USFÖ-Songcheck (2): „Das Gold von morgen“ von Alexa Feser

Alexa Feser

Schon drei Monate vor Bekanntgabe der Teilnehmer am deutschen Finale hätte ich einen Wunschbeitrag anmelden können. Da sang Ina Müller in ihrem Nacht-Talk ein wunderschönes Lied im Duett mit dessen Schöpferin, Alexa Feser. Mein erster Gedanke: Die beiden zusammen beim ESC, das wär’s doch! Und prompt zauberte der NDR Frau Feser Mitte Januar aus dem Hut für Hannover. Allerdings wurde zu meinem Bedauern „Das Gold von morgen“ zunächst nicht als Wettbewerbsbeitrag bestätigt. Und Ina ist natürlich auch nicht dabei, hatte sie doch schon 2011 in Düsseldorf kategorisch ausgeschlossen, jemals beim ESC teilzunehmen.

Vertreter von NDR, Brainpool, den beteiligten Platten-Labels (Alexa ist bei Warner Music) sowie den jungen Radios der ARD tüftelten im Spätherbst an einer Shortlist für das deutsche ESC-Finale in Hannover. Und veröffentlichten schließlich eine Namensliste, die zwar vermeintlich weniger hochkarätig besetzt, dafür aber schön ausgewogen schien. „Was ich allerdings diesmal bemerkenswert fand, ist die Tatsache, dass diese ganz schlimme und ätzende Kritik so ein bisschen ausgeblieben ist“, kommentierte Kollege Jan noch am selben Tag.

Auf der Liste stand auch Alexa Feser, die selbst einigen im Blogger-Team zunächst nichts sagte. Ich war schon ganz aus dem Häuschen, war mir aber gleichzeitig auch bewusst, dass sie polarisieren würde.

Die 35-Jährige aus Wiesbaden (jetzt in Berlin) wurde durch ihre Bewunderung für ihren Großvater, der lange Zeit als Jazzpianist in NYC unterwegs war, auf die musikalische Schiene geführt. So lernte sie bereits als Sechsjährige Klavierspielen, wenngleich eher nach Gehör und weniger nach Noten.

Um sich den Traum von einer Musikerkarriere zu erfüllen, jobbte sie als DJane, Zeitungszustellerin und Flugbegleiterin, später als Backgroundsängerin für – oha, ESC-Bezug! – die No Angels oder auch Thomas Anders.

Foto: Wolf Lux
Foto: Wolf Lux

2008 kamen endlich die ersten Veröffentlichungen – die Single „Hypnotisiert“ und kurz darauf das Album „Ich gegen mich“. Der Erfolg bleibt aus, doch sie schrieb weiter, klapperte Plattenfirmen ab und wurde immer wieder abgelehnt. Der Anruf von Warner Music kam just in der Phase, als sie ans Umsatteln dachte.

Das Leben hat ’ne Eisenfaust
Weich‘ den harten Schlägen aus
Scheuklappen auf, Blick gradeaus
blaues Auge, Brille auf

So heißt es im Titelsong ihres letztjährigen Debüts bei einem Major-Label: „Gold von morgen“ rangierte fünf Wochen in den Album-Charts, erreichte Platz 44, und Alexa spielte eine ausverkaufte Deutschland-Tournee. Ihre Lieder wirken häufig etwas melancholisch, und haben doch fast immer eine optimistische Färbung. Halte durch, und Du wirst sehen, es lohnt sich.

Nun ist ihr das Glück also doch noch hold, sie sitzt bei der NDR Talkshow, bezeichnet sich als Spätzünder. Wie ein Astronaut, der jahrelang für den Mondflug trainiert, dem die Termine jedoch ständig wieder aufgeschoben werden. „Und dann irgendwann heißt es: ‚Jetzt stecken wir Dich in die Rakete und es geht nach oben!“

Alexa bei der NDR Talkshow

Dass sie nun in Hannover mitmischt, macht sie besonders stolz: „Ich bin sehr glücklich, dass man mich gefragt hat, ob ich am deutschen Vorentscheid für den ‚Eurovision Song Contest‘ teilnehmen möchte. Natürlich habe ich sofort ‚ja‘ gesagt. Insbesondere auch, weil ich es spannend finde, mich mit einem deutschsprachigen Lied für einen internationalen Wettbewerb zu bewerben.“

Etwas unklar wirkt in der Rückschau lediglich die Songauswahl. Am 14. Januar, dem Tag der Offenlegung der VE-Kandidaten, postet sie auf facebook, dass sie „Glück“ und „Mehr als ein Lied“ in Hannover singen wird. Der NDR gibt Anfang Februar offiziell bekannt, dass es „Glück“ und „Das Gold von morgen“ sein wird (wobei die Songs laut Thomas Schreiber bereits im Dezember final feststanden, wie er uns im PRINZ-Interview berichtete).

 

Der VE-Song

Wie dem auch sei, ich bin happy, denn so wird das Lied, mit dem sie im Herbst Stück für Stück ihre Bekanntheit ausbauen konnte, Teil der ESC-Geschichte.

„Das Gold von morgen“ – das Titelstück des Albums führt im Gegensatz zum Album-Titel selbst den Artikel im Namen – ist nicht nur ein typischer Song für die Platte, er fasst eigentlich perfekt ihre letzten Jahre zusammen. Durchhalten ist angesagt, und erst wenn’s einem so richtig dreckig geht, findet man den Schatz, von dem man so lang geträumt hat. So kommt es eben, meint Alexa Feser, dass man „manchmal an Sachen festhalten muss und bisschen länger im Dreck wühlen muss, um das Gold zu finden“.

