USFÖ-Songcheck (16): „Black Smoke“ von Ann Sophie

Ann-Sophie

Die Proben zu Unser Song für Österreich in der TUI Arena stehen kurz bevor, und wir schließen die Betrachtung aller 16 potenzieller deutscher Beiträge für Wien mit der Siegerin des Clubkonzerts in Hamburg ab. Neben „Jump the Gun“, mit dem sie neun Konkurrenten in der Großen Freiheit ausstach, hat Ann Sophie als Zweites die neue Nummer „Black Smoke“ einstudiert. Beide Songtitel passen wunderbar zusammen: Ann Sophie und der rauchende Colt. Aber nur viel Rauch um Nichts? Mal schauen.

Ann Sophie hat mal eben zwei Singles veröffentlicht: Gewissermaßen im Schweinsgalopp von der Pressekonferenz in der Großen Freiheit nach ihrem Clubkonzert-Sieg direkt ins Studio, um „Jump the Gun“ einzuspielen – und dann gleich noch einen zweiten Titel hinterher, denn auch sie muss, wie ihre sieben Konkurrenten, mit zwei Titeln zum Vorentscheid anreisen (wobei wie im Vorjahr vier Künstler ihren zweiten Song umsonst proben werden). Während bei den anderen genügend Zeit blieb, in Ruhe zwei Songs auszuwählen, musste es bei Ann Sophie ruck-zuck gehen.

Dafür aber ist die Sache wirklich gut geworden. „Jump the Gun“ und „Black Smoke“ sind beide bei Polydor erschienen, einem Label der Universal Music Group, die damit (nicht zum ersten Mal) den größten Anteil am deutschen Vorentscheid hat.

Über Ann Sophie haben wir ja schon vor dem Clubkonzert im Fragebogen allerhand erfahren und im Songcheck zu „Jump the Gun“ nochmal kurz die Biografie der 24-Jährigen erzählt. Inzwischen hat sie ja auch verraten, dass der rote Hosenanzug, der ihr in der Großen Freiheit zum Sieg (mit) verholfen hat, auch in Hannover dabei sein wird. Ich gehe aber davon aus, dass er nur bei „Jump the Gun“ zum Einsatz kommen wird und Ann Sophie für „Black Smoke“ ein zweites Outfit parat hält.

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Der VE-Song

„Black Smoke“ ist eine dynamische Popnummer mit R’n’B-Elementen, leicht retrohaft arrangiert. Ein Hauch von Amy Winehouse und von Adele weht durch die gut 3 Minuten, aber es erinnert auch ein wenig an Taylor Swift und TLC. Ann Sophies Stimme klingt in der ersten Strophie etwas höher (und etwas quäkiger) als bei „Jump the Gun“, mit der Hinführung zum Refrain verschwindet aber das Quäkige aus der Stimme, die sich dann mehr öffnet und in einen kraftvollen Refrain mündet.

Dieser ist weniger kantig als der von „Jump the Gun“. Strophen und Refrain sind aus einem Guß, fließen gut ineinander. Das alles macht „Black Smoke“ insgesamt gefälliger. Da kommt selbst die Bridge, in der die Instrumentierung runtergefahren wird und Ann Sophie zu wenigen sanften Gitarrenakkorden singt, wenig überraschend daher.

Klar, „Jump the Gun“ fällt zunächst mehr auf. Schon der Beginn ist ungewöhnlich verspielt, und der Refrain hat bei „Don’t make me jump the gun“ einen interessanteren Melodieverlauf. Doch „Black Smoke“ ist insgesamt mit mehr Wumms aufgenommen – hört man sich beide Songs direkt hintereinander an, wirkt „JtG“ überraschend harmlos. (Dabei gefällt mir „JtG“ jetzt in der vorliegenden Studioversion besser als noch zu dem Zeitpunkt, als ich nur auf Basis des Liveauftritts den Songcheck dazu schrieb.)

Derzeit können wir kein Video von „Black Smoke“ auf dem Blog einbinden. Der Song kann u. a. hier gehört werden.

 

Die Chancen auf den VE-Sieg

Wie groß meiner Ansicht nach Ann Sophies Chancen bei „Unser Song für Österreich“ grundsätzlich sind, hatte ich im Songcheck zu „Jump the Gun“ schon beschrieben. Da hatte ich auch schon angeraten, auf jeden Fall mit „Jump the Gun“ in Runde 1 zu gehen, „schon weil es jetzt dank des Clubkonzert-Erfolgs die bekanntere Nummer ist“, wie ich damals schrieb. Jetzt, wo ich den zweiten Song kenne, halte ich an dem Tipp erst recht fest. In Runde 1 kann Ann Sophie mit ihrem bekannten Song punkten, zumal als Halbplayback in einer stärkeren Einspielung als mit der Band auf der Reeperbahn.

