Wer soll das Melodifestivalen 2017 gewinnen?

Jon Henrik Fjällgren Wiktoria Aninia Melodifestivalen 2017

Die vergangenen Wochen sind mal wieder im Fluge an uns vorbeigerauscht, 5 Runden Melodifestivalen liegen hinter uns – jetzt steht nur noch das Finale am kommenden Samstag in der Stockholmer Friends Arena an. Gibt es klare Favoriten oder ist das Feld weit offen? Aber was meint Ihr?

Den größten Aufreger dieses Jahrgangs haben wir am vergangenen Samstag erlebt, als die Schweden mal wieder ihre Spezialität ausgepackt haben, nämlich den veritablen Königinnenmord per Telefon – quasi „Bei Anruf Mord“! Ähnlich wie im Jahre 2008, als Carola im Duett mit Andreas Johnson in der Andra Chansen scheiterte, musste diesmal die ESC-Siegerin von 2012, Loreen, die Segel gegen ein Bübchen streichen, der sein Glück kaum fassen konnte und die Welt nicht mehr verstand.

2008 erreichten Carola und Andreas Johnson in der K.O.-Abstimmung mehr Anrufe als alle anderen Kandidaten. Nur der direkte Konkurrent, seinerzeit Nordman, bekam noch mehr Stimmen. Es handelte sich somit vermutlich nicht um ein Votum für ihn, sondern um eines gegen Carola, zumal seine Zustimmung in der darauffolgenden Runde (damals gab es noch Viertel- und Halbfinale in der Andra Chansen) um die Hälfte einbrach. Und es ist zu befürchten, dass die Abstimmungsergebnisse in diesem Jahr ähnlich sind. Vermutlich hat also Anton Hagman am Samstag die meisten Stimmen aller Teilnehmer erhalten.

Carola Andreas JohnsonAutsch, das tat weh…

Nun hat es also Loreen getroffen und in Schweden überschlagen sich die Kommentatoren in der Beschimpfung der TV-Zuschauer, die sich mal wieder für braves Mittelmaß entschieden hätten, anstatt auch einmal auf Risiko zu gehen. Wenn das so weitergehe, würde das Festival immer mehr in der Bedeutungslosigkeit versinken und jegliche Relevanz verlieren. Nun, soweit ist es sicher noch nicht, aber vermutlich muss sich SVT zum Beispiel einmal Gedanken über die Abstimmungs-App machen, die vielleicht doch eher von den Teenies zum Glühen gebracht wird als von Frau Svensson aus Södertälje oder Herrn Wilhelmsson aus Halmstad. Für die Teenies ist Loreen mit ihrem Ausdrucksauftritt natürlich nichts, das versteht man ja sogar. Wie auch immer – aus der Andra Chansen haben es jedenfalls die vier glattgebügelsten Interpreten ohne jegliche Ecke und Kante ins Finale geschafft.

Geht es nun nach den Buchmachern, erwartet uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Nano und Wiktoria (Foto oben rechts) – mit leichten Außenseiterchancen für Jon Henrik Fjällgren & Aninia (Foto oben links und mitte) sowie Robin Bengtsson. Die zwölf Finalisten stellen wir Euch in der Startreihenfolge vom Samstag hier noch einmal vor.

Noch eine Bemerkung vorab. Nachdem den schwedischen Komponisten ja von mehreren Seiten immer wieder vorgeworfen wird, die europäischen Vorentscheidungen mit ihren Massenproduktionen zu überfluten, sei darauf hingewiesen, dass auch am Melodifestivalen die Globalisierung inzwischen nicht mehr spurlos vorübergeht. Neben Schweden sind in diesem Jahr auch zwei US-Amerikaner, eine Britin, ein Däne, ein Südafrikaner, ein Australier und eine Süd-Sudanesin (!) mit von der Partie – Mello goes global!

Nun aber zu den Kandidaten 2017:

1. Ace Wilder – Wild Child
(Peter Boström, Thomas G:son, Ace Wilder)

Für die 34-jährige Ace – mit richtigem Namen eigentlich Alice – ist es der dritte Anlauf auf die Mello-Krone. Bis auf den ersten Platz hat sie dabei alle Podestplätze bereits gewonnen. 2014 wurde sie sehr knappe Zweite („Busy Doin‘ Nothing“), im vergangenen Jahr landete sie auf dem Bronzeplatz mit „Don’t Worry„. Third time lucky 2017? Den Song hat Ace zusammen mit den „Euphoria-Erschaffern“ geschrieben.

