Weltoffenheit statt Lederhosen: Dieses Kreativ-Team soll’s richten

ORF Kreativ-Team ESC 2015

Wenn Du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis. Oder ein Kreativ-Team. Mit dieser Strategie will der ORF einen inhaltlich vielfältigen und weltoffenen Eurovision Song Contest 2015 auf die Beine stellen. Wer sind die vier, denen der ORF diese Aufgabe übertragt?

Die Meldung in der Kronenzeitung (von dort wurde auch das Aufmacherbild übernommen) war vergleichsweise kurz: Die ORF-Direktorin Kathi Zechner, die mit dem ESC eine Show machen will, „auf die Österreich stolz ist“, hat ein Kreativ-Team ins Leben gerufen, dass der Senung zusätzliche Impulse verpassen soll. Verpflichtet wurden dafür Stefan Ruzowitzky, Elisabeth Scharang, Ursula Strauss und André Heller (auf dem Bild von links nach rechts). Diese werden sich – wie es heißt -„natürlich unentgeltlich“ in regelmäßigen Abständen treffen und Ideen sammeln.

Bleibt die Frage, warum die Wahl auf diese Personen gefallen ist, die einmal abgesehen von André Heller wohl den wenigsten Deutschen sofort etwas sagen dürften.

Stefan Ruzowitzky beherrscht die Klaviatur von Popmainstream bis (filmischer) Hochkultur. So haben wir u. a. ihm das N’Sync-Video von „Tearin’ up my heart“ zu verdanken. Zumindest Justin Timberlake als ehemaliger Leadsinger der Band dürfte Ruzowitzky dafür immer noch dankbar sein.


N’Sync – Tearin‘ up my heart

Bereits 1996 hatte Ruzowitzky sein Regie- und Drehbuchdebüt mit dem Spielfilm Tempo, der dann auch gleich den Max-Ophüls-Preis erhielt. In den filmischen Olymp stieg er aber mit seinem Werk Die Fälscher auf, der 2008 als bester fremdsprachiger Film mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.


Trailer „Die Fälscher“

Seit dem Oktober letzten Jahres hat er die Präsidentschaft der Akademie des Österreichischen Films (was es so alles gibt!) inne und zwar zusammen mit…

Ursula Strauss. Die Niederösterreicherin besuchte die Schauspielschule in Wien und war danach an unzähligen Bühnen – neben Österreich auch in Deutschland – präsent. Ins Filmgeschäft stieg sie 1999 ein und bekam 2003 in Böse Zellen ihre erste Hauptrolle. Große Popularität erreichte sie in der österreichischen Krimiserie Schnell ermittelt, in der sie als Kommissarin Angelika Schnell die Hauptrolle übernahm.


Trailer „Vielleicht in einem anderen Leben“

Der bisherige Höhepunkt ihres filmischen Schaffens gelang Strauss 2012 mit der Auszeichung mit dem Österreichischen Filmpreis für ihre Rolle in Vielleicht in einem anderen Leben. Regisseurin dieses Films war…

Elisabeth Scharang. Die Steirerin ist ein mediales Multitalent. Nach ihrem Studium stieg sie beim ORF ein und war dort zunächst vor allem im Radiobereich tätig, wo sie Jugend- und Musiksendungen moderierte und journalistisch gestaltete. In den 1990er Jahren drehte sie für den ORF auch Dokumentationen. Mittlerweile ist sie als Film- und Fernsehregisseurin aktiv (siehe oben) und moderiert im Fernsehen sowie in fast allen Radioprogrammen des ORF. Eine von Scharangs ersten Stationen beim ORF war die Sendung Musikbox, die zuvor schon moderiert wurde von

André Heller. Er ist der einzige, bei dem sofort ein ESC-Bezug auffällt: Mitte der 1980er Jahre war er kurzzeitig mit Anke Kesselaar, der damaligen Ehefrau des ehemaligen niederländischen ESC-Teilnahmers Rudi Carrell liiert. Für die Berufung in das Kreativ-Team qualifizieren ihn aber noch viele weitere Erfahrungen: So arbeitete er als Schauspieler an Avantgardebühnen und Programmgestalter beim ORF. Er war Gründer und Moderator der Popwelle Ö3. Außerdem reüssierte er als Chansonnier und Liedermacher und brachte es auf zwölf Goldene Schallplatten und sieben Mal Platin.


Zirkusshow Afrika! Afrika!

Internationales Aufsehen erregte Heller aber mit seinen Aktionen und Inszenierungen. Ob Zirkus Roncalli, Bundesgartenschau 1985 in Berlin, Fußball-Globus für die WM 2006 in Deutschland oder die Show Afrika! Afrika! Was Heller anpackt, ist nicht nur inhaltlich spannend und oft spektakulär. Zumeist wird es auch von einem lauten, aber nicht immer nur postivem Auftreten Medienecho begleitet.

Insgesamt hat der ORF vier gestandene Medienpersönlichkeiten akquiriert. André Heller ist dabei sicher der schillerndste der vier Kreativen, der den ESC aber hoffentlich nicht zu sehr zu einem Ego-Trip umdeutet. Andererseits kann von ihm auch einiges an spannendem Input erwartet werden. Und mehr als ein Mini-Konzert von Jan Delay dürfte dabei auch rumkommen.

Das dänische Fernsehen hatte versucht, die Zuschauer zu kreativen Ideenlieferanten zu machen, und scheiterte damit kläglich: Ein Deutscher hatte vorgeschlagen, dass im Pausenprogramm gezeigt werden solle, wie der ESC in ein paar Jahrzehnten aussehen könnte. Was in den Proben noch zu sehen war, wurde zur TV-Show dann kurzerhand gestrichen.

Mal sehen, wie nachhaltig die vom ORF-Kreativ-Team gelieferten Ideen sind und welche wir dann tatsächlich im Mai 2015 zu sehen bekommen.