Ich halte es darum für durchaus möglich, dass Ann Sophie mit „JtG“ in die zweite Runde kommt. Dann würde sie dort „Black Smoke“ vortragen – und könnte viele Zuschauer, die den zweiten Song noch nicht kennen, positiv überraschen, weil er in meinen Augen noch einen Kick stärker ist als „Jump the Gun“. Beide Titel unterscheiden sich zwar weniger stark als etwa „Abschied“ und „Hörst du die Trommeln“ von Faun oder die beiden Songs von Andreas Kümmert; damit käme die von Jan in Bezug auf Fahrenhaidt und von Douze Point mit Blick auf Noize Generation geäußerte Theorie ins Spiel, die Stimmen der Ann-Sophie-Fans könnten sich womöglich auf die beiden Lieder aufteilen, mit der Gefahr, am Ende ganz leer auszugehen.

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Doch das muss nicht zwingend passieren – es könnte aber wie im vergangenen Jahr bei Unheilig geschehen, dass die Leute (wenn es für Ann Sophie gut läuft) eben nicht „JtG“ ins USFÖ-Finale wählen, sondern „Black Smoke“, zumal in Runde 2 wohl nur der zweite Song präsentiert wird (der erste hängt den Zuschauern ja angeblich noch in den Gehörgängen). Und das wäre dann durchaus die richtige Wahl. Ob Ann Sophie dann den Vorentscheid insgesamt gewinnt, mag ich an dieser Stelle nicht prognostizieren.

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Internet-Präsenz

„I am me, when I am music“ steht auf Ann Sophies Website, die ihr hier findet. Mehr über die 24-Jährige gibt es auf Facebook und Twitter. Außerdem ist Ann Sophie auf Instagram und Pinterest zu finden.

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: sexy, aber auch etwas kühl und unnahbar: 3 von 5 Sternen
Stimme: gut, am Anfang von „Black Smoke“ mir etwas zu quäkig: 3 von 5 Sternen
Komposition: gefällig, „rund“ (für manchen vielleicht zu wenig kantig): 3,5 von 5 Sternen
Instant Appeal: 4 von 5 Sternen

 

Chancen in Wien auf Top Ten?

Im bisher bekannten eher mäßigen Startfeld wäre „Black Smoke“ zumindest ein überzeugender Beitrag. Allerdings wäre Ann Sophie eine Frau von vielen im Feld, und dort fällt sie nicht so aus dem Rahmen, wie es etwa Lena in Oslo tat. Die richtige Inszenierung ist damit ein entscheidender Erfolgsfaktor – dass die Sängerin Talent zur Bühnenshow hat, hat sie auf der kleinen Bühne im Clubkonzert ja schon bewiesen. Darauf müsste ein Auftritt in der Wiener Stadthalle aufbauen.

Zudem hängt Ann Sophie vor allem bei „Black Smoke“ stark von einem guten Chor ab – ist dieser „indisponiert“, kann das, wie wir aus der ESC-Historie wissen, manchen Beitrag zerstören. Mit „Black Smoke“ dürften die Chancen, an den Top 10 zu kratzen, zumindest höher sein als mit „Jump the Gun“.

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Und wer jetzt Lust bekommen hat, Ann Sophie live in der TUI Arena in Hannover zu erleben, der kann hier ein Ticket für das deutsche Finale “Unser Song für Österreich” erwerben.

Damit ist unser USFÖ-Songcheck abgeschlossen. Ab morgen begleiten wir die Proben in der TUI Arena, am Donnerstag gibt es zum Vorentscheid natürlich einen Live-Blog.

Alle Folgen des PRINZ BLOG USFÖ-Songchecks:

(1) “Hörst du die Trommeln” von Faun
(2) “Das Gold von morgen” von Alexa Feser 
(3) “A Song for You” von Noize Generation
(4) “Zeig Deine Muskeln” von Laing
(5) “Abschied” von Faun 
(6) “Home is in my Hands” von Andreas Kümmert
(7) “Glück” von Alexa Feser 
(8) “Jump the Gun” von Ann Sophie
(9) “Wechselt die Beleuchtung” von Laing
(10) “Frozen Silence” von Fahrenhaidt
(11) “Shine Shine Shine” von Mrs. Greenbird
(12) “Mother Earth” von Fahrenhaidt
(13) “Take my Hand” von Mrs. Greenbird
(14) “Heart of Stone” von Andreas Kümmert
(15) “Crazy Now” von Noize Generation