Unser Song für Dänemark Wildcard: Elaiza – „Der ESC verkörpert unsere Musik“

Elaiza

Mit Frauenpower wollen Elaiza zum Eurovision Song Contest nach Kopenhagen. Co-Blogger BennyBenny hatte das Trio schon im Herbst vorgestellt – und nun werden sie am kommenden Donnerstag Abend tatsächlich im Hamburger Edelfettwerk auf der Bühne stehen und um die Wildcard für den deutschen Vorentscheid am 13. März in Köln kämpfen.

Die wasserstoffblonde Ela Steinmetz (Vocals, Piano) als extrovertierte „Rampensau“, die fröhliche Yvonne Grünwald am Akkordeon und die etwas ruhigere Natalie Plöger (Kontrabass) ergänzen sich wunderbar – auch im Interview. Dem PRINZ Blog erzählten sie in Berlin bei einer Tasse Tee, wie sie zu Elaiza (gesprochen Ela-i-sa) zusammenfanden, was ihnen der Eurovision Song Contest bedeutet und wie sie frühere Bedenken von PRINZ-Blogger BennyBenny zu zerstreuen versuchen.

PRINZ Blog: Ela, Yvonne und Natalie, herzlichen Glückwunsch! Ihr seid beim Wildcard-Konzert für den deutschen Grand-Prix-Vorentscheid dabei. Wie und wo habt ihr davon erfahren?

Ela: Ich wurde von denen angerufen, weil ich beim Einreichen des Videos meine Handynummer angegeben hatte. Ich wusste erst gar nicht, wer da am Telefon ist. (lacht) „Ihr seid dabei“, sagte die Frau, und ich: „Wer sind Sie denn?“ Da sagte sie, dass sie von Brainpool sei usw. Da bin ich total ausgeflippt und musste sofort die beiden Mädels anrufen.

PRINZ Blog: Und wie habt ihr dann reagiert, Yvonne und Natalie?

Yvonne: Ich hab erst mal geschrien. JAAAA!

Natalie: Ich hab nicht geschrien, aber ich hab mich auch gefreut.

PRINZ Blog: Was war eure Motivation, mitzumachen?

Ela: Wir dachten, dass wir aufgrund unserer Bandbiographie ganz gut zum Eurovision Song Contest passen, wegen meiner Wurzeln: in der Ukraine geboren, später in Polen aufgewachsen.

Yvonne: Wir verbinden eben drei Länder. Und Kontrabass und Akkordeon sind Instrumente, die gerade in der osteuropäischen Musik sehr verbreitet sind. Deswegen dachten wir, das würde sich gut für den ESC eignen.

ElaizaPRINZ Blog: Wie habt ihr euch als Trio gefunden und beschlossen, gemeinsam unter dem Namen Elaiza Musik zu machen?

Ela: Ich habe mit 16 angefangen, in Berlin in den Valicon Studios als Singer-Songwriter zu arbeiten. Eines Tages kam Yvonne ins Studio, um ein paar Sachen auf dem Akkordeon einzuspielen.

Yvonne: Wir fanden uns auf Anhieb total sympathisch und haben angefangen, zu zweit Musik zu machen. Wir haben aber gemerkt, dass wir einen Bass brauchen, weil das den Stücken Rhythmus, Groove und Tiefe gibt. Wir haben dann gesucht… und wir wollten unbedingt ein Mädel haben.

Ich war dann bei einem Freund zuhause bei einer Schnapsverkostung, er ist Tonmeister und hat außerdem eine Spirituosenfirma. Dort habe ich ein Foto von Natalie an der Pinnwand entdeckt, da war sie mit ihrem Kontrabass abgebildet. Ich hab den Freund gefragt, wer das ist – und er hat dann den Kontakt hergestellt.

Natalie: Das war ein Kommilitone von mir. Wir haben zusammen Musik studiert, und da ist das Foto irgendwann mal bei einem Konzert entstanden.

PRINZ Blog: Ihr suchtet also jemanden mit Kontrabass – aber warst du auch auf der Suche nach einer Band, Natalie?

Natalie: Ich war zu der Zeit noch in Detmold, aber auf dem Sprung nach Berlin. Da habe ich schon gehofft, dass ich dort musikalischen Anschluss finde. Denn den hatte ich noch nicht, und da kam das wie gerufen. Die beiden haben mir Aufnahmen geschickt, und ich mochte das total gern. Dann haben wir uns getroffen.

Ela: Und hat voll funktioniert.

PRINZ Blog: Ihr seid keine Berliner. Wie sehr inspiriert euch Berlin bei eurer Musik?

Ela: Berlin ist schon ein wichtiger Ort für uns, denn Berlin verbindet. Wir arbeiten viel in Berlin, und ich pendle immer vom Saarland hierher. Berlin ist eine Stadt, in der sich ein Künstler schnell entwickeln kann. Nicht nur durch die Kontakte, sondern auch weil hier so viel passiert.

