Wien lädt ein: ESC 1967 – Teil 2: Wahnsinnshits und Walzertakt

Puppet on a string

Unsere kleine Reise durch die Untiefen des ESC 1967 geht weiter. Und diesmal geht es um das Filetstück der Veranstaltung: die Songs und Künstler aus den 17 teilnehmenden Ländern. Gleich vorweg: der Siegertitel des 67er ESC stellte kommerziell alles in den Schatten, was das Festival bisher an Gewinnern ausgespuckt hatte und das war noch nicht alles, ein zweiter Welthit wurde auch noch geboren, der es aber erst über Umwege in den Evergreen-Olymp einstieg.

„Puppet on a string“ hieß das Gewinnerlied und nach fünf zweiten Plätzen zwischen 1959 und 65 war dieser Frühlingsabend im April endlich die Nacht der Briten. Das Königreich schaffte den Sieg mit einem Song, der im Feld der damaligen Popmusik zwar eindeutig als Schlager bezeichnet werden muss, bei diesem ESC aber so poppig und modern wie kein anderer daherkam.

Sandie Shaw Puppet CoverDer Song ist ein irrsinniger Ohrwurm und kann tatsächlich bereits beim allerersten Mal mitgesungen werden, die Interpretin Sandie Shaw verzichtete auf jegliche Bühnenkonvention, die der ESC bisher scheinbar verlangt hatte und sang leicht, locker, flockig wie keine andere an diesem Abend. Fast fing sie gar an zu tanzen, ein scheinbares No-Go in damaligen ESC-Zeiten. Ein Mikroproblem zu Beginn ihres Auftrittes brachte sie überhaupt nicht aus der Fassung. Und außerdem begründete sie eine Tradition, ohne die man sich den ESC heute kaum noch vorstellen kann: den Barfuß-AuftrittSandie trug tatsächlich keine Schuhe – für einen Galaabend wie den ESC etwas völlig Neues. Technisch gesehen war sie allerdings gar nicht barfuß, denn die feinen Damenstrümpfe waren am Bein geblieben, aber wir wollen mal nicht so sein. Passend dazu nutzte die Firma Feinstrumpfhosenfirma Belinda Ende der 60er „Puppet on a string“ in einem TV-Werbespot.

Sandie Shaw  und „Puppet on a string“ überzeugten die Juroren restlos. Es gab insgesamt 47 von 160 möglichen Punkten, nur aus zwei Ländern fand sich kein Juror, der seine Stimme an Sandie gab und am Ende hatte sie mehr als doppelt so viele Punkte wie der zweitplatzierte Ire. Das nennt man eindeutig.

Cover Autobiographie Sandie ShawSo gab Sandie Shaw dem Festival einen ordentlichen Kick in Richtung Modernität, der durch die nachfolgende Eroberung der Charts in ganz Europa noch seine Bekräftigung fand. Mit „Puppet on a string“ hatte sie den größten Hit ihrer Karriere und gleichzeitig war ihr der Song auch ein Klotz am unbeschuhten Bein. Für sie war es ein dämlicher Oompah-oompah- Schlager, der mit ihrem „normalen“ Material so gar nichts zu tun hatte und der ihrer Meinung nach ihrer Glaubwürdigkeit schadete. Jahrelang wurde sie nicht müde, genau das zu betonen und in ihrer Autobiographie „The world at my feet“ aus dem Jahre 1991 geht sie mit Lied und ESC-Teilnahme allgemein hart ins Gericht. Erfreulicherweise hat sich diese Abwehrhaltung inzwischen gelegt, wie bei einem Gastauftritt beim britischen Vorentscheid vor ein paar Jahren deutlich wurde.

