Unser Song für Österreich Wildcard: Probenreport – Day One

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Wiederholt sich die Elaiza Soap Opera 2014, als drei musizierende Mädels in Blümchenblusen erst das Wildcard Konzert und danach auch das deutsche Finale gewannen, um dann für Deutschland an der größten Musikshow der Welt teilzunehmen? Am 19. Februar 2015 wird in Hamburg der achte Teilnehmer für das deutsche Finale ermittelt. Hier unser Report vom ersten Probentag aus der Großen Freiheit.

Ann-SophieWildcard 2015 Lars Pinkwart Studio (sw)
Zwei Tage vor dem Livekonzert beginnn die Proben für Ann Sophie(Bild 1), Lars(Bild 2) & Co. in der Hamburger Kult-Location Große Freiheit, wo auch schon unsere Lena im Rahmen ihrer Clubtour 2013 gastierte.

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Wir sind mit Probenbeginn für Euch live am Start, PRINZ Blog Fotograf Volli fängt die schönsten Bühnenimpressionen ein und wir berichten an dieser Stelle in unserem Backstage Report von beiden Probentagen.

Wir haben in unserer Wildcard-Serie alle zehn Acts vorgestellt:

(1) Ann Sophie
(2) Sendi Hoxha
(3) ASON – Teil 1: Joella und Lilianna
(3) ASON – Teil 2: Dorotea und Mickelina
(4) Klangpoet – Teil 1: Leonie und Zett Eins
(4) Klangpoet – Teil 2: Haui und Ekrem
(5) Alisson Bonnefoy
(6) Moonjos
(7) Sophie
(8) Lars Pinkwart
(9) Lou
(10) Aden Jaron

Eine Übersicht über die zehn Wildcard-Konzertteilnehmer findet sich hier und außerdem hat sich BennyBenny in einem Kommentar ausführlich mit dem Konzept befasst: „Der NDR macht sich das Leben schwer.“

Moderiert wird das Wildcard Konzert genauso wie das deutsche Finale von Barbara Schöneberger, der Allzweckwaffe der ARD Unterhaltung, die nach zweijähriger Pause nun auch beim Echo 2015 wieder die Moderationsnachfolge von Helene Fischer antreten wird. (Und darüber haben wir mit Rücksicht auf einige Leser KEINEN eigenen Beitrag gemacht.)

USFD 2014 Barbara Schöneberger Jasmin KunzeBarbara Schöneberger moderiert in Hamburg und Hannover, Janin Reinhardt (rechts – das ist – wie schon an anderer Stelle hervorgeben – die mit dem guten Geschmack) meldet sich aus dem Greenroom.

Wer jetzt noch spontan Lust bekommen hat, am Donnerstag dabei zu sein: Tickets gibts es im NDR Ticketshop oder an der Abendkasse Große Freiheit 36 auf St. Pauli.

Los gehts kurz nach 14 Uhr. Wir bloggen aus dem legendären Kaiserkeller (die Beatles haben hier schon gespielt), in dem sowohl die Künstlerkantine als auch der Presseflur untergebracht sind. Und so sieht es ein Stockwerk höher in der Großen Freiheit aus.

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Fast pünktlich beginnt der Probenmarathon.

14:00 Uhr Lou (heißt jetzt wieder Louisa): BOOMERANG

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Lou hat sich (wieder) für den Namen Louisa entschieden. Ihr Song BOOMERANG ist KEIN Blümchen-Cover, vielmehr eine getragene Ballade und ein Originaltitel (Songwriter: Robert Blackman und Egelar Mirzazadeh), mit dem sie im Falle der Fälle auch in Hannover antreten würde. Der Song bringt (trotz Erkältung) ihre starke Stimme exzellent zur Geltung. Erster Eindruck: Louisas Stimme ist stärker als der Song, aber das mag nur dem geschuldet sein, dass wir den Song das erste Mal gehört haben. Volli hat’s gefallen, das soll ‚was heißen.

