USFÖ-Songcheck (15): “Crazy Now” von Noize Generation

Noize Generation-Logo

„Das ist jetzt aber kein neuer Titel“, fragte mich mein 21-jähriger Verwandter am Wochenende verunsichert, als ich ihm „Crazy Now“ vorspielte. Denn in der Tat kommt einem (auch) der zweite Beitrag von Noize Generation für den deutschen Vorentscheid vor wie ein alter Bekannter. Ob das die Chancen in Hannover steigert? Der Autor würde in jedem Fall „crazy now“ werden, wenn Noize Generation Deutschland beim Eurovision Song Contest in Wien vertritt.

Der deutsche Vorentscheid für den Eurovision Song Contest macht’s möglich: Die Veröffentlichung von zwei Singles eines Künstlers an einem Tag. Konkret: von der ersten und zweiten Singles eines Künstlers überhaupt. Auf Jewgeni Grischbowski alias Noize Generation trifft das zu. Seine bereits länger geplante Single „A Song for You“ und „Crazy Now“ wurden am 27. Februar veröffentlicht. Und so ähnlich wie die Cover der Titel, so ähnlich sind sich auch die Songs selbst.

Noize Generation - A Song for You - Crazy NowDa wir Noize Generation bereits vorgestellt und interviewt haben, gehen wir gleich in medias res: Was kann „Crazy Now“?

 

Der VE-Song

Die Zutaten von „Crazy Now“ sind exakt dieselben wie von „A Song for You“, der Aufbau im Grunde auch: Klavier-Intro, einsetzender Gesang von Patrik Jean, steigernder Beat, (zu) repetitiver Refrain, rhythmusbetonte Instrumentalteile. Das Ganze klingt entsprechend zeitgemäß und eben vertraut wie Avicii und Alesso.

Derzeit können wir kein Video von „Crazy Now“ auf dem Blog einbinden. Der Song kann u. a. hier gehört werden.

Geht man genauer ins Detail, gibt es ein paar Unterschiede: Das Intro besteht bei „Crazy Now“ aus Akkorden. „A Song for You“ geht umgehend in den dynamischen Teil über, wohingegen „Crazy Now“ sich etwas länger steigert. Der Instrumental-Teil von „Crazy Now“ fühlt sich rein subjektiv etwas mehr 90er-mäßig an.

Betrachtet man „Crazy Now“ allein, erzeugt die erste Minute eine Art Spannung: Wie weit wird sich der Beat steigern? Was kommt als Refrain? Das ist deshalb spannend, weil der Teil durchaus melodisch und die Stimme von Patrik Jean angenehm ist und beides hervorragend zusammen passt. Um so enttäuschender ist das, was danach kommt: Immer wieder werden „Out of time“ und „Crazy Now“ wiederholt, bevor ein vergleichsweise unorigineller und wenig persönlicher Instrumentalteil einsetzt.

Noize Generation Deutscher Vorentscheid 2015Was von der Platzierung her als Brücke gut geeignet klingt – eine Wiederholung der zweiten Strophe in Auszügen – entpuppt sich als Rausschmeißer aus dem Titel. Keine finale Steigerung, nichts zum Mitsingen. Somit auch nichts, was sich neben dem Songtitel wirklich festsetzen könnte. Schuld daran mag die erneut vorbildlich eingehaltene 3-Minuten-Grenze sein, die einfach keinen Spielraum für mehr lässt.

 

Die Chancen auf den VE-Sieg

Über die Chancen von Dance-Titeln beim deutschen Vorentscheid hatte ich bereits beim Songcheck von „A Song for You“ gesprochen. Dass Noize Generation bewusst auch auf die visuelle Umsetzung setzen will, kann ein wesentlicher Pluspunkt sein. Allerdings ist mir nicht klar, wie man die beiden Titel auf der Bühne differenzieren will. Ein DJ bleibt ein DJ. Ein Sänger ein Sänger. Und eine Lichtshow eine Lichtshow.

Sollte sich Noize Generation also mit dem ersten Titel, der vermutlich „A Song for You“ sein wird, für die zweite Runde qualifizeren, könnte es in der zweiten Runde eng werden, weil „A Song for You“ und „Crazy Now“ einfach zu ähnlich sind. Für wen soll ein Zuschauer abstimmen? Kumulieren und panaschieren reduziert bekanntermaßen die Chancen für den einzelnden Kandidaten.

 

Internet-Präsenzen

https://www.facebook.com/noizegeneration (fungiert auch als offizelle Homepage)

http://instagram.com/noizegeneration

https://soundcloud.com/noizegeneration

Noize Generation 2015

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: 5 von 5 Sternen (was in dem männlichen Teilnehmerumfeld auch nicht so schwer fällt)
Stimme: 4 von 5 Sternen (also die von Patrik Jean)
Komposition: 3 von 5 Sternen
Instant Appeal: 4 von 5 Sternen

 

Chancen in Wien auf Top Ten?

Je mehr Beiträge für Wien bekannt werden, desto deutlicher wird, dass Dance bzw. Dance-Pop in diesem Jahr vergleichsweise spärlich gesät sind. So schwierig es für dieses Genre sonst bei diesem Wettbewerb ist: bei der geringen Konkurrenz würde Noize Generation hervorstechen und könnte so unerwartet gut abschneiden. Ein Platz unter den ersten Zehn dürfte aber dennoch unerreichbar sein.

 

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Und wer jetzt Lust bekommen hat, Noize Generation live in der TUI Arena in Hannover zu erleben, der kann hier ein Ticket für das deutsche Finale “Unser Song für Österreich” erwerben.

 

Bisher im USFÖ-Songcheck erschienen:

(1) “Hörst du die Trommeln” von Faun
(2) “Das Gold von morgen” von Alexa Feser
(3) “A Song for You” von Noize Generation
(4) “Zeig Deine Muskeln” von Laing
(5) “Abschied” von Faun
(6) “Home is in my Hands” von Andreas Kümmert
(7) “Glück” von Alexa Feser
(8) “Jump the Gun” von Ann Sophie
(9) “Wechselt die Beleuchtung” von Laing
(10) “Frozen Silence” von Fahrenhaidt
(11) “Shine Shine Shine” von Mrs Greenbird
(12) “Mother Earth”von Fahrenhaidt
(13) “Take my Hand” von Mrs. Greenbird
(14) „Heart of Stone“ von Andreas Kümmert