Was macht eigentlich…? (11): Ingeborg

Ingeborg 1989 Belgien

Ihr Name war höchstwahrscheinlich einer der Auslöser für die Entwicklung dieser Serie. Bei einer bloginternen Diskussion über die starke Präsenz einer deutschen Sängerin, die scheinbar nicht nur Deutschland, sondern auch einige vom Blogger-Team atemlos zurückläßt, fiel als erster Vergleichsname der von Ingeborg, die 1989 Belgien mit dem Lied „Door de wind“ vertrat. Obwohl sie in Lausanne nur 19. wurde, blieb ihr Name in den Köpfen der Fans präsent und ihr Lied kann man wohl zu den Eurovisions-Klassikern zählen. Nach der Eurovision fand sie eine gute Balance zwischen der glitzernden Welt des Showgeschäfts und dem normalen Leben.

Geboren wurde Ingeborg als Ingeborg Thérèse Marguerite Sergeant am 15.10.1966 in Flandern und ihre ersten Schritte auf der Bühne machte sie im Bereich Kabarett. Nach einer vierjährigen Schauspielausbildung gründete sie mit ihrer Studienkollegin Myriam Bronzwaar das Kabarettduo „Zwiep en Brons“ und heimste früh erste Preise ein.

Zur gleichen Zeit brachte sie ihre erste Single „Verlangen“ zusammen mit der Gruppe Clouseau heraus. Hier kann man sich den Song anhören. Ein Jahr später gehörte sie zu den 12 Hoffnungsträgern des flämischen Rundfunks BRT, um das ganze Land am 06. Mai 1989 vertreten zu dürfen. Am 18. März sang Ingeborg als Dritte im Amerikaans Theater von Brüssel unter der Moderation von Luc Appermont „Door de wind“, geschrieben durch ihren damaligen Freund Stef Bos.

Das Teilnehmerfeld enthielt aus heutiger Sicht kaum große Namen. Margriet Hermans, die damals am Anfang ihrer Moderatorenkarriere stand, sang das Lied „Wat ik bedoel“, für das sie 34 Punkte und Platz 6 erhielt. Zehn Jahre nach ihrer Vorentscheidungsteilnahme saß sie im flämischen Parlament, wo sie politisch bis 2009 aktiv blieb und insbesondere für kulturelle Belange eintrat.

Jedoch kannte die Vorentscheidung den Karrierebeginn einer Gruppe, die auch europaweit Erfolge einfahren konnte. Clouseau startete direkt nach Ingeborg, nachdem sie 1988 noch zusammen gearbeitet hatten,  und sangen „Anne“. Mit 51 zu 64 Punkten unterlagen sie Ingeborg ziemlich deutlich, aber „Anne“ wurde ein Riesenhit in Belgien. Ihm folgten weitere Erfolge in der Heimat, aber auch in den Niederlanden, so dass der flämische Rundfunk sie für den Contest 1991 einkaufte, wo sie aber nur Platz 16 erreichten. International wurde man auf die Gruppe aufmerksam und sie landeten mit „Close Encounters“ auch in den deutschen Charts. In Belgien ist Clouseau bis heute in den Charts wiederzufinden und dem Erfolgssong „Anne“ folgten einige Nr. 1 Hits.

Clouseau – Anne

Am 18. März 1989 hatten sie jedoch das Nachsehen, denn vier der fünf flämischen Provinzen und auch die professionelle Jury sahen Ingeborg mit „Door de wind“ weiter vorn. 64 Punkte waren auch eine gute Bank, so dass man sehr optimistisch gen Lausanne fuhr.

Der Auftritt bei der Eurovision und seine Auswirkungen

Startplatz 6 unter 22 Teilnehmer wurde für Belgien ausgelost und Ingeborg betrat am 06. Mai 1989 allein die große Bühne des Palais de Beaulieu in Lausanne. Nur Komponist und Textdichter Stef Bos stand als Chorsänger im hinteren Bereich der Bühne. Ein schickes cremefarbenes Ensemble mit Hosenrock kleidete die sympathische Sängerin, ihr Chorsänger war dazu passend farblich angezogen. Schon gleich nach ihrem Auftritt konnte der deutsche Kommentator Thomas Gottschalk es sich nicht verkneifen, anzumerken, dass er hoffe, die Juries würden ihr den Hosenrock nicht übel nehmen.

Ingeborg – Door de wind

Bei der Punktevergabe sah es jedoch ganz danach aus, dass die Juries mehr aufs Outfit als auf das Lied geachtet hatten. Zweimal 5 Punkte aus Irland und den Niederlanden, 2 Punkte aus Norwegen und ein Punkt aus Island ergaben 13 Punkte zum Schluss und Ingeborg blieb nur der 19. Platz.