CD-Cover Alexa FeserDie Stimmung ist eher gedrückt, denn der Text handelt von der skrupellosen Härte des Lebens. Man muss schon genau hinhören, um nicht schwermütig zu werden, denn Alexa nutzt zuweilen eine drastische Sprache, und ungewöhnliche Bilder noch dazu („Bau Dir ’nen Bagger aus Geduld, leg‘ Fantasie ins Katapult“). Kontrovers sind solche Texte hier auf dem Blog schon kommentiert worden – doch ich muss Leser Christian W beipflichten: „Alexa Fesers Texte mögen ja viel sein – dämlich aber nun wirklich nicht“.

Wir haben es vom Songaufbau klassisch mit dem Wechsel von Strophen und Refrains zu tun, dazu einer leicht veränderten Hinführung zum letzten Chorus. Auf Steigerung wird bewusst verzichtet. Es gibt verschiedene Versionen, mal orchestraler, mal mit reiner Klavierbegleitung. Alexas Stimme ist keine weichgespülte, soulige Angelegenheit, sondern eher kantig und ungeschliffen, manchmal auch ganz leise. Auch das haben einige unserer Leser hart kommentiert – ich dagegen finde sie wunderbar. „Wenn man in einem Song die Wahrheit sagt, dann kann man das auch ganz leise tun. Die Wahrheit ist lauter als einhundert Rammstein-Konzerte“, sagt Frau Feser über ihren eigenen Stil. Einen schlagerhaften Key Change gibt es übrigens auch nicht – das dürfte Leserin Tamara freuen. Den braucht es aber bei dieser Kernbotschaft auch nicht, die spricht für sich selbst.

Wenn dich das Leben wieder niederstreckt
Und du liegst mit dem Gesicht im Dreck
Fang an zu graben
Denn dort ist es verborgen
Genau da findest du
Das Gold von morgen

Alexa Feser – Das Gold von morgen (Orchesterversion)

 

Die Chancen auf den VE-Sieg

Udo Lindenberg, Barbara Schöneberger und Ina Müller sind Fans. Ich auch. Doch massentauglich, zumal für ein nach melodiösem Pop lechzenden Publikum, ist Alexa Feser sicherlich nicht. Die einen finden sie traumhaft, die anderen zum Gähnen – kaum einer unserer Leser sieht sie auf den vorderen Plätzen, kaum einer hält sie für „ESC-tauglich“. Doch kann’s nicht einfach auch nur um schöne Musik gehen? Muss alles wohlgenormt sein, was wir zum ESC schicken?

Besonders cool fand ich den Kommentar, sie würde ihre Lieder „grönemeyern“. Denn: „Grönemeyern signalisiert textliche Tiefe“ (scheint aber auch einige zu nerven). Womit wir andererseits wieder bei der Massentauglichkeit wären. Hat Alexa also vielleicht doch Chancen auf Runde 2 in Hannover?

Alexa FeserAch ja, fast hätte ich’s vergessen: „Das Gold von morgen“ läuft nur eventuell auf der Hannoveraner Bühne – falls nämlich Runde 2 erreicht wird (so schreibt es die Plattenfirma auf ihrer Website). Wir erinnern uns an Madeline Juno im letzten Jahr – allerdings könnte genau das bei Alexa doch der Schlüssel zum Weiterkommen sein: „Glück“ ist der eingängigere, zugänglichere Titel der beiden.

Sollte „Das Gold von morgen“ aufgeführt werden, wird es sicherlich stark reduziert präsentiert werden: Alexa am Klavier, dazu warme Lichtkegel, das war’s. Hat schon wunderbar bei so vielen Auftritten in der letzten Zeit funktioniert. Für Runde drei würde es dennoch nicht reichen, glaube ich. Obwohl ein Duell Laing-Muskeln gegen Alexa-Gold mein Traumfinale wäre!

 

Internet-Präsenz

Alexa Feser tummelt sich auf den üblichen Kanälen: Website, Facebook und Twitter.

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: 4 von 5 Sternen
Stimme: 4 von 5 Sternen
Komposition: 5 von 5 Sternen
Instant Appeal: 3 von 5 Sternen

 

Chancen in Wien auf Top Ten?

Noch hat Alexa keine größeren Erfolge im Ausland vorzuweisen, und charttechnisch dürfte das auch eher schwer werden. Dafür hebt die Rakete grade erst so ab, und machen wir uns nichts vor, Alexas Erfolg ist zum Großteil auch den einfallsreichen Texten geschuldet.

Alexa Feser

Doch nehmen wir mal an, sie wird nach Wien gewählt. Da kann dann tatsächlich alles passieren. Die optischen Möglichkeiten auf der großen Bühne dürften dort nochmal einen Hebel mehr darstellen, und wie war doch gleich die Reaktion auf die Common Linnets bei deren Song-Präsentation? Zum Gähnen? Überflüssiges Country-Gesäusel? Und worum ging’s doch gleich in Rona Nishlius glasklar verständlichem Text? Ach, wie, nichts verstanden?

Nunja, ein wenig trauere ich schon noch meiner kleinen Träumerei aus dem letzten Oktober nach. Würden diese beiden Damen doch einfach zusammen nach Wien fliegen und alles geben. Das wär einfach nur schön.

Alexa Feser & Ina Müller – Das Gold von morgen (Inas Nacht vom 11.10.2014)

 

Um Alexas zweiten (also ersten) Titel „Glück“ kümmern wir uns in Kürze.

 

[poll id=“263″]

 

Und wer jetzt Lust bekommen hat, Alexa Feser live in der TUI Arena in Hannover zu erleben, der kann hier ein Ticket für das deutsche Finale „Unser Song für Österreich“ erwerben.

 

Bisher im USFÖ-Songcheck erschienen:

(1) „Hörst du die Trommeln“ von Faun