Was macht eigentlich…? (5): Didier Barbelivien

Didier Barbelivien
Didier wer? Das war die Reaktion der meisten meiner Blogger-Kollegen, als ich mich entschieden habe, im Rahmen unserer „Was macht eigentlich…“-Serie über Didier Barbelivien zu berichten. Was mir nicht leicht fiel, denn fast alle Quellen sind auf französisch (oder japanisch). Es lohnt sich aber, denn immerhin kann das Multi-Talent auf vier ESC-Beiträge in einer Zeitspanne von 17 Jahren zurückblicken…

Didier Barbelivien ist ein französischer Sänger und Songwriter, geboren am 10. März 1954 in Paris. In den 1970er Jahren schrieb unter anderem für Dalida, Johnny Hallyday, Claude François, Patricia Kaas (ESC 2009), Michel Sardou, Sylvie Vartan (armenisch-bulgarischer Herkunft), Gérard Lenorman (ESC 1988). Auch Michèle Torr (ESC 1966 und 1977) sang seine Lieder. Sprich: das Who-is-Who der französischen Musikszene.

Barbelivien
Die Musik wurde ihm nicht in die Wiege gelegt, wie man das oft von ESC-Teilnehmern hört. Seine Eltern waren Kaufleute. Aber die Leidenschaft für die Musik zeigte sich schon sehr früh. Kleinere Rückschläge musste er überwinden, bevor er unterstützt durch Lehrer, die an ihn glaubten, das Musikstudium aufnehmen konnte. Bereits mit 15 Jahren komponierte er seine ersten Songs und Polydor wurde auf ihn aufmerksam. Glücklicherweise war das Gebäude der Polydor in unmittelbarer Nähe des Lycée Chaptal, das im Herzen von Paris steht. So entstanden seine ersten Platten mit den oben genannten Künstlern.

Auch als Sänger hatte er große Erfolge – unter anderem mit „Elle„, „Michelle„, „Mademoiselle chante le blues“ oder „Mon mec à moi„. Selbst hier gibt es einen ESC-Bezug, denn Marie N (ESC 2002) sang im Rahmen von „Sparkling Night of Divas“ in Riga beeindruckend und charmant „Mademoiselle chante le blues“.

Marie N – Mademoiselle chante le blues

Wenn man die Augen zu macht, fühlt man sich schon ein wenig versetzt in eine Bar nahe des Moulin Rouge. Aber sobald ich sie öffne, fühle ich mich doch wieder wie in einer lettischen Vorentscheidung. Nichtsdestotrotz: très charmante! Besonders gefiel mir auch „Michelle“. Eine hübsche Melodie und jeder beim Konzert kann sie mitsingen:

Didier Barbelivien – Michelle

Der ESC – und seine Auswirkungen

Vier Songs hat Monsieur Barbelivien für den ESC kreiiert, stets als Texter. Allein 1978 und 1979 waren es drei Beiträge. Allesamt waren sie natürlich auf französisch. 1978 schickte er „Il y a toujours des violons“ gesungen von Joel Prévost für Frankreich und „Dans les jardins de Monaco“ von Caline & Olivier Toussaint für Monaco zum ESC nach Paris. Das Lied aus Monaco war übrigens gerade bei WM Thema in unserer Sommer-Serie. Beide Songs waren ganz nach der damals erfolgreichen Machart gestrickt: Natürlich französisch, eine Art hymnenhafter Ballade. Nicht allzu getragen, aber auch nicht tanzbar.

Musikalisch gefallen mir die Songs. Vor allem das monegassische Lied höre ich mir immer wieder gerne an. Aber der Text zu „Il y a toujours des violons“ ist doch recht dümmlich:

Du kannst das Land wechseln, wenn du den Regen nicht magst,
du kannst den Mann wechseln, wenn du meine Songs nicht magst,
du kannst sogar Revolution machen –
Aber es wird immer Geigen geben, um von Liebe zu singen„.

Zum Thema Geigen hat WM mal einen großartigen Beitrag verfasst: HIER nachzulesen.

Frankreich 1978: Joel Prévost – Il y a toujours des violons

Moanco: 1978: Caline & Olivier Toussaint – Dans les jardins de Monaco

Diese beiden Chansons platzierten sich beim ESC in Paris großartig: Rang 3 und 4 sprangen heraus. Lediglich Israel und Belgien hatten besser punkten können. Umso mehr muss die Enttäuschung 1979 über den 16ten Platz (Viertletzter) gewesen sein, als Laurent Vaguener mit „Notre vie c’est la musique“ mit lediglich 12 Punkten nach Hause fahren musste. Er war für Monaco angetreten, ebenfalls mit einem Lied von Didier Barbelivien. Den Song finde ich an sich ganz hübsch. Aber die Interpretation ist völlig unmöglich, komplett überperformt von einem… wie sage ich es möglichst diplomatisch… schleimigen Typen, der aussieht, als wäre einem 70er-Jahre-Porno entsprungen.

Monaco 1979: Laurent Vaguener  – Notre vie c’est la musique

16 Jahre vergingen, bevor Didier Barbelivien einen weiteren Song für den ESC einreichte, wieder als Texter. 1995 sang Nathalie Santamaria in Dublin „Il me donne rendez-vous„. Ein ungewöhnlicher Beitrag mit einer charismatischen Sängerin. Ebenso bemerkenswert ist, obwohl der französische Song kein einziges Mal die Höchstwertung erhielt, erreichte Nathalia Santamaria den vierten Rang.

