USFÖ-Songcheck (10): „Frozen Silence“ von Fahrenhaidt

Fahrenhaidt_Duo_mit_Amanda_Katrin Martin_1500x15000_900KBZu den vermeintlich unbekannteren Acts des diesjährigen Vorentscheids gehören Fahrenhaidt. Vermeintlich deshalb, weil Erik Macholl und Andreas John aus Berlin bisher vor allem im Hintergrund tätig waren, wenn Einzelkünstler oder Gruppen ihre Songs interpretiert haben. Mit ihrem Song „Frozen Silence“ treten sie mit Unterstützung der dänischen Sängerin Amanda Pedersen erstmals selbst ins Rampenlicht.

Passend zur Veröffentlichung ihres ersten Albums „The Book of Nature“ treten Fahrenhaidt mit für deutsche Eurovisions-Ohren eher ungewohnten Klängen zum Kampf um das Ticket nach Wien an. Und chancenlos scheinen sie dabei absolut nicht zu sein, wenn man sich nur anschaut, wie viele Vorschusslorbeeren Erik, Andreas und Amanda allein hier bei uns auf dem Blog in allen möglichen Kommentaren schon eingefahren haben.

„Mut zur Ruhe“ – mit diesen Worten wird das Album derzeit im TV beworben. Und tatsächlich: Die Songs haben alle eine irgendwie beruhigende und entschleunigende Wirkung auf den Hörer. Keine Hektik mehr, keine Aufregung, nur noch Entspannung und Innehalten. Was es mit dieser Musik genau auf sich hat, haben uns Erik und Andreas in einem Interview verraten, das wir hier in den kommenden Tagen veröffentlichen werden.

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Nun aber zum wichtigsten, dem ersten Wettbewerbssong:

Der VE-Song

In „Frozen Silence“ geht es um den Winter und nichts als den Winter. Von kalten Winden ist die Rede, von Eisblumen und von der Erde, die – schneebedeckt – zu schlafen scheint. Und natürlich auch von der ungezähmten Kraft der Natur, die sich langsam durch die Eisschichten wieder Bahn bricht.

Musikalisch dominieren zwei unterschiedliche Themen den Song. Einerseits das zum Teil fast schon zerbrechliche Klavierthema, das an anderer Stelle wiederum durch kräftige orchestrale Unterstützung weiter entwickelt wird. Dabei bekommt es zwar eine größere Wucht, verstärkt paradoxerweise aber scheinbar gerade dadurch die entspannende Wirkung der Melodie. Andererseits Amandas Gesangspart, der sich im Refrain nur geringfügig vom Vers zu unterscheiden scheint.

Fahrenhaidt Amanda PedersenBei den Vorbereitungen auf Hannover

Beide Passagen passen irgendwie gar nicht zueinander und ergänzen sich dennoch hervorragend. „Frozen Silence“ ist ein unglaublich melodiöses Musikstück, ergänzt durch eine Sängerin mit einer ganz besonderen Stimme. Keine glockenklare, sondern eine mit Brüchen, Amanda benutzt ihre Stimme wie ein eigenes Instrument mit unterschiedlichen Phrasierungen. Es wirkt tatsächlich so, als hätten sich Erik und Andreas bei diesem Song aus genau diesem Grund ganz bewusst für sie als Sängerin entschieden.

Und obwohl in dem Song der kalte Winter besungen wird, strahlt der Song diese Kühle nicht aus. Vielmehr umhüllt er einen mit einer großen Portion Wohlgefühl, gleichsam als Vorfreude auf den irgendwann einsetzenden Frühling.

Allerdings muss man sich auf ein solches Erlebnis auch einlassen können. Wer das nicht tut, empfindet die Musik möglicherweise als langweilig, was gerade in diesem Fall in meinen Augen ausgesprochen schade wäre! Gespannt bin ich, wo die etwas mehr als halbe Minute gekürzt wird, um die vorgegebene Maximallänge von 3 Minuten nicht zu überschreiten. Für mein Gefühl wäre es an jeder Stelle des Songs ein bedauerlicher Verlust…

 

Die Chancen auf den VE-Sieg

Das ist in der Tat schwierig einzuschätzen. Viel wird abhängen von der Präsentation auf der Bühne in Hannover, denn eigentlich ist „Frozen Silence“ eher ein Song zum Hören als zum Sehen. Wenn es gelingt, die entspannende Magie des Songs auch zu den Zuschauern vor dem TV zu präsentieren, dann halte ich es durchaus für möglich, dass Fahrenhaidt am Ende auf dem Siegerpodest stehen. Auf eine schöne Melodie kann sich ein Publikum eigentlich immer verständigen, wenn diese dann auch noch optisch intelligent und effektiv umgesetzt werden kann, steht einer Fahrt nach Wien eigentlich nicht mehr viel im Wege. Und live gesungen wird der Song sicher auch gut klingen, an Amandas Live-Qualitäten gibt es keine Zweifel. Man darf wirklich gespannt sein, was sich die Drei ausgedacht haben!