Und tatsächlich: „Puppet on a string“ ist und bleibt ein Schlager, allerdings einer mit Pep und Witz. Sandie nahm ihn in vielen Sprachen auf (auch auf deutsch) und heute wird sie außerhalb Großbritanniens fast ausschließlich mit diesem Titel verknüpft. Hoffen wir, dass er ihr letztendlich doch das ein oder andere Pfund Sterling in die Tasche gewirtschaftet hat, aber möglich ist es, denn schließlich konnte sie mit dem Lied noch 30 Jahr später in Dieter Thomas Hecks Sonntagabendshows im ZDF reüssieren. Mag es um Sandies Glaubwürdigkeit tragsich bestellt gewesen sein, für den ESC war der „Puppet“-Sieg ein großer Gewinn an Credibiltiy – man konnte nicht nur Hits, sondern sogar Riesenhits produzieren, die ein bisschen nach Pop klangen.

Und, wie schon erwähnt, der Siegertitel war nicht der einzige Riesenhit des Abends in Wien. Auch der luxemburgische Beitrag „L’amour est bleu“ schaffte es, sich im Laufe er Jahre in die Riege der Weltschlager einzureihen, wenn auch erst ein Weilchen später.

Cover Vicky L'amour est bleuVicky, damals noch recht am Anfang ihrer Karriere, allerdings schon 18 Jahre alt (obwohl sie heute vermutlich behaupten würde, sie wäre damals 11 gewesen – oder noch jünger) trat als Zweite auf das Podium. Die Sicherheit und Ausstrahlung, die Sandie Shaw über die Rampe brachte, fehlte ihr noch. Sie sang ihr modernes Schlagerchanson halbwegs sicher und nett, allerdings gab es eine Reihe Interpreten in Wien, die bei ihrem Auftritt deutlich mehr Souveränität zeigten. Aber was erwartet man von einer 11jährigen?!

Paul_Mauriat_Love_Is_BlueAm Ende erhielt sie aus 9 Ländern insgesamt 17 Stimmen, was einen schönen und gerechtfertigten vierten Platz bedeutete. Im Anschluss nahm Vicky den Song in diversen Sprachen auf und hatte einen soliden Hit in einigen Ländern. Das hätte das Ende der Geschichte sein können, allerdings nahm sich der französische Orchesterchef Paul Mauriat des Liedes an und brachte es in einer Instrumentalversion tatsächlich Anfang 1968 an die Spitze der amerikanischen Charts.

Vicky Love is blue - CoverUnd damit ging es erst los. Ein neuer englischer Text wurde geschrieben und der Song entwickelte sich mal instrumental, mal vokal zu einem der meistgecovertem der Epoche: Al Martino, Johnny Mathis, Bing Crosby, Claudine Longet, Sylvie Vartan und viele, viele andere internationale Interpreten legten ebenso Hand an das Lied wie Rockgitarrist Jeff Beck und Hunderte von Tanz- und Unterhaltungsorchestern. Vicky selbst griff auch nochmal zu und sang zu ihrem Playback den neuen englischen Text. Bis heute ist das Lied, auch dank des internationalen Erfolgs der Coverversionen, ein fester Bestandteil ihres Repertoires, auch wenn sie sich damals enttäuscht über den vierten Platz zeigte. Ach Vicky, das war schon o.k..

Der Rest des Teilnehmerfeldes bot noch allerlei Interessantes und viele lokale Größen. Italien schickte ein zweites Mal nach 1962 die Canzoni-Legende Claudio Villa. Aufgrund des späten ESC-Termins (8.April!!!) drufte er seinen San-Remo-Siegertitel nicht singen. Hätte er doch gedurft, hätte der Wiener ESC seinen dritten Weltschlager gehabt. „Non pensare a me“ entwickelte sich u.a. dank Connie Francis, Jerry Vale oder Mireille Mathieu zum internationalen Hit.

Der NICHT-ESC-Beitrag von Claudio Villa

Stattdessen sang Claudio die artverwandte melodramatische Ballade „Non andare piu lontano“. Der Sänger konnte mit seinem zwar jubilierenden, insgesamt aber doch sehr gesetzten Vortrag nicht so recht überzeugen. Mit 4 Punkten kam er auf Platz 11. Das war das zweite Negativergebnis in Folge  mit einer italienischen San-Remo-Legende. 1966 hatte Großmeister Domenico Modugno gar keinen Punkt eingefahren.