 

2. Boris René – Her Kiss
(Tim Larsson, Tobias Lundgren)

Zum zweiten Mal nach 2016 hat sich Boris über die Andra Chansen für das Finale qualifiziert. Nachdem er im vergangenen Jahr seine Profi-Fußballer-Karriere endgültig an den Nagel gehängt hat, konzentriert sich der 25-Jährige nur noch auf die Musik. Die Komponisten sind auch schon alte Hasen im Mello- und ESC-Geschäft. Zuletzt versorgten sie Maltas Ira Losco mit „Walk On Water„.

 

3. Lisa Ajax – I Don’t Give A
(Ola Svensson, Linnea Deb, Joy Deb, Anton Hård af Segerstad)

Castingstar Lisa Ajax (Siegerin von „Idol 2014“) ist inzwischen 18 Jahre alt und damit volljährig. Das unterstreicht sie durch unartige gesungene Wörter, die die EBU bei einem Sieg vermutlich einkassieren wird. Aber das ist reinste Theorie! Das Komponistenteam besteht aus des ESC-Siegern 2015 („Heroes„) sowie Ola, der in den Nuller-Jahren gelegentlich das Melodifestivalen als Sänger beehrt hat (z.B. HIER).

 

4. Robin Bengtsson – I Can’t Go On
(David Kreuger, Hamed ”K-One” Pirouzpanah, Robin Stjernberg)

2008 wurde Robin Dritter beim schwedischen „Idol“ hinter dem Malteser Kevin Borg und Alice Svensson, die in diesem Jahr in der vierten Mello-Vorrunde scheiterte. Seiner danach vor sich hin dümpelnden Karriere konnte er im vergangenen Jahr einen ordentlichen Schub versetzen, als er mit „Constellation Prize“ einen ordentlichen 5. Platz im Mello-Finale belegte. Eine ähnliche Platzierung dürfte man auch in diesem Jahr erwarten. Unter den Komponisten befindet sich Robin Stjernberg, der 2013 beim Heim-ESC in Malmö eines der schlechtesten Ergebnisse der letzten Jahre für Schweden hinnehmen musste…

 

5. Jon Henrik Fjällgren feat. Aninia – En värld full av strider (Eatneme gusnie jeenh dååroeh)
(Jon Henrik Fjällgren, Sara Biglert, Christian Schneider, Andreas Hedlund)

Zwei Jahre nach seinem zweiten Platz, nur geschlagen von Superhero MONZ, versucht es der südamerikanische Nordschwede erneut, mit einem Joik zum ESC zu gelangen. Diesmal hat Rentierhirte Jon Henrik (29) Hilfe von Aninia, einer studierten Philosophin, die 2009 schon einmal auf der Mello-Bühne stand (wer erkennt sie HIER?). Beim Komponieren geholfen hat das Team, dem im vergangenen Jahr der allererste tschechische Finaleinzug gelang.

 

6. Anton Hagman – Kiss You Goodbye
(Christian Fast, Tim Schou, Henrik Nordenback)

Durch den zuvor erwähnten Königinnenmord befindet sich auch der 18-jährige Anton im Starterfeld. Seit 2014 lädt er bei YouTube Coverversionen hoch (zum Beispiel HIER), so wurde er entdeckt und profitierte am vergangenen Samstag in der Andra Chansen von der Spaltung der TV-Zuschauer durch Loreens „Statements“. Unter den Komponisten befindet sich auch Tim „I wanna f… you“ Schou, Leadsänger der Band A Friend in London (Dänemark 2011).

 

7. Mariette – A Million Years
(Thomas G:son, Johanna Jansson, Peter Boström, Mariette Hansson, Jenny Hansson)

Der zweite G:son-Song des Finales. Zwei Jahre nach ihrem dritten Platz beim Mello-Finale („Don’t Stop Believing„) versucht es die 34-jährige Frau Hansson erneut. Wettbewerbserfahren ist sie nach diversen Castingshows auf alle Fälle. 2015 war der Trostpreis die Punktevergabe beim ESC. Diesmal gehört sie wieder zum erweiterten Favoritenkreis – und in diesem Jahr scheint alles möglich zu sein.

