Was macht eigentlich…? (1): Rosenstolz

rosenstolz

In unserer neuen Serie „Was macht eigentlich…?“ wollen wir für euch ein paar ehemalige ESC- und Vorentscheidungsteilnehmer unter die Lupe nehmen und beleuchten, was seit ihrer Teilnahme am Grand Prix mit ihnen passiert ist. Los geht es heute mit Rosenstolz. Die Band ist in der deutschen Musiklandschaft zwar ein großer Name, dürfte aber nur von den allerwenigsten mit dem ESC in Verbindung gebracht werden. Dabei war die Teilnahme an der deutschen Vorentscheidung für AnNa R. und Peter Plate überhaupt erst der Startschuss für eine große Karriere.

Rosenstolz gründete sich 1991 in Berlin. Nach und nach bauten sich die beiden vor allem in und um Berlin eine treue Fangemeinde – zunächst vor allem auch in der Schwulenszene – auf, schafften aber lange keinen richtigen Durchbruch. Erst mit der Veröffentlichung ihres fünften Studioalbums „Die Schlampen sind müde“ schafften sie es schließlich in die Charts, konnten sich dort aber nicht sonderlich lange halten. Die Bekanntheit von Rosenstolz steigerte sich aber schlagartig, als das Duo 1998 am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (damals „Countdown Grand Prix“) teilnahm.

Der ESC Auftritt und seine Auswirkungen 

Zur Erinnerung: 1998 war noch die Zeit, zu der das Teilnehmerfeld des deutschen Vorentscheids zu ca. einem Drittel aus Siegel/Meinunger-Songs bestand. Insofern versprach die Teilnahme von Rosenstolz tatsächlich Abwechslung. Gleichzeitig hatten sich die beiden das denkbar schlechteste Jahr für eine Teilnahme ausgesucht, denn wer sollte Guildo Horn, den Meister, schlagen?

Am Ende landeten Rosenstolz jedenfalls auf einem verdienten zweiten Platz. Verdient, weil sie mit „Herzensschöner“ ein schönes, berührendes Lied vertrugen. Gleichzeitig wirkte der ganze Auftritt aber für Rosenstolzverhältnisse viel zu brav, AnNa R. ein bisschen zu sehr geschminkt und Peter dagegen sehr blass hinter seinem Keyboard. Aber sie hätten vermutlich die Show ihres Lebens abliefern können und hätten „Guildo hat euch lieb“ trotzdem nicht in die Knie gezwungen.

Rosenstolz – Herzensschöner (Deutsche Vorentscheidung 1998)

Rolle des ESC in der Karriere von Rosenstolz

Für Rosenstolz war die Teilnahme am Vorentscheid dennoch der Anfang einer großen Karriere im deutschsprachigen Raum. Die meisten der fünf bis dahin veröffentlichten Alben hatten es nicht einmal in die Top 100 geschafft. „Die Schlampen sind müde“, das Album vor „Herzensschöner“, schaffte es zwar schon bis auf Platz 31, konnte sich dann aber nur fünf Wochen in den Charts halten. Nach der Teilnahme am ESC, stieg die Platte dann allerdings wieder in die Charts ein und „Zucker“, das folgende Studioalbum, landete auf Anhieb auf Platz 2 der Albumcharts. Rosenstolz hatten den Durchbruch geschafft.

„Herzensschöner“ ist übrigens weder auf „Die Schlampen sind müde“ noch auf „Zucker“ enthalten, sondern wurde auf „Alles Gute“ veröffentlicht, dem Best of-Album, das zwischen diesen beiden Studioalben erschien.

Doch auch danach vergrößerten sich die Bekanntheit und der Erfolg von Rosenstolz von Jahr zu Jahr. Waren auf Rosenstolz-Touren zunächst die Clubs und später die Hallen ausverkauft, so spielten Rosenstolz auf dem Höhepunkt nur noch in den größten Arenen und Stadien. Auch die CD-Verkäufe zogen stetig weiter an und gipfelten schließlich 2006 in ihrem größten Erfolg: Das Album „Das große Leben“ hielt sich insgesamt 116 Wochen in den deutschen Charts und verkaufte sich über 1,1 Millionen Mal.

Schließlich folgte die erste und einzige Nummer-1-Single in der Karriere von Rosenstolz: „Gib mir Sonne“ aus dem Album „Die Suche geht weiter“. Tragische Fügung des Schicksals: Diese Single läutete den Anfang des Karriereknicks von Rosenstolz ein.

Wie ging es weiter und wo steht Rosenstolz heute?

Auch wenn die meisten Künstler von vergleichbaren CD-Verkäufen träumen, fanden die Alben „Die Suche geht weiter“ und „Wir sind am Leben“ nicht mehr diesen gigantischen Zuspruch wie zuvor „Das große Leben“. Damit einher ging eine Phase, in der es auch privat nur noch mittel lief und in der die Band aufgrund einer Burn-Out-Erkrankung von Peter eine längere Pause einlegen musste. Auch wenn sie danach nochmal kurzzeitig musikalisch von sich hören ließen, spielten sie schon zu „Wir sind am Leben“ keine Tour mehr und offensichtlich gab es kleinere oder größere Differenzen zwischen AnNa und Peter. Schließlich verkündeten die beiden, dass sie auf Abstand gehen und eine längere, mittlerweile drei Jahre andauernde Pause einlegen würden.

Danach stürzten sich beide in eigene Projekte. Am umtriebigsten war Peter und eine erschöpfende Liste seines Schaffens würde den Rahmen sprengen. Daher seien beispielhaft nur sein Soloalbum (musikalisch und chartmäßig enttäuschend) sowie eine Zusammenarbeit mit Marianne Rosenberg (Airport Berlin feat. Marianne Rosenberg – „Ich fühl mich Disco„) genannt. Für die nahe Zukunft hat er das Musical „Romeo & Julia“ in Zusammenarbeit mit Hellmuth Karaseks Sohn Daniel angekündigt.

Peter Plate – „Wir beide sind Musik“ (Live bei Carmen Nebel)

AnNa R. ist mittlerweile Frontfrau der erstaunlich nach einer seichten Rosensolz-Version klingenden Band Gleis 8. Auch wenn es für dieses Projekt charttechnisch etwas besser lief, ist die Band doch im Großen und Ganzen relativ unbekannt geblieben. Vielleicht ändert sich das ja mit dem zweiten Album, an dem die vier Bandmitglieder momentan schreiben.

Gleis 8 – Wer ich bin

Rückkehr zum ESC

Da Rosenstolz (vorerst) getrennte Wege gehen, ist eine erneute Teilnahme am deutschen Vorentscheid relativ unrealistisch. Gerade von Peter ist aber bekannt, dass er ein relativ großer Fan des ESC ist, also warum sollte er eines seiner Projekte nicht mal in den Wettbewerb schicken oder vielleicht zumindest als Songwriter in die Bresche springen? Oder – wie wäre es mit einem Rosenstolz Comeback beim ESC?

 

Vorschau: Am kommenden Mittwoch widmet sich Tjabe an dieser Stelle einer – wie sollte es anders sein – niederländischen Sängerin, die es im Gegensatz zu Rosenstolz zwar auf die internationale Bühne, aber leider nicht ins Finale geschafft hat – ein weiteres Kapitel im Buch der gestürzten Fanfavoriten.