Was die Suche nach dem Termin für den ESC 2019 erschwert

Anders als in früheren Jahren hat die EBU noch keinen (unverbindlichen) Termin für den Eurovision Song Contest 2019 genannt. In der Tat könnte sich die Festlegung auf ein Datum schwierig gestalten, denn im Mai 2019 kommen sich einige schon gesetzte Events in die Quere, und dann sind da auch noch hohe Feiertage in Israel.

In israelischen Medien wird bereits die Kombination 21./23./25. Mai 2019 für die drei Shows des ESC 2019 kolportiert. Das könnte durchaus Sinn ergeben, denn gleich drei sehr wichtige Feiertage fallen im nächsten Jahr im jüdischen Kalender auf Anfang Mai. Feiertage, die in der Vergangenheit auch schon dazu geführt haben, dass Israel nicht am ESC teilnahm. Am 1. Mai 2019 ist Jom haScho’a, also der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.  Jom haSikaron, ein wichtiger Gedanktag für die gefallenen Soldaten, fällt 2019 auf den 8. Mai. Und am 9. Mai wird dann der Unabhängigkeitstag Jom haAtzma’ut begangen.

Diese Abfolge von drei wichtigen Gedenktagen kurz hintereinander mache einen ESC schon am 14./16./18. Mai 2019 kaum möglich, so die Argumentation, schließlich fielen dann Probetage just auf die Feiertage. Auch ein noch früherer ESC – am 7./9./11. Mai – wäre wegen dieser Gedenktage praktisch undenkbar. Die Termine 21./23./25.5. wären aber für die Israelis kein Problem, denn dann fiele die Probenwoche auf die Zeit nach Jom haAtzma’ut.

Das wäre die Sichtweise der israelischen Gastgeber auf den Wunschtermin für den ESC. Dem stehen aber Interessen anderer Teilnehmerländer entgegen. Deutschland etwa: Der Deutsche Fußball-Bund DFB hat für den 25. Mai 2019 das Finale des DFB-Pokals angesetzt und dafür schon das Berliner Olympiastadion gebucht. Eine Woche später, am 1. Juni 2019, könnte der ESC ebenfalls kaum stattfinden – da ist das Finale der Champions League.

Ein ganz früher ESC, also mit den beiden Semis am 30. April und 2. Mai und dem Finale am 4. Mai wäre theoretisch denkbar, aber da hätten die Israelis wieder ein Problem: dann müsste am 1. Mai das Juryfinale des 2. Halbfinals stattfinden, also just am Holocaust-Gedenktag. Auch kaum machbar. Noch früher wäre ein ESC kaum denkbar. Zwar fanden in der Vergangenheit ESC auch schon im April statt, zuletzt 1988 und 1994 jeweils am 30. April sowie 1983 am 23. April. 1981 fand er sogar am 4. April statt.

Das waren aber andere Zeiten mit viel weniger Teilnehmern und ohne Semis. Heutzutage wäre ein ESC an einem 27. April (2019) mit den beiden Semis am 23. und 25. April kaum noch denkbar, die Proben begännen entsprechend noch früher. Da müsste dann eventuell der Stichtag zur endgültige Abgabe des teilnehmenden Beitrags vorverlegt werden usw. Außerdem liegt 2019 Ostern spät – in diesem Szenario fände das 1. Halbfinale (23. April) am Tag nach Ostermontag statt. Wobei das wohl das geringste Problem wäre.

Kurzum: Die Terminsuche dürfte schwierig sein. Eine Seite wird über ihren Schatten springen müssen. Wird die EBU Druck auf die Israelis ausüben, sich der Terminkombi 14./16./18. Mai 2019 zu beugen, weil nur diese aus gesamteuropäischer Sicht wirklich machbar erscheint – womöglich verbunden mit dem Hinweis, dass ansonsten ein anderes Land den ESC austragen sollte? Zumal es vielleicht kein Problem wäre, wenn an einem Gedenktag einfach in der Halle weiter geprobt wird? Oder lassen es die Fußballländer auf einen Zusammentreffen von Fußball-Event und ESC ankommen? Oder einigt man sich womöglich auf einen ganz späten Termin: Semis am 4. und 6. Juni, Finale am 8. Juni? Damit hätte man zumindest wieder mal das Pfingstwochenende getroffen – denn wegen des späten Ostertermins fällt der Pfingstsonntag 2019 tatsächlich auf den 9. Juni.

Es bleibt abzuwarten, wie sich alle Seiten entscheiden. Als Austragungsort dürfte alles auf Jerusalem (wohl in der Pais Arena) hinauslaufen – zumal laut israelischen Medien der Bürgermeister von Tel Aviv schon ausgeschlossen hat, dass sich seine Stadt um die Ausrichtung bewerben wird. Eigentlich schade, am Mittelmeer wäre das doch sicher reizvoll gewesen. Kein All aboard Teil 2, also.