Insgesamt ist das hier so familär, harmonisch und cozy, dass wir uns heute vordringlich diesem Family Spirit widmen werden. Das Glas ist also grundsätzlich erstmal mindestens halbvoll. Mit einigen Künstlern haben wir schon geplauscht, der Speise- und Aufenthaltsraum für Künstler und Staff ist gleich neben dem Presseflur, Klangpoet spielen gerade Kicker.

14:35 Uhr ASON: HEY YOU

Die vier süßen Mädels und Papa Burkhard haben wir bereits getroffen, während Lou probte (Tschuldigung Louisa natürlich) – und wir sprachen – logo – übers Mello. Marietta hat ihnen am letzten Samstag am besten gefallen, aber nichts geht über Eric, da kamen die vier richtig ins Schwärmen. Nur mit einem überragenden Song kann Monz in knapp zwei Wochen Eric noch vom Thron stoßen.

IMG_7092Oben: ASON mit Papa Burkhard im Zuschauerraum kurz vor ihrem Auftritt.

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Wir dürfen es verraten: ASON sind augenblicklich bei uns Klickfavorit und werden auch hier in der Halle als einer der Favoriten gehandelt. Der Song kommt mehrstimmig sehr einschmeichelnd-eingängig und groovy rüber, das VierSüßeGirlies-Bandkonzept setzt sich logischerweise vom übrigen Portfolio ab. Die Mädels landen weit vorne, wenn die Spontanität aus dem Smalltalk mit uns auch via TV-Schirm rüberkommt.

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Zwischendurch schneit Louisa mit ihrer sympathischen und zupackenden Mama im Presseflur vorbei.

15:10 Uhr Lars Pinkwart: TORNADO

Wir sind jetzt übrigens schon arg im Verzug. Lars beginnt seine Probe mit einer halben Stunde Verspätung.

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Lars sieht „im wahren Leben“ deutlich braver aus als auf den bisher veröffentlichten Bildern. Wie bei Louisa flasht auch bei Lars zuerst die eindringliche starke Stimme – kraftvoll und einprägsam. Der Song ist ok, aber kommt irgendwie nicht vollständig aus dem Quark, um es mal milieukompatibel zu formulieren (wir sind auf St. Pauli). Der Songtext ist allerdings stark. Am Donnerstag dürfte mit einem Balladenübergang zu rechnen sein, das macht es nicht leichter für TORNADO.

Aber Lars hat immerhin das Alleinstellungsmerkmal, einer von nur zwei männlichen Künstlern zu sein. Da Aden und Lars beide smart anzusehen sind, gibt es also mehrere Kandidaten für die „Ach ist der süß“-Girlie-Votes. (Soweit die unter 14jährigen noch um 22:00 Uhr Fernsehgucken dürfen, aber das Wahlverhalten ihrer Mütter ist ja nicht unähnlich.)

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Am Nebentisch interviewt Eurovision.de Videoblogger Torge die selbstbewussten ASON Mädels, die die Stimmung hier als „spannend aber fröhlich“ bezeichnen. Das trifft es ganz gut. Wir haben sie nach ihrem Auftritt noch einmal auf das rote Sofa hier im kultigen Kaiserkeller gesetzt.

15:45 Uhr Sendi: BATTLEFIELD

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Starke Bühnenpräsenz! Als wilder Rotschopf wirkt Sendi sehr funky und kraftvoll und hat einen hohen Wiedererkennungswort, das hilft beim Erinnern während des Schnelldurchlaufs. Die ausgezeichnete Lichtregie bei ihrem selbstgeschriebenen Song BATTLEFIELD tut ein übriges. Allein, auch hier handelt es sich um eine Ballade. Die übrigens keinesfalls schlechter ist als Louisas BOOMERANG. Ein selbstgeschriebener Song muss nicht weniger chancenreich sein als einer von international erfahrenen Songwriters-Profis.

Während wir über Sendi bloggen, schaut Lars zum Interview mit Eurovision.de vorbei. Er ist sehr reflektiert und berichtet, dass er sich heute zunächst auf das Zusammenspiel mit der Band und auf die Wirkung seiner Stimme konzentriert hat.