 

8. FO & O – Gotta Thing About You
(Robert John ”Mutt” Lange, Tony Nilsson)

Felix, Oscar und Omar bildeten noch bis zum vergangenen Jahr gemeinsam mit „Olly“ die Fooo Conspiracy und hatten einige veritable Hits in ihrem Heimatland. Single-Erfolge, ein Nr. 1-Album und Vorgruppe von Justin Bieber. Dann aber wollte Olly nicht mehr und nun mussten sich die verbliebenen Drei durch die Andra Chansen ins Finale zittern. Da musikalisch keine Wunder von diesem Song zu erwarten sind, stürzt sich die schwedische Presse momentan auch lieber auf die Spekulationen rund um Oscars (19 Jahre alt!) Beziehung zu einer 48-jährigen Frau…

 

9. Nano – Hold On
(Nano Omar, Gino Yonan, Ayak, Carl Rydén, Christoffer Belaieff, Rikard de Bruin, David Francis Jackson, Johan Röhr)

Nano Omar ist 31 Jahre alt und hat bereits ein ziemlich bewegtes Leben hinter sich. Mehrere Gefängnisaufenthalte aufgrund von Beschaffungskriminalität hatten erst ein Ende, als er Vater wurde. Seitdem hat er sich außer ziemlich guter Musik nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Nano gehört in diesem Jahr zu den Top-Favoriten, eine gewisse Ähnlichkeit – äußerlich als auch musikalisch – zu Rag´n´Bone Man ist dabei sicher nicht hinderlich…

 

10. Wiktoria – As I Lay Me Down
(Justin Forrest, Jonas Wallin, Lauren Dyson)

Die 20-jährige Wiktoria Johansson setzt nach ihrem vierten Platz 2016 in diesem Jahr zum großen Wurf an. Die Buchmacher sehen sie und ihren Country-Dance-Song knapp auf dem obersten Treppchen. 2011 noch in Sachen Kinder-Mello unterwegs, war sie in der Folgezeit Mitglied einer Coverband und wurde anlässlich einer kleinen Sommertournee 2015 entdeckt. Nun will sie sich also bis Kiew „hochschlafen“, inklusive Bettszene auf offener Bühne…

 

11. Benjamin Ingrosso – Good Lovin‘
(Benjamin Ingrosso, Louis Schoorl, Matt Parad, MAG)

Wenn kaum jemand so auf das US-Präsidentenamt vorbereitet gewesen ist wie Hillary Clinton, dann ist mit Sicherheit niemand so gut vorbereitet auf eine ESC-Teilnahme für Schweden wie der 19-jährige Benjamin. Er entstammt quasi schwedisch-italienischem ESC-Adel. Seine Familie (Mutter, Vater, Tante, Onkel) bringt es auf mindestens 10 Mello-Teilnahmen, die Tante war zweimal beim ESC und hat ihn sogar gewonnen. Sein Bruder produziert italo-gerecht die Swedish House Mafia. Näheres über die verworrene Familienstruktur gibt es HIER. Seine erste Mello-Teilnahme versucht Mello-Benny mit Soulfunk erfolgreich zu gestalten.

 

12. Owe Thörnqvist – Boogieman Blues
(Owe Thörnqvist)

Die Legende zum Schluss! 87 Jahre alt ist dieser Mann und hat schon Musik gemacht, als unsere Eltern – bei manchen sogar die Großeltern noch gar nicht vorgesehen waren. Seine erste Schallplatte erschien 1955. Zeit seines Lebens war er als öffentliche Person relativ umstritten und lebt daher auch seit mehreren Jahrzehnten in Spanien. Aber er hat auch Pionierarbeit geleistet – er gilt nämlich als Schwedens erster Stand-Up-Comedian. Nun also sein Mello-Debüt als Interpret. Als Komponist wurde er 1962 bereits Zweiter mit der wunderbaren Monica Zetterlund.

 

So, und nun Feuer frei zur Abstimmung – wen wollt Ihr für Schweden auf der ESC-Bühne von Kiew sehen?

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