Claudio Villas TATSÄCHLICHER ESC-Beitrag

Der etwas antiquierte Auftritt aus Italien wurde von zahlreichen anderen Herren mit Balladen überrundet. Knapp in die Top 10 rutschten die Beiträge aus Schweden und Jugoslawien – beide in einer Art ¾-Takt komponiert, was ja ganz gut zum Austragungsort passte. Für Jugoslawien trat der spätere Politiker Lado Leskovar mit dem Titel „Vse rože sveta“an. Dieses Lied überzeugte durch gesangliche Kompetenz und vor allem durch die majestätische Trompete. Insgesamt erhoben 7 Preisrichter den Arm und so landete er auf dem achten Rang.

Östen Warnebring aus Schweden trug zu seinem bereits erwähnten Rolli eine Brille, mit der er sicherlich sowohlbei  Heino als auch Nana Mouskouri (beide damals schon im Geschäft!) heftige Neidgefühle ausgelöst hat. Sein Song war weniger spektakulär, er sang ein etwas pathetisches Lied über Träume, dass ebenfalls 7 Punkte einfuhr und somit auch auf Platz 8 landete . Damals war man in Schweden noch nicht so auf den flotten Mitklatschschlager als ESC-Material gestoßen. Das sollte sich im Jahr darauf aber (dank Sandie Shaw?) ändern und sofort ging es ein paar Plätze nach oben.

Östen Warnebring war in den 60ern ein echter Hitmaker und  bis zu seinem Tode im Jahre 2006 ein Begriff in Schweden. Zur damaligen Zeit coverte alles, was Tom Jones, Engelbert, Gilbert Becaud und Konsorten so auf den Markt warfen. Auch vor Roy Black machte er nicht halt. Er hatte übrigens bereits einige Melloteilnahmen auf seinem Konto und machte bis zum Jahre 1972 munter weiter.

Ein fast noch größerer Star in seinem Land war der Spanier Raphael, der in Wien zum zweiten Mal in Folge in die Eurovisionsarena stieg. Mit seinem sehr spanischen und sehr gut vorgetragenen Song „Hablemos del amor“ konnte er sich im Vergleich zu 1966 um einen Platz auf die Nummer 6 verbessern.

Raphael, damals 24 Jahre alt, war zu dieser Zeit bereits eine Art spanisches Teenieidol. Es gelang ihm, eine ultraerfolgreiche und langandauernde Karriere, vor allem in Spanien und den lateinamerikanischen Ländern zu starten, die bis heute anhält. In den frühen 70ern war er sogar in Deutschland aktiv. Übrigens nahm auch Raphael eine Coverversion von „Love is blue“ auf, natürlich auf spanisch.

Den größten Balladenerfolg des Jahres erzielte aber ein Mann aus Irland. Die grüne Insel war zum dritten Mal dabei und hatte sich von Jahr zu Jahr weiter nach vorn geschraubt. Als letzter Starter sang Sean Dunphy in Wien mit viel Schmelz und im Refrain ebenfalls im 3/4-Takt „If I could choose“.

Dunphy, damals eigentlich Lead-Sänger der irischen Showband The Hoedowners brachte eine herrliche Schnulze mit starken Anklängen an irische Traditionals. So überzeugend und in Ansätzen auch anrührend sein Auftritt auch war, das Lied war fernab jeglicher moderner musikalischer Trends und vertrat eigentlich eher das etwas überholte Genre der Kurkonzertballade. Aber es war halt gut gemacht und irgendwie schien die englische Sprache an diesem Abend anzukommen.

Damen machten natürlich auch mit beim ESC und hinter den beiden englischsprachigen Liedern schafften es gleich drei auf die Plätze 3 bis 5 und alle sangen in französischer Sprache.

Über Vicky und „L’amour est bleu“ ist ja schon alles gesagt worden. Vor ihr, auf Platz 3, landete Noelle Cordier für Frankreich, hinter ihr an fünfter Stelle, Minouche Barelli für Monaco.

