Webbjoker: Schwedens „kleines“ Melodifestivalen

Zum dritten Mal bindet Schwedens TV-Sender SVT Amateure in die Auswahl für den Eurovision Song Contest ein. Auch diesmal konnte wieder jeder, der bislang nicht professionell als Musiker Platten veröffentlicht, bei SVT Songs einreichen. Allerdings wurde der Abstimmungsmodus jetzt komplett verändert.

In den vergangenen beiden Jahren konnte man im Internet sämtliche eingereichte Songs anhören – zumindest die, die den Regeln grundsätzlich entsprachen. Eine weitere Vorauswahl fand nicht statt. So kam man in den „Genuss“ mancher schrägen Nummern: ich erinnere nur an die singende Mülltonne und ihren Begleiter, die Mohrrübe…

Dieses Jahr bleibt uns diese Freude erspart… Eine Jury des schwedischen Fernsehens hat aus den vom 1. bis 20. September eingereichten 570 Beiträgen (neuer Rekord!) die besten 32 ausgesucht.

32?? Moment mal… da war doch was?!?

Ja, genau: Aus dem Webbjoker-Wettbewerb wird ein eigenes kleines Melodifestivalen. Am Montag, 3. Oktober, geht’s Punkt 12 Uhr los mit den ersten acht Webbjoker-Kandidaten in der ersten Runde (parallel dazu werden die Künstler und Liedtitel aller vier Runden preisgegeben). Das Webbjoker-Mello findet wieder im Internet statt und läuft bis 31. Oktober. Anders als in den Vorjahren gibt es kein Video, sondern man kann sich nur das Lied anhören: „Der Fokus liegt auf der Musik“, erklärt SVT.

Jeweils von Montag bis Montag läuft eine Vorrunde – dann kann aus Schweden pro Handynummer nur eine SMS für das Lieblingslied verschickt werden. „Der kommt weiter, von dem die meisten denken dass es gut ist – nicht der, der die meisten Freunde animiert hat“, sagt Mello-Chef Christer Björkman.

Aus jeder der vier Runden kommt der Song mit den meisten Stimmen ins Finale; außerdem wählt SVT einen weiteren Titel pro Runde aus. Am 31. Oktober stehen damit acht Lieder fest, die am 7. November das Webbjoker-Finale bestreiten. Dieses Jahr wird es nur einen Gewinner geben – also nur ein Ticket fürs große Melodifestivalen 2012, das am 4. Februar in Växjö beginnt. Weiteres zum Finale am 7. November ist noch nicht bekannt – klar ist bisher nur, dass dort allein „das Volk“ bestimmen wird, es gibt also keine Jury des SVT o.ä.

Allerdings ist nicht gesagt, dass der Sieger vom 7. November dann auch im Februar auf der Mello-Bühne stehen wird: SVT behält sich das Recht vor, den Künstler auszuwählen, der das Webbjoker-Siegerlied vortragen wird. Damit reagiert SVT wohl auch darauf, dass die Webbjoker in den vergangenen beiden Jahren erfolglos waren. Der erste Webbjoker 2010, „Come and Get Me Now“ von MiSt, wurde in der Mello-Vorrunde nur Siebter. Das gleiche Schicksal ereile Jonas Matsson ein Jahr später mit „On My Own“. Der zweite Webbjoker 2011, „Better Or Worse“ von Julia Alvgard, wurde in ihrer Vorrunde auch nur Sechster.

Möglicherweise könnte der Webbjoker letztlich im Melodifestivalen in der Tat mehr bringen, wenn er von einem bekannten Namen präsentiert wird – allerdings hat die Unterstützung in 2010 (MiSt wurden da von der Band Highlights begeleitet) auch nix geholfen…