USFÖ-Songcheck (8): „Jump the Gun“ von Ann Sophie

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Wiederholt sich ESC-Geschichte? Im vorigen Jahr gelang Elaiza der Durchmarsch vom Clubkonzert bis nach Kopenhagen. In diesem Jahr will Ann Sophie das gleiche zumindest versuchen. Der erste Schritt ist getan: Die 24-Jährige stach vorige Woche neun andere junge Talente in der Großen Freiheit aus und darf sich am 5. März mit Größen wie Faun oder Mrs. Greenbird messen. Ob sie mit ihrem Clubkonzert-Song „Jump the Gun“ eine Chance hat, prüfen wir hier.

24,1 Prozent der abstimmenden Zuschauer entschieden sich am 19. Februar für „Jump the Gun“ und drückten Ann Sophie damit die Wildcard für den Vorentscheid in der TUI Arena in die Hände. Damit hatte vor allem PRINZ Blogger BennyBenny ein gutes Händchen, denn er hatte die junge Hamburgerin (in London geboren) von Anfang an dem Clubkonzert anempfohlen.

Dass sie das Zeug dazu hat, es nicht nur mit Nachwuchstalenten aufzunehmen, die acht Jahre jünger sind als sie, sondern auch mit den gestandeneren Künstlern des Vorentscheids, hat Ann Sophie in der Großen Freiheit schon bewiesen. Sie hat eben nicht nur das Singen in einer Schülerband vorzuweisen, sondern schon eine richtige Schauspielausbildung in New York. Das kommt ihr nun auch als Sängerin auf der Bühne entgegen. Sie bot in Hamburg eine kleine Show, sang nicht einfach nur ihr Lied.

Das (und ihr rückenfreier roter Hosenanzug) dürfte zum Erfolg beigetragen haben – mit dem sie selbst nicht gerechnet habe, wie sie in der Pressekonferenz nach dem Clubkonzert sagte. Ob sie den Hosenanzug auch in Hannover tragen wird, ist bislang noch offen. Immerhin fühlte sich Ann Sophie darin wohl: Er sei nicht so eng, sagte sie, das möge sie nämlich nicht besonders.

Im Musiker-Lebenslauf stehen schon ein Album (Herbst 2012) und viele Auftritte in Bars und Clubs auf der Liste. Welche Musik sie selbst gern hört und dass sie für Christian Bale schwärmt, hat uns Ann Sophie ja bereits in ihrem Fragebogen (hier) erzählt.

Ann-Sophie

Der VE-Song

Mit der souligen Nummer „Get Over Yourself“, die sie für ihre Kandidatur eingereicht hatte, durfte Ann Sophie ja nicht antreten, weil das Stück schon auf ihrem Album erschienen war. Aber „Jump the Gun“ geht musikalisch in dieselbe Richtung, und da haben hinter den Kulissen die Verantwortlichen, die ihr das Lied geschickt haben, eine gute Entscheidung getroffen: Das Lied habe eine gute Hook und man könne mitgrooven, sagt Ann Sophie selbst.

„Jump the Gun“ ist in der Tat eine mehr als akzeptable Nummer, bei dem Ann Sophie ihre Vocal Range auch gut ausspielen kann. Der Melodieverlauf ist durchaus anspruchsvoll, aber sie hat das live in der Großen Freiheit sehr gut gemeistert. Liveblogger Marc sprach vom „besten Gesamt-Package im Angebot“.

„Jump the Gun“ beginnt bereits interessant mit den ersten Keyboard-Tönen, und geschickt verknüpft Ann Sophie die ersten Zeilen mit der Performance: „you rush too much, I don’t understand, I wanna take my time“, singt sie, während sie dem Publikum noch den Rücken zudreht – so als wolle sie sagen: „Nur mal mit der Ruhe, ihr seht mich noch früh genug!“ Dann zwinkert sie kess in die Kamera, ehe der einprägsame Refrain beginnt. Allerdings ist das Stück nicht gerade modern.

Bisher existiert nur die Liveversion aus der Großen Freiheit – in einer Studioproduktion lässt sich aus dem Song sicher noch mehr rausholen und die Instrumentierung noch satter machen als mit der Liveband auf der Reeperbahn.