_62Q5314Falls es mit dem Wien-Gig nichts werden sollte, könnte dieses Portrait auch als Bewerbungsphoto dienen, meint eine befreundete Kollegin im Presseraum. Eine andere anwesende Musikjournalistin fühlt sich an Morton Harket von Aha erinnert.

Bevor Sophie mit der Probe beginnt, ist eine Pause. Zwischenbilanz: Ein Uptempo-Groover von drei (plus eins) ausgelassenen Schwedinnen und drei getragene Balladen. Gut, dass die Probereihenfolge nicht die Startreihenfolge ist, es hat doch sehr sehr ermüdend balladesk begonnen heute…

_62Q5322Eye Candy Alarm! Aden war gerade bei uns. Wir sind sehr gespannt auf seinen Song, er hat ihn sehr vollmundig in unserem Interview angekündigt, aber etwas greifbares wissen wir noch nicht!
17:00 Uhr Sophie: IMPERFECTION

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Große Überraschung, hier habe wir einen Hit am Start. Sophie hatten wir gar nicht so weit oben auf dem Zettel, aber IMPERFECTION groovt großartig. Sophie hat eine samtweiche, im Ansatz leicht kantige Stimme mit ganz viel Soul und der Titel passt großartig zu ihr. Das klingt wie Womack&Womack – ein toller Beat, exzellent tanzbar und dazu die schwarze Stimme der blonden Sophie.

Hier haben wir einen Sleeperhit, geschrieben übrigens von Sophies Produzent Guido Schwarz, einen Vollblutmusiker, der vor 25 Jahren schon einmal selbst in der Großen Freiheit aufgetreten ist – wie er uns gerade erzählt hat. Das ist kein typischer ESC-Song, klingt eher nach US-Großstadtradio und hätte zu den Hochzeiten des Checkers (das ist die D’dorfer Kö Disco, in der Claudia Schiffer „entdeckt“ wurde) dort gut in heavy rotation laufen können, heute wäre das etwas für die Late Nite Playlist der Londoner HMD (Horse Meat Disco). Funktioniert das auch im ESC Milieu? Keine Ahnung, aber der Song gehört auf meinen iPod.

17:35 Uhr Aden: WE ARE ON FIRE

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Mit Aden Jaron geht es ein weiteres Mal zurück in die Dancefloor 80s – laut Aden das Jahreszehnt mit der besten Musik, die bis heute größten Einfluss auf die moderne Popkultur hat. Recht hat er. Aden hat vier Tänzer (2 Jungs, 2 Mädels) dabei, mit denen er auf der Bühne eine Eric-Saade-reife Choreo hinlegt. Sein Titel WE ARE ON FIRE hat ein paar BPM weniger als Sophies Soulschlager, kultiviert aber ebenfalls die große 80s Dancefloor-Tradition von Labels wie Tommy Boy oder Prelude. Hip Hop Be Bop Don’t Stop.

Der Titel stammt vom  Songwriterteam Michel Schulz, Travis Gilbert und Thomas Tiago ist clever produziert und hat mehrere mitreißende Synthi- und Scratch-Breaks. Zum Songende setzen die Tänzer einen zusätzlichen optischen Akzent, sie jonglieren mit roten Neonröhren. Das sieht sehr smart aus und die Bühne ist fast ein wenig zu klein für die ausgefeilte Breakdance und Hip-Hop-Performance von Aden und seiner Crew. Es braucht diese optischen Impulse auch, da Aden hier stimmlich nicht in der oberen Hälfte mitspielt. Optisch dafür umso mehr. Und sehr sympathisch ist er auch.

18:10 Uhr Ann Sophie: JUMP THE GUN

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Ein Bargroover. Vollis spontaner Favorit. Man braucht ein bissel, um sich dem Song zu nähern. It grows on you. JUMP THE GUN, ein ungewöhnlich instrumentalisierter (Xylophon?) Midtempo-Popsong klingt beim zweiten Mal besser als beim ersten und beim dritten Mal besser als beim zweiten. Und man spürt, dass Sophie nicht das erste Mal auf einer Bühne steht, ihre „Rampensau“-Erfahrung dürfte von Vorteil sein, obwohl sie sich backstage durchaus zu großer Nervosität bekennt. Sie kennt den Song – von Universal für sie ausgesucht, da ihr Bewerbungssong schon vor September 2013 erschienen war – erst eine Woche. Beatgees, Katrina Moorbergen und Laila Samuels heißt das Autorenteam.

