 einen elften Platz im Vorentscheid mit „Der Ohrwurm“ zu Buche stehen. Außerdem war er mal mit Mary Roos verheiratet und soll nicht ganz unschuldig an ihrem zittrigen Live-Auftritt in Luxemburg 1984 mit „Aufrecht geh’n“ schuld sein, da Mary kurz zuvor die Nachricht von den fruchtbaren Folgen der außerehelichen Umtriebe ihres Gatten erfahren hatte. Eine denkbar ungünstige ESC-Verbindung und denkbar ungünstig für den ESC ist auch der hier eingereichte Song.

Nun tauchen auf offenen ESC-Plattformen auch mal Clips auf, die ohne Wissen des Interpreten hochgeladen werden (ein atemloser Titel einer jüngeren blonden Frau etwa befand sich letztes Jahr auf dem Portal). Angesichts der turbulenten, von Boulevardmedien gern aufgegriffenen Vita von Werner Böhm – unter anderem Privatinsolvenz, Dschungelcamp, gescheiterte Kandidatur für die Zentrumspartei bei der Hamburger Bürgerschaftswahl – würde es einen allerdings nicht wirklich erstaunen, wenn diese Bewerbung tatsächlich echt ist.

 

HÄH?

Nicht wenige unbekanntere Künstler nutzten im vergangenen Jahr das Portal, um für ihren ohnehin zufällig gerade erscheinenden Song das Portal zur Promo zu mißbrauchen nutzen. Und manche schoben ihren kurz zuvor in der Schweizer Video-Auswahl durchgefallenen Clip gleich rüber zu USFD. Eine neue Qualität der Penetranz entwickelt diesbezüglich Ilonka Petruschka, die tatsächlich den gleichen Clip wie im letzten Jahr einfach noch einmal hochgeladen hat. Im Rahmen meiner Suche „Wo geht’s hier zum Drama?“ kam ich letztes Jahr nicht an der mutmaßlich falschen Ungarin vorbei.

Ilonka Petruschka – Love Machine

Nun was Ilonka kann, können wir auch. Wir wiederholen ebenfalls: Das „frisch exhumiert“ würden wir nun zurücknehmen, aber ansonsten bleibt das letztjährige Urteil durchaus gültig:

Es stellt sich schnell heraus, dass Ilonka Petruschka nicht zu den klassischen Dragqueens à la DQ gehört, sondern eher in die Kategorie von Verka Serduchka fällt, allerdings deutlich geschmackloser und weniger witzig. Die Aufmachung ist die einer exhumierten ungarischen Stummfilmdiva (ohne Stimme). Der Song zumindest ist erfreulich kurz und bei den männlichen Accesoires scheint sie ebenfalls ein Händchen zu haben (Man beachte den pelzbemützten Sidekick). “Lovemachine” mag demnach ebenso wie das bauernmalerische Make-Up durchaus auf einer Kleinkunstbühne auf dem Land funktionieren. Und Herzchen malen beherrscht sie auch.

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Die Zeit der “Spaßacts” beim ESC ist aber nun definitiv vorbei und wenn wir schon auf dieser Schiene segeln, müsste man schon die Trans-A-Klasse, also Olivia Jones hinschicken…

Im Jahr nach Conchita Wursts grandiosem Triumph würde einfach alles, was nur entfernt in diese Richtung geht, gnadenlos scheitern. Nun, vielleicht erfreut Ilonka uns und die NDR-Fachjury noch mit einem weiteren Epos aus ihrem Oeuvre (bei dem der Pelzbemützte dann gerne die Hauptrolle spielen darf). Multiple Uploads besonders penetranter Talente kamen ja auch im vergangenen Jahr durchaus vor.

Der USFÖ-Bloggerblick wird demnächst fortgesetzt…

 

Hier geht es übrigens zum Bewerbungsformular für „Unser Song für Österreich“,
hier kann man sich Tickets für das Wildcard-Konzert am 19. Februar 2015 in der Großen Freiheit 36 in Hamburg sichern und
hier geht es zum Kartenverkauf für den Vorentscheid am 5. März 2015 in der TUI Arena in Hannover.