USFÖ-Songcheck (7): „Glück“ von Alexa Feser

Alexa Feser
Das diesjährige Starterfeld zum deutschen Vorentscheid ist über weite Strecken eine ruhige, show-arme Angelegenheit – zumindest, wenn man von den Audiotracks ausgeht und ohne die Auftritte zu kennen. Gar nicht das also, was man von einer Unterhaltungssendung so erwarten würde. Alexa Feser reiht sich, am Piano sitzend, in die eher zurückhaltende Zunft ein und präsentiert in Runde 1 das Lied „Glück“, das aufmerksame TV-Zuschauer zuweilen fragen lässt: „Irgendwie kenne ich das Lied, nur woher bloß?“

Als Alexa Mitte Januar als eine von sieben gesetzten Künstlern bekanntgegeben wurde, postete sie sogleich auf facebook, dass „Glück“ einer ihrer beiden Titel sein würde. Blogger-Kollege Matthias hörte direkt mal rein und war nicht so überzeugt, vermisste „den letzten Wumms“.

Schon der Name Alexa Feser war einigen aus unserem Team zu dem Zeitpunkt noch nicht geläufig. Dabei hat die 35-Jährige aus Wiesbaden bereits eine lange Zeit im Musikbusiness zu tun – wohlgemerkt über weite Strecken eher in der zweiten Reihe als Backing Vocalist für mehrere namhafte Chart-Acts wie z.B. die No Angels.

Eigene Songs begann sie zwar schon in jungen Jahren zu schreiben, veröffentlicht wurde aber zum ersten Mal 2008. Da erschien Album „Ich gegen mich“ unter ihrem Pseudonym Alexa Phazer. Und auch damals schon lobten Kritiker wie Musikfans ihre kompromisslosen, berührenden Texte und die unvergleichliche, ausdrucksstarke Stimme. Der große Erfolg stellte sich leider nicht ein, doch sie biss sich durch und bekam 2014 durch Warner Music die Möglichkeit, bei einem großen Label zu veröffentlichen.

Mittlerweile begleitete sie schon Adel Tawil bei der NDR-Sommertour als Support und spielte eine eigene kleine Tour im Herbst. „Mir geht es nicht nur um Inhalte und Texte. Ich will, dass man die Geschichten nicht nur in den Zeilen lesen, sondern auch in der Stimme hören kann. Ich will auch nicht schön singen – ich will so singen, dass man mich emotional versteht. Ich will aus Wunden Weisheiten machen“ sagt sie über sich selbst, und auf der gerade angelaufenen 2015er Tour kann sie genau das am Publikum ausprobieren.

IMG_5428_1024x1024_500KBUnd es klappt, kann ich Euch sagen. Das Konzert in der Kölner Kulturkirche war bewegend, emotional, einfach schön. Ein echtes Erlebnis, wie diese noch etwas schüchterne Künstlerin und das Publikum sich gegenseitig beschnuppert haben.

 

Der VE-Song

„Ihr seid das erste Publikum, das… einen ganzen Chorus durchsingt!“ Sichtlich gerührt und beinahe ungläubig kommentierte Alexa die Leistung ihrer Zuhörer. „Glück“ ist ein Ohrwurm, der sich zum Mitsingen prima eignet. Und vielleicht auch manchem Anwesenden in der Kulturkirche aus der Seele sprach.

Immer dann
immer dann
immer dann
wenn es vor dir stand,
hast du es nicht erkannt,
hast du es nicht erkannt
immer dann
immer dann
immer dann
wenn es greifbar war
dann war es dir zu nah
dann war es dir zu nah

Die „whoah-oh“-Passagen sind ein einfacher Einstieg, und so dirigierte sie den gut gefüllten Kirchenbau zu einem Gänsehaut-Chor. Und die Melodie schien allen geläufig, wenn auch nicht unbedingt nur vom Anhören der CD. „Das lief immer bei n-tv, wenn die Wetterbilder vor den Nachrichten liefen“, meinte jemand hinter mir. Stimmt, da habe ich’s auch schon wahrgenommen.

Und so hat sich das Lied sicher auch in das Unterbewusstsein einiger Fernsehzuschauer eingeschlichen, die mit dem Namen Alexa Feser noch immer nichts anfangen können. (Übrigens läuft auch „Frozen Silence“ von Fahrenhaidt im Wetterfernsehen, allerdings bei N24.)