Yvonne: Gerade für mich als Akkordeonistin ist Berlin ein sehr gutes Pflaster. Die Neuköllner Oper, die ganzen Konzerthäuser brauchen häufig ein Akkordeon für klassische Produktionen. Oder auch Chansonniers. Ich habe in einer Russenband gespielt, also diese Balkansachen, dann Klezmermusik. In Berlin sind alle Bereiche, in denen ein Akkordeon gebraucht wird, vereint. Das ist der Vorteil, den so keine andere Stadt hat.

Natalie: Aber unsere musikalische Inspiration kommt nicht direkt aus Berlin. Die Musik, die hier viel gemacht und gehört wird, geht mehr in eine elektronische Richtung. Unsere Art zu musizieren ist sicher nicht auf Berlin zurückzuführen.

PRINZ Blog: Wer inspiriert euch, wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Ela: Naja, Vorbilder… das ist schwer zu sagen. Die Inspiration ist eher Herkunft, Heimat.

Natalie: Wir wollen niemanden nachahmen. Wenn wir ein Stück zusammen gestalten, kommt das eher aus uns heraus – das, was wir gerade an Ideen haben. Da kann man nicht explizit sagen „Das ist jetzt von Michael Jackson inspiriert“ oder so.

Yvonne: Es ist eher so, dass man die Spielart bestimmter Musiker toll findet. Davon lässt man sich dann für sein Instrument inspirieren.

Ela: Unser Sound ist halt Elaiza-Sound.

PRINZ Blog: Wie entsteht der?

ElaizaEla: Ich schreibe die Songs – also das Grundgerüst – und die stelle ich den Mädels am Klavier vor. Dann geht’s richtig los. Die Mädels sind fürs Arrangement zuständig. Da bringen sich alle ein, es kommen viele Ideen: Das müsste man hier mit dieser oder jener Rhythmik machen, und dort kann noch ein Solo rein. Das ist der kreative Prozess. Manchmal entwickelt sich ein Song in eine ganz andere Richtung als ursprünglich gedacht.

PRINZ Blog: Wie fließen deine Wurzeln aus der Ukraine und aus Polen ein, beziehungsweise die Art der Musik, die dort gehört wird?

Ela: Ein bisschen, unterschwellig ist das auf jeden Fall dabei. Das sind bestimmte dramaturgische Melodien, dramatische Melodieverläufe. Mal sehr melancholisch, mal fröhlich. Aber konkrete Inspiration für Songs kann man überall finden, man muss sich dafür nur öffnen. Das sind Sachen, die ich beobachtet habe, oder Dinge, die mich stören und ich kritisieren möchte. Oft sind es typische Alltagsthemen. „Is it right“, den Song, den wir für den Vorentscheid gewählt haben, dreht sich darum, Entscheidungen zu treffen. Dass es nicht immer so einfach ist, den richtigen Weg zu finden.

PRINZ Blog: Eure Musik wird gern als „Neo-Folklore“ bezeichnet. Fühlt ihr euch wohl damit oder stört es euch, in eine Schublade gesteckt zu werden?

Ela: Stören ist vielleicht ein zu hartes Wort. Auf vieles, was wir machen, trifft die Bezeichnung auch zu, aber eben nicht auf alles. Wir spielen auch Songs, auf die „Neo-Folklore“ überhaupt nicht passt.

PRINZ Blog: Wann seid ihr das erste Mal zusammen auf einer Bühne gestanden?

Yvonne: Das war Anfang letzten Jahres, am 11. Januar. Da haben wir das erste Konzert zu dritt gegeben.

Ela: In einem kleinen Berliner Café mit ’nem verstimmten Flügel. (lacht) Wir haben die Leute dazu gekriegt, uns zuzuhören. Die sind immer mehr nach vorn gekommen und haben mitgemacht. Das war ein schönes Gefühl, weil wir dadurch gemerkt haben: Es funktioniert, wir gehören zusammen.

PRINZ Blog: Das ist natürlich ein besonderes Erlebnis, denn solange man nur im Proberaum zusammen spielt, fehlt der Kontakt zum Publikum.

Ela: Ja, genau, man hat kein Feedback. Wir genießen die Liveauftritte, weil man da mit den Leuten eine ganz intime Bindung eingehen kann.

Elaiza

PRINZ Blog: Wie ging’s danach weiter?

Natalie: Wir hatten dann die Möglichkeit, eine Platte aufzunehmen. Ich kenne über mein Studium einen Professor in Detmold, der in Berlin ein Studio hat. Er kam zu unserem zweiten oder dritten Konzert, fand das irgendwie cool und hat uns eingeladen, eine Direct-to-Disc-Produktion zu machen. Dabei spielt man Musik, die direkt in die Schallplatte gebrannt wird. Das haben wir dann gemacht – durchgespielt ohne Pause und ohne Flucher.