_62Q5631Ein typisches Volli „Kunst“ Foto (incl. Industrieromantik; absichtlich leicht überbelichtet, viel Weißraum): Ann Sophie Backstage

18:45 Uhr Alisson Bonnefoy: BURNING DOWN

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Nur ein einführender Satz zu den (überzogenen) DSDS-Diskussionen: Der DSDS Recall ist History (verzögerte Ausstrahlung), Alisson kann sich ganz auf die Wildcard-Show konzentrieren. Alisson erhöht den Balladenzähler; positiv hervorzuheben ist: wie auch Lars singt ihren eigenen Song. BURNING DOWN ist – wie man so sagt – ein Charaktersong, melancholisch und zurückgenommen. Er bringt die klare tiefe Stimme von Alisson gut zur Geltung, aber hier gilt auch: Stimmlich ist sie stärker als der Song selbst.

Zwischendurch ist uns EC Aden noch einmal über den Weg gelaufen. Er wird Donnerstag voraussichtlich exklusiv mit seinen beiden Tänzerinnen auf der Bühne stehen, weil es sonst bei dem begrenzten Platz wohl etwas drängelig werden würde. Die mitreißende Choreo hat sich Aden gemeinsam mit seinem Kumpel Raik Preetz entwickelt, der auch mittanzt, wenn die Crew zu fünft auftritt. Wer die Fünfer-Choreo sehen will, muss also dafür sorgen, dass Aden sich für Hannover qualifiziert.

19:20 Uhr Moonjos: HAGGARD HEART

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Die Common Linnets lassen grüßen. Moonjos sind Ricardo (links) und Daniel Munoz (mit Gitarre) und mit 29 und 31 (unfassbarerweise) die Senioren im heutigen LineUp. Ihr selbstgeschriebener Titel HAGGARD HEART ist Adult Contemporary Radio mit gemäßigten Country- und Western-Einsprengseln. Als Folkpop-Midtempo-Mitwipp-Nummer hat der Song hier zwar eine gewisse Eigenständigkeit, im Top 40 Radio würde er aber eher untergehen.

Optisch harmonieren die Brüder auf der Bühne sehr gewinnend, auch die mehrstimmigen Passagen klingen prima. Ein Kollege hier im Pressezentrum meint, dass man mit dem Titel auch Margarinewerbung unterlegen könnten. Was nichts Schlechtes sein muss. GARD hat in den 70er Jahren Shampoowerbung mit einem Song von ABBA inszeniert.

19:55 Uhr Klangpoet: 4 U

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Es ist etwas undankbar, als letzter Act zu proben, der eine oder andere aus der Begleitband (die von den Künstlern geradezu hymnisches Lob bekommt) kann ein Gähnen nicht mehr unterdrücken. Da hilft es, dass Klangpoet mit einem Song antreten, der im besten Sinne „catchy“ ist. Drei Vokalisten plus ein Mann an der Gitarre bieten ein fröhliches und lebendiges Multikultilied, was zu den Mitfavoriten gehören dürfte. Es ist ein beschwingter Ausklang eines überraschend friktions- und pannenfreien ersten Wildcard-Probentages.

Aus St. Pauli verabschieden sich Peter und Fotograf Volli. Wir empfehlen nachdrücklich den Israel Liveblog von WM und melden morgen uns wieder mit unserer Backstage-Reportage vom zweiten Tag, wo wir definitiv präzisere Prognosen zum Donnerstagabend machen können als heuer.

Abschließender Hinweis: Die Probenreihenfolge war noch nicht die Startreihenfolge. Morgen wird in einer anderen Reihenfolge geprobt, erst danach wird die Reihenfolge der Auftritte für die Liveshow am Donnerstag festgelegt.