Vor dreißig Jahren: Céline Dions Sieg auf den Punkt gebracht

In den letzten Jahren war oftmals schon frühzeitig eine der letztendliche Sieger auszumachen. Doch es gab auch Jahre, da stand der Sieger erst mit der letzten Punktewertung fest. Vor dreißig Jahren mußte man den letzten Zwölfer abwarten, um den Beginn einer Weltkarriere mitzuerleben. 1988 gewann Céline Dion mit nur einem Punkt Vorsprung den Eurovision Song Contest.

30. April 1988. 21 Länder trafen sich im irischen Dublin, um dort den 33. Eurovision Song Contest zu zelebrieren. Nach 1981 war die Royal Dublin Society im RDS Simmonscourt Pavillion die Austragungsstätte für den Wettbewerb.

Kurz vor dem großen Ereignis musste sich jedoch der zypriotische Beitrag „Thimame“ von Yiannis Dimitrou aus dem Wettbewerb zurückziehen, da er regelwidrig schon vorher veröffentlicht worden war. In den Teilnehmerlisten und auf einer LP, die herausgebracht wurde, stand der Titel noch drauf.

Die Bühne wirkte gigantisch, obwohl es doch die gleiche Lokalität wie 1981 war. Durch lange Lichtbahnen erschien das Szenario gigantisch. Jedoch die Künstler verschwanden nicht im Nirgendwo. Die Iren waren wie auch bei zukünftigen Ausgaben des Eurovision Song Contest Vorreiter in Sachen Darbietung einer großen Show.

Die Moderation lag in Händen von Michelle Rocca und Pat Kenny. Michelle Rocca war mal Miss Irland und Pat Kenny moderierte jahrelang die bekannte Late Late Show. Ihre Moderation ist nicht umumstritten. Für die einen wirkte das Geplänkel zwischen den Beiden sehr locker, für andere zu unbeholfen.

Michelle Rocca änderte ihre Frisur zwischen den Liedern und der Punkteverkündung von klassischer Langhaarfrisur zu einem futuristischen Haargebilde.

Bei den Beiträgen gab es mehrere Rückkehrer zum Contest. Yardena Arazi trat für Israel 1976 an, moderierte den ESC 1979 und kehrte nun als Sängerin zurück. Ein Omen sagte ihr, dass es mit Start-Nr. 9 zum Sieg gehen würde. Jedoch durch den Wegfall des Beitrages aus Zypern startete sie auf Platz 8 und wurde nur Siebte. Start-Nr. 9 gewann trotzdem, aber dazu später.

Für Schweden ging Tommy Körberg an den Start. Er hatte das Land schon 1969 vertreten. Eine Erkältung warf ihn vor Ort aus dem Rennen, so dass seine Komponistin und Textdichterin Py Bäckman bei der Generalprobe auf der Bühne stand.

Im Finale war Tommy dann da, aber der Stimmglanz des Musicalsängers hatte doch arg gelitten und nur ein 12. Platz mit 52 Punkten blieb am Ende.

MFÖ vetraten nach 1985 nochmals die Türkei, aber mit 37 Punkten blieben sie auf Platz 15 hängen.

Schwanger kam zum zweiten Mal Kirsten Siggaard zur Eurovision. Schon 1984 und 1985 hatte das Duo Hot Eyes Dänemark vertreten und bei der ersten Teilnahme war Kirsten auch schwanger. In Dublin belegten sie trotz schwieriger Tonqualität einen hervorragenden 3. Platz mit 92 Punkten.

Hochgehandelt wurde der niederländische Beitrag von Gerard Joling. Aber der Künstler reiste während der Probenwoche nochmals zurück in die Heimat, was ihm den Unmut der NOS einhandelte, da er verschnupft zurückkehrte und den hohen letzten Ton des Liedes nicht sang.

Für Frankreich ging ein Routinier an den Start Gérard Lenorman schaffte es mit „Chanteur de Charme“ die französische Misere der letzten Jahre mit einem 10. Platz abzumildern.

Null Punkte regnete es für Österreich. Hochambitioniert sang Wilfried „Lisa Mona Lisa“, jedoch konnte er mit dieser experimentellen Ballade keinen Blumentopf gewinnen. Am 16. Juli 2017 starb der auch als Schauspieler bekannte und beliebte österreichische Sänger mit nur 67 Jahren an Krebs.

Herausragende Beiträge lieferten die Norweger und Iren. Karoline Krüger sang ihr gefühlvolles „For vår jord“ geschrieben von Anita Skorgan bei Kerzenschein am Klavier. Beide interpretierten den Song beim diesjährigen Melodi Grand Prix noch einmal. 1988 gab es dafür Platz 5.

Irland entsandte eine moderne Popballade von der Gruppe Jump The Gun, die bei Co-Kommentatorin Nicole hoch angesehen war. Mit Platz 8 war das Ergebnis eher enttäuschend. Der Interval-Act von The Hothouse Flowers „Don`t Go“ wurde europaweit der eigentliche Sieger des Contests. Es zeigte Irlands guten Geschmack in Sachen Pausenprogramm.

Eine Weltkarriere legte die für Luxemburg startende und in Belgien lebende Franco-Kanadierin Lara Fabian hin. Noch ganz bescheiden belegte sie 1988 Platz 4 mit „Croire“, einige Jahre später folgte sie Céline Dion mit einer großen Karriere.

Und Deutschland. 1988 läutete der Contest eine Zeit der Misere deutscher Teilnahmen ein. Seit 1978 war das Land zumeist verwöhnt mit den Ergebnissen. Ralph Siegel und Bernd Meinunger hatten „Lied für einen Freund“ für Maxi und Chris Garden geschrieben, die national 1987 noch Wind unterlegen waren. Angebliche Tonprobleme zerstörten die Hoffnung des Mutter-Tochter-Gespanns, den zweiten Platz von 1987 zu wiederholen und sie landeten nur auf Platz 14 mit 48 Punkten.

Aber den wahren Höhepunkt erlebte den Eurovision Song Contest am Schluss des Abends: Die spannende Punkteauszählung, die vielen Länder lange Zeit die Hoffnung ließ, um den Sieg mitreden zu können. Zum Schluss jedoch waren es nur zwei Länder noch, die um die Krone wetteiferten. Nach der Abstimmung Portugals hatte der britische Sänger Scott Fitzgerald 136 Punkte und der Franco-Kanadierin Céline Dion aus der Schweiz 131. Nun war es an Jugoslawien, Punkte zu geben. Miša Molk verkündete für die Schweiz 6 Punkte und somit lag „Ne partez pas sans moi“ einen Punkt vor „Go“, aber es kamen ja noch vier Wertungen. Keine 7, keine 8, keine 10 für Großbritannien. Und 12 Punkte gingen an …Frankreich.

Scott Fitzgerald Großbritannien 1988

Großes Geschrei und eine verheulte Céline betraten die Bühne und die Revanche für das Autorenteam Atilla Şereftuğ und Nella Martinetti für 1986 war gelungen. Für Großbritannien gab es 20 Jahre nach der Riesenenttäuschung um den einen Punkt von 1968 eine traurige Wiederholung.

Celine Dion Schweiz 1988 1jpg

Für Céline Dion bedeutete das jedoch nicht den großen Durchbruch. Der kam erst mit ihrem ESC-Opener von 1989, „Where Does My Heart Beat now“, der in den USA 1990 raus kam und als Erfolg nach Europa zurückkehrte.