Einen kleinen Hinweis bekommen wir von Fahrenhaidt selbst auf ihrer youtube-Seite. Ob das jetzt schon das Konzept für die Performance darstellt und ob überhaupt tänzerischer Support geplant ist, weiß man allerdings nicht, das werden wir frühestens kommende Woche bei den Proben erfahren:

 

Für mich jedenfalls gehören Fahrenhaidt definitiv zu den Top-Anwärtern auf das Wien-Ticket!

Internetpräsenz

Fahrenhaidt sind auf Facebook und youtube zu finden. Eine Homepage gibt´s natürlich auch!

Amanda hat ihre eigene Facebook-Seite. In ihrer dänischen Heimat wird bereits ausführlichst über ihre Teilnahme am deutschen Vorentscheid berichtet. Und sie selbst scheint sich auch wahnsinnig auf Hannover zu freuen, wenn man ihren Postings Glauben schenken kann.

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik:  Das große Fragezeichen! Deshalb nur vorsichtige 3/5 Sternen
Stimme: Passt perfekt zum Song, mag aber aufgrund der besonderen stimmlichen Eigenarten nicht jedermanns Fall sein – 4/5 Sternen
Komposition: Auf den Punkt –  5/5 Sterne
Instant Appeal: Musikalisch top, wenn das keinen Instant Appeal hat, dann weiß ich es auch nicht… 5/5 Sterne

Chancen in Wien auf Top 10?

Sollte ihnen der Coup tatsächlich gelingen, dann sind natürlich auch die TOP 10 in Wien drin. Songs mit einem gewissen Schwerpunkt auf instrumentalen Teilen hat es beim Song Contest ja bereits gegeben. Aber entweder spielten Violinen die Hauptrolle („Nocturne“) oder es ging hektisch zu („Water“, „Samo shampioni“). Dass aber ein ganzer Klangteppich vor Europa ausgerollt wird, wäre irgendwie in diesem Ausmaß neu.

In jedem Fall kann man sich diesem Song nicht entziehen, da er auch im ESC-Zusammenhang eine Besonderheit darstellt. Im besten Falle polarisiert er zwischen „Langeweile“ und „Seelennahrung pur“. Aber auch so etwas hat einem Song beim weltweit größten Musikwettbewerb noch nie geschadet. Und zumindest die Musikerkollegen aus den europäischen Jurys können diese Komposition eigentlich nicht übersehen.

Und wenn es doch nicht reichen sollte – man weiß es ja nie – dann könnten Erik, Andreas und Amanda ja immer noch behaupten, dass sie Europa in eine solche Ruhe versetzt hätten, dass zum anrufen niemand mehr in der Lage war…

 

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PRINZ-Blog-Gewinnspiel

Wer sich auch einmal bei Fahrenhaidt-Musik entspannen möchte, kann bei uns heute ein Exemplar des Albums „The Book of Nature“ gewinnen. Wer als Erster die nachfolgende Frage richtig beantwortet, ist der glückliche Gewinner. Sie lautet:

Was haben Amanda Pedersen und Basim, der dänische Vertreter beim ESC 2014, gemeinsam?

 

Und wer darüber hinaus Lust bekommen hat, Fahrenhaidt noch live in der TUI Arena in Hannover zu erleben, der kann hier ein Ticket für das deutsche Finale “Unser Song für Österreich“ erwerben.

Bisher im USFÖ-Songcheck erschienen:

(1) “Hörst du die Trommeln” von Faun
(2) “Das Gold von morgen” von Alexa Feser
(3) “A Song for You” von Noize Generation
(4) “Zeig Deine Muskeln” von Laing
(5) “Abschied” von Faun
(6) “Home is in my Hands” von Andreas Kümmert
(7) “Glück” von Alexa Feser
(8) “Jump the Gun” von Ann Sophie
(9) „Wechselt die Beleuchtung“ von Laing