Unser Song für Dänemark im Songcheck (3): „Error“ von Madeline Juno

Madeline Juno

Die letzten sechs Monate dürften die wohl turbulentesten im Leben der erst 18 Jahre alten Newcomerin aus dem badischen Offenburg gewesen sein. Und dabei steht das bisherige Highlight dieser sehr jungen Karriere erst noch bevor: In zwei Wochen sehen wir Madeline Juno mit zwei Songs im Gepäck auf der Bühne der Kölner LanXess-Arena zum Vorentscheid für Kopenhagen. Einer der beiden Titel heißt „Error“ und hat bereits mehr als 1 Million Klicks bei youtube zu verzeichnen. Wir stellen Euch Madelines ersten Streich heute im Songcheck vor.

Da hatte Blogger-Kollege BennyBenny einen guten Riecher: Bereits Mitte Oktober schlug er Madeline im Rahmen unserer Serie „Unser Star für Kopenhagen 2014“ für den Line-Up beim Kölner Vorentscheid vor. Immerhin vier (seit Elaizas Sieg beim Clubkonzert gestern sogar fünf) der nun gesetzten acht Teilnehmer hatten wir damals schon porträtiert – unter anderem die unglaublich charmant-einnehmende Madeline Juno.

Madeline Juno - The Unknown (Album)

Im Herbst hatte sie bereits einige der Songs, die auf ihrem kommenden Album „The Unknown“ (VÖ am 7. März 2014) zu finden sein werden, online gestellt und erstaunliche Klickerfolge damit erzielt. Erstaunlich sind auch gleich mehrere Merkmale, die einem an diesem jungen Talent sofort auffallen, wenn man sich durch ihr youtube-Angebot durchklickt:

Die ungekünstelte Ehrlichkeit, mit denen Madeline ihre Songs präsentiert. Die markante Stimme, die jedes einzelne Stück auszeichnet. Die klare Aussprache im Englischen, durch die den Inhalten der Songs leicht zu folgen ist. (In ihrem Promo-Text zum bevorstehenden Album Release spricht die Plattenfirma von der „zauberklaren Schönheit ihrer Stimme“, was durchaus zutreffend ist.)

Madeline wuchs in einer Musikerfamilie auf, schreibt alle ihre Songs (auch die Texte) selbst und hat schon über 50 Stücke im Repertoire. Sie nennt Ihren Musikstil Heartcore, geht es doch meistens um Liebeskummer und alles, was damit zusammenhängt. Oder anders gesagt: „Musik, die von Herzen kommt und direkt am besten in die Herzen zurück gehen soll, und berühren soll“. Die Gitarre steht im Vordergrund der akustischen Untermalung dieser Newcomerin, die sich laut Universal Records anschickt, „die glaubwürdige Stimme einer neuen Generation zu werden.“

 

Der VE-Song

2013 bekam Madeline nach vier Jahren Songwriter-Tätigkeit (zuhause in ihrem Elternhaus) und einer mehrjährigen Zusammenarbeit mit dem Produzenten Dave Roth und seinem Team in Hamburg (wo sie immer wieder in den Schulferien war) einen Plattenvertrag bei der Universal Music Group. Am 14. September 2013 stellte sie auf youtube das Video zu „Error“ vor; es wurde innerhalb von zwei Monaten um die 500.000 Mal geklickt, aktuell liegt es bei über 1,2 Millionen Aufrufen. Der Song stieg im November über Download-Verkäufe in die deutschen Singe-Charts ein und erreichte dort Platz 50.

Parallel wurde es auf den Soundtrack zum Kino-Kassenschlager „Fack ju Göhte“ gepackt, der mittlerweile fast 7 Millionen Zuschauer hatte und damit der fünfterfolgreichste deutsche Film seit 1968 ist (das Video gibt es hier auch in einer Version mit eingespielten Filmsequenzen.)