Ann Sophie, Jump the Gun (beim Clubkonzert)

 

Die Chancen auf den VE-Sieg

Die ganz oben aufgeworfene Frage, ob sich das Elaiza-Märchen wiederholt oder überhaupt nur wiederholen kann, ist wohl aus heutiger Sicht mit einem „Jein“ zu beantworten. Für „Jump the Gun“ spricht, dass es aus meiner Sicht besser und ESC-tauglicher ist als manches andere, was der NDR direkt für die Vorentscheidung gesetzt hat. Damit halte ich es für gut möglich, dass die 24-Jährige ein paar Kandidaten aus dem Rennen wirft und sich bei USFÖ in die zweite Runde katapultiert. „Jump the Gun“ sollte dabei – schon weil es jetzt dank des Clubkonzert-Erfolgs die bekanntere Nummer ist – ganz zwingend der Song sein, den Ann Sophie zuerst präsentiert.

Ob es ihr aber gelingt, auch ganz am Ende zu reüssieren, bleibt die Frage. Die Konstellation ist doch eine andere als voriges Jahr in Köln. Zum einen gab es da die Vorrunde in Form eines Clubkonzertes das erste Mal, und damit hatten die Wildcard-Inhaberinnen einen gewissen Debüt-Bonus. Das Elaiza-Trio trat als die großen Underdogs an, denen ein interessiertes Publikum gern das Herz schenkte.

Zum anderen war die Konkurrenz eine andere: Mit Santiano, vor allem aber mit Unheilig, waren ganz große Namen im Rennen. Die aber nicht nur eine große Fanbase hatten, sondern damit auch eine große Anti-Fanbase. Leute, die den pathosbehafteten Gesang des Grafen nicht ausstehen konnten. Leute, die den Shanty-Folk von Santiano grauenhaft fanden. Und zwar schon lange vor der Vorentscheidung.

Das wird am 5. März anders sein: Im Gegensatz zu Unheilig und Santiano kennt die breite Masse weder Faun noch Noize Generation. Selbst die vermeintlich größten Namen, Mrs Greenbird oder Andreas Kümmert, haben bei Weitem nicht diese Bekanntheit. Damit ist ein Sieg von „Jump the Gun“ in der TUI Arena nicht völlig ausgeschlossen, aber manches spricht dagegen.

1Ann Sophie mit ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber

Internet-Präsenz

Ann Sophies Website („I am me, when I am music“) findet ihr hier. Außerdem ist sie auf Facebook, sie twittert und ist auf Instagram zu finden. Und weil sie, wie im Fragebogen verraten, am liebsten auf Pinterest surft, hat sie natürlich auch selbst dort eine Seite.

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: sexy, aber auch etwas kühl und unnahbar: 3 von 5 Sternen
Stimme: gut, bisweilen mir einen Hauch zu musicalhaft: 4 von 5 Sternen
Komposition: eingängig, aber tendenziell leicht altbacken: 3 von 5 Sternen
Instant Appeal: 3 von 5 Sternen

 

Chance in Wien auf TopTen?

Sollte es Ann Sophie tatsächlich Elaiza nachmachen, dann steht der NDR vor einer ähnlich schwierigen Aufgabe wie im vergangenen Jahr. Im bisher weiblich dominierten Feld fällt die 24-Jährige nicht als eigenständig genug auf, und es fehlt ihr auch die unbekümmerte Locker- und Natürlichkeit, die Lena vor fünf Jahren in einem bis zur letzten Geste durchchoreografierten Wettbewerb so hervorstechen ließen.

Das große „WOW!“ ruft „Jump the Gun“ auch nicht hervor. Damit hängt das Wohl und Wehe vor allem von dem Backdrop ab, von den Bildern und Stimmungen, die auf der LED-Wand und auf dem Boden unter Ann Sophie erzeugt werden. Es dürfte aber schwierig werden, mit dem Song unter die ersten Zehn zu kommen.

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Und wer jetzt Lust bekommen hat, Ann Sophie live in der TUI Arena in Hannover zu erleben, der kann hier ein Ticket für das deutsche Finale „Unser Song für Österreich“ erwerben.

Bisher im USFÖ-Songcheck erschienen:

(1) “Hörst du die Trommeln” von Faun
(2) “Das Gold von morgen” von Alexa Feser
(3) „A Song for You“ von Noize Generation
(4) “Zeig Deine Muskeln” von Laing
(5) „Abschied“ von Faun
(6) „Home is in my Hands“ von Andreas Kümmert
(7) „Glück“ von Alexa Feser