Frankreich 1995: Nathalie Santamaria – Il me donne rendez-vous

 
Was passierte danach?

Nun… eigentlich nicht viel und dennoch eine ganze Menge. Nachdem Frankreich 1978 den dritten Platz errang, konnte man dieses Niveau nur noch bis 1981 halten. Beinahe 10 Jahre lang konnte sich die Grande Nation nur noch unter ferner liefen platzieren. Anfang der 1990er kamen wieder Top-Ränge. Darunter fällt auch „Il me donne rendez-vous“. Mit ein paar wenigen Ausnahmen war das aber auch das Ende der beim ESC erfolgreichen französischen Beiträge.

Für Monaco beendete der Song 1979 sogar die Teilnahme am ESC für 25 Jahre. Erst 2004 kehrte Télé Monte Carlo zurück und stieg nach drei erfolglosen Versuchen wiederum aus dem Wettbewerb aus.

Rolle des ESC in der Karriere

Ich habe den Eindruck, dass die ESC-Teilnahme so gut wie keinen Einfluss auf seine Karriere hatte. Das mag unter anderem daran liegen, dass man als Texter und Komponist nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit steht. Zumal die Songs meist sehr gut abgeschnitten haben.

Wie ging es weiter und wo steht Didier Barbelivien heute?

Didier Barbelivien genoss ebenso seinen Erfolg als Sänger, erste Soloauftritte in den 1980er Jahren mit „Elle„, das einen Spitzenplatz in den Charts errang. 1990 auch im Duett mit Félix Grau und ihrem Song „À toutes les filles“, das zumindest in den Top 50 in den Charts zu verzeichnen war. 1993 überraschte er seine Fans mit einem Comeback auf der Bühne mit einer Neuinszenierung eines historischen Epos Vendée 93, basierend auf dem Roman „93“ von Victor Hugo. Es handelt sich hierbei um den letzten Roman des Schriftstellers Victor Hugo, der 1874 veröffentlicht wurde.

Barbelivien - Vendée 93
Im Jahr nach seiner letzten ESC-Teilnahme schrieb er alle Texte des Musicals Les enfants du soleil, welches mehrere Wochen im Dome in Marseille gespielt wurde.

Didier Barbilivien 3

 

Werden wir etwas aktueller… was macht Didier Barbelivien heute?

Erst im Juli 2014 wurde der Rapper PSY gefragt, wer sein Wunschkandidat wäre, seinen berühmten Gangnam-Style zu kopieren. Ohne zu zögern antwortete PSY: Didier Barbelivien! Das Lachen unter den Presseleuten war natürlich groß. Aber die Gerüchteküche kocht und es heißt der französische Künstler habe die Herausforderung angenommen und übe fleißig. „Didier Barbelivien verbrachte Stunden jeden Abend wackelnd auf dem Balkon und fuchtelte mit den Armen wie auf einem imaginären Pferd. Ich habe ihn noch nie so entschlossen und engagiert gesehen“, sagte ein enger Freund.

Na – wir werden sehen, ob da was dran ist! Noch aktueller ist folgende Meldung: Angeblich soll sich Didier Barbelivien vor ein paar Tagen verlobt haben. Mehrere Promi-News berichteten, dass er am 19. August beim Juwelier mehrere Verlobungsringe begutachtet habe. Außerdem soll sich das Paar vor einem intimen Kreis von besten Freunden die Treue geschworen haben. Der Name der Glücklichen ist jedoch nirgends überliefert, überall ist immer nur von Freundin oder „ihr“ die Rede.

Beruflich ist Didier Barbelivien auch sehr fleißig – im Durchschnitt hat er die letzten 10 Jahre alle zwei Jahre ein Album veröffentlicht. Zum Beispiel Atelier d’artistes (2009), Mes préférences (2011), Dédicacé (2013).

Didier Barbilivien

Mit dem letzten Album ist er zurzeit auf Tour. HIER können die Tourdaten und die Locations nachgelesen werden. Das Album ist natürlich sehr chansonlastig. Von ruhig und gitarren-dominiert bis schlagerhaft. Das flotteste Lied ist „Dieu a invité la radio„, das mich an ein wenig an die 60er erinnert. Insgesamt eine entspannte Zusammenstellung.

Didier Barbilivien1

Ich weiß nicht, wann dieser Mann zwischen Konzerten und einer Hochzeit noch Zeit haben will – aber angeblich will er 2015 ein neues Album herausbringen und damit auf Welttournee gehen. Wir bleiben gespannt, denn es soll einige Überraschungen geben.

Rückkehr zum ESC?

Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Der Mann hat im Grunde erreicht, was er erreichen konnte. Ein Sieg beim ESC ist für ihn sicher keine Herausforderung mehr, auf die er angewiesen ist. Womöglich fragt ihn mal ein Künstler oder eine TV-Station an und bittet: Schreib mir bitte ein Lied für den ESC, das ich dort singen kann. Unwahrscheinlich!

Infos zu Didier Barbelivien im Netz:

Webpage
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Vorschau: In Folge 6 in unserer Serie geht Douze Points mal wieder auf Reisen in den Norden und begutachtet einen Künstler aus Schweden, der sowohl im Melodifestivalen als auch auf ESC-Bühne, insbesondere aber in der Yellow- und Rainbow-Press Spuren hinterlassen hat. Lasst Euch überraschen…

 

Bereits in der Serie “Was macht eigentlich…?” erschienen:

(1) Rosenstolz (BennyBenny)
(2) Glennis Grace (Tjabe)
(3) Guildo Horn (Marc)
(4) Jill Johnson (Matthias)