Soundtrack Fack ju Göhte

Der Song startet mit einer Piano-Sequenz und Streichern, auf die Madelines klare Stimme aufsetzt. Der einleitenden ersten Strophe folgt die aufsteigende Melodie des Refrains, die bereits den Schmerz erahnen lässt, den sie besingt. Die sich mehrfach wiederholende Zeile „No, you don’t wanna know this kind of love“ setzt sich direkt fest und mündet in den Ausruf „Error! Error! Error!“, der sich wie ein Echo aus der Ferne anhört. Und man fragt sich – was ist das für ein Error, welchen Fehler meint sie?

„Error ist einfach nur diese Fehlermeldung im Kopf, wo man realisiert: Ok, nichts stimmt. Ich muss hier raus“, erklärt Madeline Juno in einem Interview. Der ultimative Weckruf, wenn eine Beziehung schiefläuft und sich offenbar nichts mehr einrenken lässt. Der Text zur Promotion des Debütalbums beschreibt den Song folgendermaßen: „Error ist der hymnisch vertonte Aufschrei einer zerbrochenen Liebe. Es ist die Explosion eines großen Gefühls im Gewand eines zeitlosen Pop-Songs“. Der Song, der laut Madeline auch den Höhepunkt des Albums darstellt.

Und genauso ist er auch konzipiert. Nach der zweiten Strophe, die das Markenzeichen (die Gitarre) einführt, folgt ein kraftvoller zweiter Refrain, der eindringlich und aufrüttelnd wirkt. In der Überleitung geht es um die Tränen und das Lächeln, die es nie gegeben hat, und dann bricht nochmal die Verzweiflung heraus aus ihr und macht endgültig klar, dass hier nichts mehr zu retten ist.

Madeline Juno

Die Dramatik des Songs, die durch das tolle Schwarzweiß-Close-Up-Video noch unterstrichen wird, ist der Schlüssel zu „Error“. Wenn dies live rübergebracht werden kann, haben wir hier auf jeden Fall einen ernstzunehmenden Kandidaten für das Kölner Finale.

Wie bereits erwähnt, kann man durch Madelines fabelhaftes (amerikanisch ausgesprochenes) Englisch der Geschichte gut folgen. Und der Text zu „Error“ erfuhr auch einen – etwas amüsanten – Ritterschlag durch Peggy March, die in der NDR-Talkshow im Oktober 2013 nicht nur Madelines „eigenartige“ Stimme lobte, sondern auch deren Grammatik. (Madelines Mimik verriet zwar, dass sie nicht so recht wusste, was sie von dem Kommentar halten sollte, aber es war sicher nett gemeint.)

Madeline Juno – Error

Hier gibt’s den Song auch in der ARD-morgenmagazin-Version sowie den Auftritt bei „Verstehen Sie Spaß“ in Madelines Heimatstadt Offenburg.

 

Die Chancen auf den VE-Sieg

Den Song haben, wie bereits erwähnt, Millionen von Leuten bereits wahrgenommen, ob nun bei youtube oder als Soundbed für den Kino-Hit „Fack ju Göhte“. Zudem hat sie ihn höchst charmant bei ihrem allerersten TV-Auftritt in der bereits erwähnten NDR-Talkshow sowie wenige Wochen später bei „Verstehen Sie Spaß“ präsentiert, jedesmal je nach Größe der Location in unterschiedlicher Weise.

Im Herbst fehlte es live laut BennyBenny noch an Intensität, denn wie gesagt: Die Dramatik der Audioversion auch auf der großen Bühne zu transportieren wird der Schlüssel sein zum Erfolg. Dass sie es live top singen kann, daran meine ich besteht kein Zweifel. Stimmlich kann sie es für mich locker aufnehmen mit Megasellern wir Taylor Swift oder Demi Lovato.