Ela: Das ist schon ein krasses Erlebnis. Man muss sich richtig gut konzentrieren. Aber wir haben diese Situation vorher natürlich geprobt. Im Endeffekt war das echt gut, weil uns das bei unserer Weiterentwicklung geholfen hat.

Yvonne: Vor allem sind es solche Zufälle, die uns weitergebracht haben. Zum Beispiel wollte ich mein Akkordeon farblich ändern lassen und war dazu in Frankfurt auf der Musikmesse. Da sagte Ela „Yvonne fährt ja eh nach Frankfurt“ und hat im Internet das Women of the World Festival in Frankfurt entdeckt. Da hat sie uns für den Wettbewerb angemeldet. Und wir haben tatsächlich gewonnen!

Ela: Da war richtig fett. Danach fühlten wir uns gut vorbereitet und haben uns ans Album gemacht. Es kommt jetzt im Frühling raus.

PRINZ Blog: Das passt ja gut zum Clubkonzert und – falls es mit dem Sieg dort klappt – zum deutschen Vorentscheid im März.

Ela: Das war natürlich so nicht geplant. Der Veröffentlichungstermin steht schon seit Längerem fest. Da wussten wir noch nicht, dass wir beim Clubkonzert dabei sein würden. Unsere Single kommt nun am 28. Februar raus, genau am Tag nach dem Konzert. Total irre.

PRINZ Blog: Was bedeutet euch der ESC?

Ela: Wir sehen darin in erster Linie eine Chance, viele Leute zu erreichen. Vor allem mit unserer Musik. Ich bin mit dem Eurovision Song Contest auch ein bisschen groß geworden. Das hat mich immer interessiert. Als damals Ruslana gewonnen hat für die Ukraine, da haben wir alle gefeiert.

Natalie: Ich muss ehrlich sagen, ich habe das nicht so rege verfolgt wie die anderen beiden. Ich sehe das ebenfalls als tolle Möglichkeit, sich in einem internationalen Umfeld zu präsentieren. Es ist ein kulturübergreifender Wettbewerb, der im Grunde unsere Musik verkörpert. Er ist dafür prädestiniert.

ElaizaPRINZ Blog: Wir haben bereits im Herbst mögliche Kandidaten für den deutschen Vorentscheid vorgestellt, und da wart ihr auch darunter. Benny fragte damals allerdings, „ob für eine Band, deren Livedarbietungen eine enorme Intensität erzeugen, die Halbplayback-Veranstaltung Eurovision Song Contest der richtige Auftrittsort ist“. Was entgegnet ihr?

Yvonne: Das ist eigentlich kein Widerspruch. Wir haben uns ja mit der Unplugged-Version von „Is it right“ beworben, und wie wir in den User-Kommentaren sehen, ist das vielen offenbar zu akustisch…

Ela: Wir haben uns bewusst unplugged beworben, weil wir zeigen wollten, dass wir unsere Instrumente – also Stimme, Akkordeon und Kontrabass – beherrschen.

Yvonne: … aber trotzdem ist das Halbplayback eine tolle Chance, denn es erfüllt unsere Vorstellungen davon, wie der Song klingt, wenn wir wirklich alles mit hineinnehmen, was wir uns wünschen. Deshalb ist beides gut.

PRINZ Blog: Der Auftritt beim Clubkonzert, aber erst recht in der großen Halle in Köln oder gar in Kopenhagen ist natürlich etwas anderes als ein kleines Unplugged-Konzert zu dritt.

Ela: Wenn wir wirklich diese Chance bekommen sollten, dann würden wir uns noch ein paar Leute dazu holen, einen Tubaspieler, eine Harfinistin oder so. Beim Clubkonzert bekommen wir eine Band gestellt. Wir genießen diesen Luxus. Ich werde darum nicht am Klavier sitzen, sondern ich will vorne stehen, um mit den Leuten Kontakt aufzubauen.

PRINZ Blog: Ihr habt eine schöne Bandbreite an Songs: ruhige Stücke wie „Without“, aber auch schnelle Lieder wie „Miracle“. Welche Richtung wäre für euch eher denkbar für den ESC?

Ela: Wir haben uns mit „Is It Right“ beworben, und den werden wir auch beim Clubkonzert in Hamburg spielen. Es ist ein ernster Song, aber trotzdem einer, der ins Ohr geht und sich zwar mit einem ernsten Thema beschäftigt, aber mit einem Augenzwinkern.

