USFÖ-Songcheck (3): „A Song for You“ von Noize Generation

Noize Generation Deutscher Vorentscheid 2015

Vor zwei Jahren gewann mit „Glorious“ ein Dance-Titel in Hannover den deutschen Vorentscheid. Wiederholt sich in diesem Jahr die Geschichte oder ist den Deutschen der Misserfolg in Malmö noch in zu frischer Erinnerung? Der Prinz ESC-Blog checkt die Künstler und ihre Songs, die am 5. März das Ticket für Wien lösen wollen. Ist „A Song for You“ von Noize Generation auch the Song for us?

Das hätte sich 1956 bei der Gründung des Eurovision Song Contests auch keiner gedacht, dass eines Tages nicht Sänger, sondern DJs beim europäischen Komponistenwettbewerb antreten. Da DJs aber heutzutage nicht mehr einfache Plattenaufleger sind, sondern selbst Musik schaffen und komponieren, ist es eigentlich nur logisch, dass mit Noize Generation in diesem Jahr auch beim deutschen Vorentscheid ein DJ unter den Aspiranten für das Ticket nach Wien ist.

Noize Generation heißt eigentlich Jewgeni Grischbowski, ist 22 Jahre alt und lebt heute in München. Geboren wurde er jedoch in der Ukraine und seine Kindheit verbrachte er in Coburg. Dort lernte er auch Klavier und Gitarre und war Schlagzeuger in einer Band. Die ersten größeren Erfolge stellten sich ein, als er eigene Musik produzierte und Titel remixte, z. B. mit dem Sieg bei einem Remix-Contest von Zombie Nation. Mit dem eigenen Werk „Get the Fuck Up“ ging’s etwas später bis auf Platz 4 der deutschen Club-Charts.

Es folgende weitere Remixes und eigene Stücke, die auf Soundcloud und Youtube mehrere hunderttausend Personen erreichten, diverse Kooperationen mit anderen Künstlern sowie Touren und Auftritte in Europa und Asien. Seit 2014 ist Noize Generation bei Universal Music unter Vertrag. Seitdem hat er die Zusammenarbeit mit dem Singer-Songwriter Patrik Jean intensiviert und mit ihm die beiden Vorentscheid-Titel aufgenommen. „A Song for You“ erscheint als erste Single am 27. Februar 2015.

 

Der VE-Song

Noize Generation A Song For You CoverEin Lob gleich einmal vorab: „A Song for You“ ist 3 Minuten lang (da der Titel noch nicht veröffentlicht ist, kann er nur hier gehört werden). Das Lied müsste also nicht noch einmal angepasst werden, um den Eurovision-Regeln zu entsprechen. Das hat den Vorteil, dass dem Titel nach der Nachbearbeitung nicht ein Teil „fehlt“, um ihn rund und vollständig erscheinen zu lassen.

Das weitere Gute: In den drei Minuten ist der Song auserzählt – musikalisch wie textlich. Besonders viel Aussage und Inhalt wird nämlich nicht geboten, muss ein Dance-Titel aber auch nicht wirklich.

Problematisch kann es aber werden, wenn einzelne Teile ständig wiederholt werden, um den Vocal-Part zu füllen. Das ist bei „A Song for You“ zumindest im Refrain der Fall, der eigentlich nur aus der ständig wiederholten Titelzeile besteht. Vorteil: Das merkt man sich schnell. Nachteil: Es kann leicht auf die Nerven gehen.

Ganz allgemein: Noize Generation touchiert mit „A Song for You“ den Dancebereich, den Avicii in den letzten Jahren mainstreamfähig gemacht hat. Allerdings fehlt „A Song for You“ das letzte melodische Quäntchen, um die ganz breite Masse zu erreichen. Vielmehr bleibt sich Noize Generation, der sonst viel weniger mainstreamig unterwegs ist, insoweit treu, dass auch ein paar heftigere Beats dabei sind. So gesehen ist „A Song for You“ näher bei Alesso, den Noize Generation auch als Vorbild bzw. Inspiration bezeichnet, als bei Avicii.