Der Song lebt aber vor allem auch vom Widerhall der übereinander gelegten Textzeilen, die sie gegeneinander singt. Ich stimme BennyBenny zu, dass man hier auf Backgroundsängerinnen mit kraftvollen Stimmen setzen müsste, die den Ausruf „Error! Error! Error!“ übernehmen.

Madeline Juno

Dazu stelle ich mir eine Menge Close-Ups vor. Eine weitgehend dunkle Bühne und ein Spiel mit Schweinwerfer-Spots, die immer wieder Madeline als absoluten Mittelpunkt des Acts suchen (kein Abschweifen mit zu vielen Farben, Schnitten, und nicht allzuviel von der Band). Zum dramatischen Abschluss sehe ich einen Spot, der von vorn auf sie gerichtet ist und als runder Lichtkegel auf den Backdrop fällt, und Madeline, der sich vollkommen auf die pure Verzweiflung im Song konzentriert, alles hinausschreit, was sie bedrückt, und am Ende sieht man ihr förmlich den sprichwörtlichen Stein vom Herzen fallen.

Schwer wird es für sie nicht sein, sich vollkommen fallen zu lassen. „Ich habe nie Lampenfieber„, sagt sie. „Ich freue mich immer so sehr, dass das alles andere in den Schatten stellt“. Denn: „Du musst Spaß auf der Bühne haben, weil nur so kannst Du irgendwie was ausstrahlen“. Ich bin wahnsinnig gespannt, wie sie mit so viel Selbstsicherheit „Error“ umsetzen wird auf der Bühne. Und wenn das klappt, singt Madeline tatsächlich um den Sieg mit diesem Song.

Zusätzliche Bekanntheit im Vorfeld werden ihr noch Auftritte bei DAS! (NDR, 10. März) und nochmals im ARD Morgenmagazin (13. März) bringen.

 

Internet-Präsenz

Im Internet ist Madeline Juno natürlich flächendeckend unterwegs, haben ihr doch die Social Media die Plattform für ihre Songs bereits geboten, als sie 14 war. Es gibt neben ihrer Website und den youtube-Kanal auch eine facebook-Seite und einen Twitter-Account.

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: 4 von 5 Sternen
Stimme: 5 von 5 Sternen
Komposition: 4 von 5 Sternen
Instant Appeal: 5 von 5 Sternen

 

Chancen in Kopenhagen auf Top Ten?

Absolut! Sollte Madeline das Ticket nach Kopenhagen gewinnen, wird sie das durch eine hinreißende Präsentation geschafft haben – und die würde international in jedem Fall punkten können. Wir haben es in Köln nicht mit einem One-Horse-Race oder einem Hype (wie bei Lena) zu tun, sondern einer ganzen Reihe an namhaften Acts. Und wenn Madeline da rausstechen sollte, dann brauchen wir uns auch für Kopenhagen keine Sorgen machen. Pluspunkt: Das bereits erwähnte Englisch, das uns sicherlich nicht mehr die teilweise hämischen Kommentare von der Insel oder auch von anderswo einbringen würde, wie wir das im Vorfeld von Oslo erlebt haben.

Und was den Song betrifft – gute Lieder der ruhigen Zunft waren in den letzten Jahren ganz erfolgreich, und das hier wandelt sich ja im Laufe des Songs zu einem ausgewachsenen Stück Dramatik, was beim Contest ja grundsätzlich auch gern gesehen wird. Ich bin mir sicher, Europa wird „der musikalischen Fährte der mutigen Gefühlsbardin“ folgen, um nochmal abschließend den blumigen Promo-Text zum Album zu zitieren.

Der zweite Titel von Madeline ist übrigens „Like lovers do“ und hat auch einen Platz auf einem Film-Soundtrack ergattert. Auch diesen Song stellen wir Euch hier in Kürze vor.

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Bisher im USFD-Songcheck erschienen:

(1) „Als wär’s das erste Mal“ von Unheilig
(2) „Weil du da bist“ von Das Gezeichnete Ich