„When you’re feelin‘ all right, everything is uptight…“ – 40 Jahre „Ding-A-Dong“

Teach In Ding-A-Dong

Manchmal kann es so leicht sein: eine simple, aber sehr eingängige Melodie, ein banaler Text und ein sinnentleertes, titelgebendes Schlagwort und fertig ist ein liebenswerter ESC-Sieger und Fan-Evergreen. So geschehen genau heute vor 40 Jahren, am 22. März 1975, als die Niederlande mit „Ding-A-Dong“ in Stockholm den Sieg davon trugen.

Teach-In hieß die Band, die das Kunststück vollbrachte. Und Band ist das Stichwort. Als in Stockholm die Startnummer 1 aufgerufen wurde, betraten 6 junge Leute in unsagbar albernen Klamotten die Bühne. Eindeutig an die Vorjahressieger ABBA angelehnt, wirkten die Niederländer im ESC-Kontext allerdings ungeheuer progressiv und modern. Da gab es Plateauschuhe und Satinhosen, bunt war es und langhaarig. Und Gitarren und Keyboards wurden auch auf die Bühne geschleppt. Jetzt kommt ein richtig toller Rocksong, mag sich da so mancher gedacht haben, aber ganz so weit ging man dann doch nicht, im Gegenteil.

Getty Kaspers - Teach inTeach-In präsentierten mit „Ding-A-Dong“ (auch als „Ding Dinge Dong“ oder „Dinge Dong“ bezeichnet) einen  schmissigen Schlager im dezenten modernen musikalischen Gewand, der seine Coolness vor allem durch die gelungene und sehr poppige Gesangsdarbietung der Leadsängern Getty Kaspers, einer gebürtigen Österreicherin, erhielt. „Ding-A-Dong“ fordert einen durch und durch positiven Blick auf die Welt und hält sich nicht lange mit Problemen auf. Daher steht der Name der Band im diametralen Kontrast zum Song, stammt der Begriff „Teach In“ doch aus den Zeiten der Protestbewegung der mittleren und späten 60er Jahre. Bei jenen Teach-Ins ging es gerade darum, Probleme zu wälzen.

„Ding-A-Dong“ mag ein einfaches Lied sein, es ist dennoch ein Song, dem man sich kaum entziehen kann, so fröhlich und leicht nistet er sich im Gehörgang ein. Im Angebot des Stockholmer Abends hob er sich gerade dadurch ab. Dort gab es mal wieder viel Tränenschweres und Balladeskes und in diesem Umfeld stach „Ding-A-Dong“ in seiner Direktheit und Fröhlichkeit heraus. (Ein ausführlicher Bericht über den 1975er ESC findet sich hier.)

teach_in-ding-a-dong_sIm wirklichen Leben nach dem ESC hatte es der Song  allerdings schwerer. Bunt bekleidete Popmusiker waren 1975 fast schon ein Auslaufmodell, selbst ABBA zogen sich mittlerweile halbwegs vernünftig an und David Bowie und die Sweet schminkten sich ab.

Auch musikalisch traf „Ding-A-Dong“ nicht so ganz den Nerv der Zeit. Irgendwie schien der Song für die Plattenkonsumenten im Frühjahr 1975 nicht Fisch nicht Fleisch zu sein, weder Schlager noch Pop und so gab es annehmbare Chartnotierungen in diversen europäischen Ländern, aber keine Spitzenplätze, wie im Jahr zuvor für „Waterloo“.

Teach-In hatten sich 1971 gegründet und konnten vor ihrer ESC-Teilnahme bereits einige Hitsingles in den Niederlanden vorweisen, ebenfalls meist fröhliche Schlager-Pop-Schlager, wie etwa „Tennessee Town“ aus dem Jahre 1974:

Anfang 1975 war es ihnen dann ein Leichtes, sich gegen Albert West und Debbie in der niederländischen Vorentscheidung durchzusetzen. Damals gab es drei Lieder und drei Interpreten, zunächst wurde der Song ausgewählt (klar, „Ding-A-Dong“) und dann der passende Interpert (klar, Teach-In). Aber weil es so schön ist, hier alle drei Dingedongs.

Als Da-capo brachte die Gruppe den Song bereits in der perfekten englischen Version und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier der Favorit gewonnen hatte.

Im Anschluss an den moderaten kommerziellen Erfolg ihres ESC-Siegertitels gab es eine weitere Single und weiteres Album in „Originalbesetzung“, die aber kaum für internationale Furore sorgte und dann hatte Getty die Nase voll und verließ die Band. Beim ESC 1976 war die Siegerband von 1975 bereits Geschichte.

Die History von Teach-In war aber noch nicht ganz vorbei. Einige männliche Reste der Gruppe schnappten sich gleich zwei neue Sängerinnen, verschrieben sich dem Dutch-Disco-Sound und hatten damit Ende der 70er Jahre sogar ein paar Hits in Deutschland, etwa „The Robot“ und  das Travolta-Tribut „Dear John“. Kurz danach verschwand man in der Versenkung.

Die Eurovisonsgemeinde hat dem bisher letzten niederländischen Siegertitel aber bis heute die Treue gehalten. „Ding-A-Dong“ ist ein Song, den fast jeder mitsingen kann und der immer noch auf ESC-Partys funktioniert. Merke: was im wirklichen Leben untergeht, zaubert manchem Freund der leichtfüßigen europäischen Unterhaltungsmusik auch nach vierzig Jahren noch ein Lächeln auf die Lippen – darum: Danke, liebe Niederländer für „Ding-A-Dong“.