Klassisch – wenn man das für einen modernen teilmelodischen Dance-Song so sagen kann – sind auch das Keyboard und der Gesang vom Schweden Patrik Jean. Dessen Stimme passt hervorragend und verleiht dem Titel die notwendige Persönlichkeit.

 

Die Chancen auf den VE-Sieg

DJ-Dance-Songs haben es nicht leicht beim Eurovision Song Contest und auch nicht beim deutschen Vorentscheid. Ausnahme 2004: Scooter schafften es seinerzeit mit „Jigga Jigga!“ auf den zweiten Platz. Allerdings waren sie damals schon eine ganze Weile ein Household-Name in Deutschland. Die 26.000 Likes von Noize Generation können da nicht mithalten.

Noize Generation
„A Song for You“ ist absolut zeitgemäße Musik des Jahres 2015 und insofern ein relevanter und erfreulicher Uptempo-Tupfer beim Vorentscheid in Hannover. Allerdings könnte der Song selbst für die Avicii-akzeptierende Masse etwas zu elektronisch sein. Und auch beim eigentlichen Zielpublikum, also den jungen Deutschen, bleiben Zweifel. Denn der Titel hat bisher nicht richtig gezündet, wenn er im Radio vorgestellt wurde. Andererseits wird er auch erst jetzt als Single veröffentlicht.

Ganz entscheidend wird die Umsetzung auf der Bühne sein. Die Ankündigung von Noize Generation, dort mit Patrik Jean, Tänzern, einer Lichtshow und selbst an einem Instrument auftreten zu wollen, geht ganz sicher in die richtige Richtung. Wenn das spektakulär wird und visuell hängen bleibt, würde das die Chancen steigern. Ein Selbstgänger ist es aber selbst dann nicht, wie wir schon beim Melodifestivalen 2013 in einer ähnlichen Konstellation gesehen haben.

Die Qualifikation in Hannover über die erste Runde hinaus und unter die letzten vier, ist durchaus schaffbar.

 

Internet-Präsenzen

https://www.facebook.com/noizegeneration (fungiert auch als offizelle Homepage)
http://instagram.com/noizegeneration

https://soundcloud.com/noizegeneration

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: 5 von 5 Sternen (was in dem männlichen Teilnehmerumfeld auch nicht so schwer fällt)
Stimme: 4 von 5 Sternen (also die von Patrik Jean)
Komposition: 3 von 5 Sternen
Instant Appeal: 4 von 5 Sternen

 

Chancen in Wien auf Top Ten?

Wenn es Noize Generation wirklich gelingen sollte, mit „A Song for You“ das deutsche Publikum zu überzeugen, dann ist auch in Europa einiges möglich. Denn dieser Musikstil ist grundsätzlich überall bekannt und erfolgreich. Mit guter Bühnenshow und der Lust der (jungen) Zuschauer, beim ESC auch vor dem Fernseher zu feiern, könnte das funktionieren. Theoretisch.

Noize Generation 2015
Nachdenklich machen aber die Dance-/DJ-Beiträge Bulgariens von 2008 („DJ, Take Me Away“, im Semi hängengeblieben), Moldawiens 2010 („Run Away“, 22. Platz im Finale) oder auch Deutschlands 2013 („Glorious“, 21. Platz im Finale). Insofern wäre überhaupt das Erreichen der Top Ten in Wien schon ein Hauptgewinn.

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Und wer jetzt Lust bekommen hat, Noize Generation live in der TUI Arena in Hannover zu erleben, der kann hier ein Ticket für das deutsche Finale “Unser Song für Österreich” erwerben.

Bisher im USFÖ-Songcheck erschienen:

(1) “Hörst du die Trommeln” von Faun
(2) „Das Gold von morgen“ von Alexa Feser