Elaiza – Is It Right

Yvonne: Beim Vorentscheid in Köln werden ja sowieso zwei Lieder aufgeführt. Dort würden wir als zweites Stück unsere offizielle Single spielen, „Fight Against Myself“. Das wäre dann eine gute Mischung: ein cooler, ruhiger Song („Is It Right“) und dann ein etwas flotterer.

Natalie: Ruhiger ist „Is It Right“ ja nicht wirklich, er hat halt einen anderen Gestus. „Fight against“ ist ein eher fröhlicher Song, und „Is It Right“ ist ernster.

Elaiza – Fight Against Myself

Yvonne: Es sind letztendlich zwei Stücke, die die Musik von Elaiza sehr gut repräsentieren.

ElaizaPRINZ Blog: Man müsste „Is It Right“ auf die beim ESC erlaubten drei Minuten kürzen. Im Moment ist es mehr als 4 Minuten lang…

Ela: … weil es die Unplugged Version ist.

Yvonne: Ich habe da auch noch ein Solo drin, das wird bei der Produktion nicht dabei sein.

Natalie: An sich ist das Stück ungefähr drei Minuten lang. Wir haben es nur ziemlich gestreckt und Stellen, die irgendwie cool kommen, länger gemacht.

PRINZ Blog: Habt ihr eure Konkurrenten im Edelfettwerk schon angehört?

Ela: Na klar! Das ist ja normal. Aber das Wort „Konkurrent“ finde ich blöd. Wir sind keine Konkurrenten, sondern alle junge Künstler, die die Möglichkeit haben, diesen Moment zusammen zu teilen. Im Endeffekt ist jeder auf seine eigene Art besonders. Deswegen ist Konkurrenz Quatsch. Wer weiterkommt, ist dann die Entscheidung der Zuschauer.

PRINZ Blog: Aber der Zuschauer soll am Ende ja doch vergleichen, bewerten und sagen: Das Lied A gefällt mir besser als Lied B.

ElaizaEla: Bewertet wirst du ja immer. Das ist für einen Künstler normal. Geschmäcker sind unterschiedlich. Es gibt bestimmt Leute, die diese Mischung total cool finden und denen der Song super gefällt. Es wird aber bestimmt auch Leute geben, die sagen: Nee, ist nicht so meine Richtung. Das ist alles offen, und das ist auch gut so.

Yvonne: Wir können halt nur hoffen, dass so vielen Leuten wie möglich der Song gefällt.

PRINZ Blog: Wie bereitet ihr euch jetzt auf das Wildcard-Konzert vor?

Yvonne: Schlafen. (alle lachen)

Natalie: Das sagt sie nur so… (lacht) Wir proben natürlich Tag und Nacht.

Yvonne: Gut ausgeschlafen kann man gut handeln und spielen!

Ela: Ja, das stimmt.

Yvonne: Der Song sitzt halt schon 1a. Wir müssen da jetzt nicht noch stundenlang proben.

Ela: Es wird natürlich anders sein, wenn die Band dabei ist. Wie das Gefühl so ist, können wir im Endeffekt erst sagen, wenn wir mit denen proben.

Natalie: Wir müssen natürlich die Kurzversion noch mal durchgehen, weil wir das Lied halt immer gestreckt gespielt haben.

Yvonne: Nicht, dass ich aus Versehen ein Solo spiele… (lacht)

PRINZ Blog: Dann viel Erfolg beim Clubkonzert!

Ela: Danke. Und nicht vergessen, für uns anzurufen!

Elaiza

Elaizas Website bietet weitere Hörbeispiele.

Über acht weitere Wildcard Acts hat der PRINZ Blog bereits individuelle Features veröffentlicht:

Hier findet Ihr ein Interview/Portrait von Valentina aus Köln.
Hier findet Ihr ein Interview/Portrait von Melanie Schlüter aus der Pfalz.
Hier findet Ihr ein Interview/Portrait von Max Krumm aus dem schönen Ruhrgebiet.
Hier findet Ihr ein Interview/Portrait von Caroline Rose aus Paris.
Hier findet Ihr ein Interview/Portrait von Ambre Vallet aus Berlin.
Hier findet Ihr ein Interview/Portrait von Simon Glöde aus Flensburg.
Hier findet Ihr ein Interview/Portrait von Cassie Greene aus Hamburg.
Hier und hier findet Ihr ein Interview/Potrait von Bartosz.

Außerdem gibt es aktuell ein großes „Amber Vallet ESC Devotionalien Gewinnspiel„, wo es einen bunten Blumenstrauß von wertvollen ESC Raritäten zu gewinnen gibt. Details dazu finden sich hier.

Eine Übersicht über alle zehn Wildcard Acts könnt Ihr hier nachlesen. Und hier haben wir uns die Internet-Aktivitäten der Bewerber angeschaut.

Elaiza, Yvonnes Akkordeon