Ob es nun am Hosenrock oder doch vielleicht an dem doch eher sanft gewählten Lied lag, das lässt sich nicht erahnen. In Belgien wurde das Ergebnis zur Kenntnis genommen. Man kannte insbesondere aus flämischer Sicht viele schwache Platzierungen, so dass das Abschneiden von Ingeborg nicht so sehr aus dem Rahmen fiel.

Der Song entwickelte sich aber zu einem Fanfavoriten und ist heute noch ein gern gehörter Beitrag aus dem reichhaltigen belgischen Angebot.

Da sich die Flamen und Wallonen jedes Jahr mit der Teilnahme beim Song Contest abwechseln, hatte das Abschneiden in Lausanne keine großen Folgen. Sicherlich wurde den Verantwortlichen des belgischen Rundfunks im Verlauf des Sommers bewusst, dass sie eventuell besser „Anne“ hätte schicken sollen, so dass man 1991 beschloss, Clouseau ohne Vorentscheid direkt für die Eurovision zu nominieren.

Wie ging es weiter und wo steht Ingeborg heute?

Für Ingeborg folgten wietere kleinere Hits, jedoch verlagerte sie sich immer mehr aufs Moderieren. Unter anderem Kuppelshows wie „Blind Date“ oder „All You Need Is Love“, in Deutschland wurde daraus „Nur die Liebe zählt“, lagen in ihrer Obhut. 16 Jahre lang bis 2006 moderierte sie die Kindersendung „Schuif Af!“

1991 gelang ihr ein weiterer musikalischer Erfolg mit dem Lied „Waarom“. Bis auf Platz 2 schaffte es dieses Lied in den Charts. Weitere Songs folgen bis 1995. Danach veränderten sich die Schwerpunkte im Leben von Ingeborg. 1997 heiratete sie ihren Manager Roland Keyaert, mit dem sie seit 1994 einen gemeinsamen Sohn hat.

Ingeborg -Waarom

Ab 1994 bildete sich Ingeborg neben ihrer Moderationstätigkeit weiter in Bereichen der Meditation, Yoga sowie weiteren Richtungen der persönlichen Weiterentwicklung. Auf Ihrer Homepage hier kann man sich genauer informieren und sehen, welche Kurse sie anbietet. Zudem kann man anhand der vielen Fotos auf der Website einen Eindruck ihres breitgefächerten Wirkens gewinnen.

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Sie wusste es auch, ihre mediale Erfahrung für ihre neue Ausrichtung zu nutzen. Von 2007 bis 2012 arbeitete sie für den Fernsehsender „Vitaya“ und dem digitalen Sender „Vitaliteit“, die unter anderem thematisch auf das Glück, der Gesundheit und den menschlichen Interessen ausgerichtet waren. Zusammen mit Roland Verschaeve schrieb sie zudem den Ratgeber „Wie ben je eigenlijk?“, in deutsch „Wer bist Du eigentlich?“.

Aber das Singen ließ Ingeborg trotzdem nicht los. 2002 platzierte sie sich mit „Zo dichtbij“ wieder in den Charts und es folgen weitere Songs. Hier kann man sich „Zo dichtbij“ anhören.

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Rückkehr zum Eurovision Song Contest?

Ein erneute Eurovisionsteilnahme lässt sich wohl ausschließen, aber wenn man sich den Lebensverlauf anschaut, dann kann man nie ausschließen, dass Ingeborg plötzlich wieder auftaucht. Auf ihrer Homepage bleibt das Kapitel Eurovision nicht ausgespart und selbst ihr damaliger Freund Stef Bos wird indirekt erwähnt. Jedoch haben sich Ingeborgs Lebensinhalte in Richtung der Lebenshilfe für andere Menschen durch unter anderem der Meditation und dem Yoga verschoben, so dass ein erneuter Versuch der sympathischen Künstlerin in der Eurovision wohl eher ausbleiben wird.

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Vielleicht finden sich unter den Teilnehmern ihrer Kurse am 4. und 5. November oder ihrem Wochenendseminar „Overvloedig weekend“ am 8. und 9. November einige, denen noch stets der Refrain ihres Eurovisionsliedes auf den Lippen liegt :

Door de wind
door de regen
dwars door alles heen
door de storm
al zit alles me tegen
door jou
ben ik nooit alleen

In der nächsten Folge widmet Matthias sich dem Mann, der in seinem Heimatland für Furore sorgte, weil er Frankreich den ersten ESC-Beitrag auf Englisch bescherte.

Bereits in der Serie “Was macht eigentlich…?” erschienen:

(1) Rosenstolz (BennyBenny)
(2) Glennis Grace (Tjabe)
(3) Guildo Horn (Marc)
(4) Jill Johnson (Matthias)
(5) Didier Barbelivien (Armen)
(6) Andreas Lundstedt (Douze Points)
(7) Ray Caruana (WM)
(8) Kalomira (DJ Ohrmeister)
(9) Michelle (Jan)
(10) Lordi (DJ Ohrmeister)