IMG_5400_1024x1024_500KBBewegende Momente mit Alexa Feser live in der Kulturkirche in Köln-Nippes

„Glück“ beginnt alexafesertypisch mit Pianoklängen, freundlicher und nicht so verschlossen wie ihr zweiter Wettbewerbstitel „Das Gold von morgen“ (hier geht’s zu dessen Songcheck), wechselt zwischen Strophen und einem sphärischen, eingängigen Refrain, der zum Ende hin mehrstimmig wird. Auch hier wird das Textmotiv des unentdeckten, nicht direkt erkennbaren Glücks in den Mittelpunkt gestellt – gepaart mit der Erkenntnis, dass es dennoch allgegenwärtig ist. Ein optimistischer Text zu einer einnehmenden Melodie.

Es hat deine Feinde vertrieben,
dich ohne Pause bewacht,
hat dich ein Leben begleitet,
dir jeden Weg frei gemacht,
hat für dich bei all deinen Fragen
nach einer Lösung geschaut,
dir über Flüsse und Gräben eine Brücke gebaut

Alexa Feser – Glück, Studioversion hier

 

Die Chancen auf den VE-Sieg

Dieser Song wird in Runde 1 laufen, wenn alle acht Acts ein Lied vorstellen. Da Alexa noch keine ganz so große Fanschar hat wie sagen wir mal Laing oder Faun, wird sie das Publikum allein durch ihren Auftritt überzeugen müssen, über den instant appeal des Stücks.

Und das ist wie gesagt durchaus eingängig – „haunting“ würde man im Englischen wohl sagen. Die Frage ist, wie das Fernsehpublikum auf den klaren, aber nicht glatt polierten Text reagieren wird. Wird da Platz sein für die Hinweise auf die eigene Blindheit im Alltag? Für den eindringlichen Appell? Oder ist das doch zu schwere Kost für diese Sendung?

Alexa Feser 2
Alexa wird es sicher wie viele ihrer Lieder präsentieren, mit dem eher nachdenklichen Blick am Klavier sitzend, sehr persönlich, sehr nah am Zuhörer. Das mag dem ein oder anderen schon etwas zuviel sein. Etwas schüchtern wirkt sie, nicht der glatte, strahlende Entertainer. Damit steht es meine ich ein wenig auf der Kippe, ob es mit Runde 2 klappen wird.

 

Internet-Präsenz

Alexa Feser ist online gut aufgestellt: Website, Twitter und Facebook. Hier haben sich die Anhänger von rund 10.000 Mitte Januar in vier Wochen auf über 12.000 erhöht.

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: 4 von 5 Sternen
Stimme: 4 von 5 Sternen
Komposition: 4 von 5 Sternen
Instant Appeal: 3 von 5 Sternen

 

Chancen in Wien auf Top Ten?

Ich denke nicht, dass wir „Glück“ in Wien hören werden – dann schon eher „Das Gold von morgen“, das markanter ist, eindringlicher wirkt, tiefer geht. Sollte das Lied vom verkannten Glück allerdings nach Österreich fahren, dann wird es schwer sein, sich von den knallbunten Popsongs wie auch den Hammerballaden, die das Starterfeld in Wien schmücken dürften, abzusetzen. Vieles wird man auch hier über Bilder, Farben, Stimmungen transportieren können (die Bühneneffekte dürften fantastisch werden), aber den Song sehe ich im internationalen Vergleich eher im Mittelfeld.

Alexa Feser

 

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Und wer jetzt Lust bekommen hat, Alexa Feser live in der TUI Arena in Hannover zu erleben, der kann hier ein Ticket für das deutsche Finale „Unser Song für Österreich“ erwerben.

Und wer ihr ganzes Album live hören möchte, kann auf eins ihrer (teilweise wegen USFÖ verlegten) Konzerte gehen. So schaut ihre Tour-Planung nun aus:

09.03. Bochum, Zeche
10.03. Bremen, Fritz-Theater
11.03. Münster, Jovel
12.03. Hannover, Capitol
13.03. Freiburg, Jazzhaus (verlegt vom 06.03.)
15.03. Aschaffenburg, Colos-Saal (verlegt vom 05.03.)
16.03. Mannheim, Capitol (verlegt vom 07.03.)
17.03. Leipzig, Werk2, Halle D (verlegt vom 04.03.)
18.03. Dresden, Alter Schlachthof (verlegt vom 03.03.)

 

Bisher sind im USFÖ-Songcheck erschienen:

(1) “Hörst du die Trommeln” von Faun
(2) “Das Gold von morgen” von Alexa Feser
(3) “A Song for You” von Noize Generation
(4) „Zeig Deine Muskeln“ von Laing
(5) “Abschied” von Faun
(6) „Home is in my hands“ von Andreas Kümmert