Noelle Cordier präsentierte ein klassisches französisches Chanson mit einer schönen Melodie, einem  interessantem Aufbau und einem poetischen Text. Die Sängerin absolvierte ihren Auftritt absolut souverän, allerdings verfügte das Lied über keinerlei kommerzielle Kompetenzen. Der dritte Platz war angemessen, ein Sieg wäre für das Festival allerding nicht das richtige Zeichen gewesen. Nichtsdestotrotz zählt das Lied für den Autor dieser Zeilen zu einem der absoluten Höhepunkte der gesamten ESC-Geschichte.

Noelle Cordier war damals in Frankreich ein Sternchen und das blieb sie auch. In den Folgejahren, z.B. 1970, gab es noch ein paar hübsche VE-Beiträge von ihr. Ihre große Stunde schlug 1975, als sie gemeinsam mit Alan Barriere und der Originalversion von „Tu t’en vas“ einen Hit hatte, der weit über Frankreichs Grenzen hinaus zum Evergreen wurde.

Für Monaco sang Minouche Barelli, Tochter des Easy-Listening-Orchesterleiters Aimé Barelli, der seine Tochter auch am Dirigentenpult begleite. Die 19jährige sang den wohl bis dahin abgedrehtesten ESC-Beitrag überhaupt: „Boum-Badaboum“ war ein psychedelisch angehauchter Weltraumkracher, der das Saalpublikum vermutlich gleichzeitig schockte und anzog. Minouche verkaufte den Song mit viel Energie und einigen bewusst schrägen Tönen erstklassig und so konnte die Gainsbourg-Nummer die Jurys überzeugen. Platz 5 für dieses Lied ist ein weiterer Beweis für den Trend zu mehr Modernität und Wagnis, dem der ESC sich langsam, sehr langsam öffnete.

Trotz dieses Paukenschlags gelang Minouche Barelli keine Karriere im Musikgeschäft. 1980 versuchte sie noch einmal für Frankreich das ESC-Ticket zu ergattern. Mit dem reizenden Schlager „Viens dans ma farandole“, blieb sie aber bereits im VE-Semifinale hängen.

Einen französischsprachigen Totalausfall gab es auch noch: die Schweiz schickte irgendein Mädchen namens Geraldine, die sich an einer Teenagerballade versuchte. Im Vergleich zu der hohen Zahl an gestandenen Sängerinnen und Sängern war Geraldine wirklich eine ganz kleine Nummer. Mit dünner Stimme und ohne Charme servierte sie „Quel coeur va tu briser“ und verhaute ihren Schlusston derart, dass die 0 Punkte und der 17. Platz am Ende sehr gerechtfertigt erschienen. Was aus Geraldine wurde?  Auf jeden Fall nicht die luxemburgische ESC-Teilnehmerin 1975 gleichen Namens.

Aber zurück zu interessanteren Themen. Neben Schweden, Jugoslawien und Irland setzen noch zwei weitere Länder auf die Walzerkarte – mit unterschiedlichem Erfolg.

Louis Neefs, ein Sänger, der in Belgien in den 60ern vergleichbare Erfolge hatte, wie Östen Warnebring in Schweden, sang ein fröhliches Stück namens „Ik heb sorgen“. Das Lied war so walzerig wie kein anderes an diesem Abend und wirkte vor allem durch die sonore Stimme des Interpreten, den Kontrast zwischen dem sorgenvollen Thema und der beschwingten Melodie sowie durch die witzige Klatschfalle am Ende sehr originell. So kamen genug Punkte für einen ordentlichen siebten Rang zusammen, den Louis Neefs zwei Jahre später in Madrid noch einmal wiederholte.

In Belgien war er bereits seit Beginn der 60er Jahre bekannt gewesen und konnte sich auch über seine ESC-Teilnahmen hinaus in der belgischen Musikszene halten. 1972 hatte er seinen größten Hit „Margrietje“. Später widmete er sich auf Moderationsaufgaben und verunglückte im Jahre 1980 leider tödlich.

Kirsti Sparboe aus Norwegen hatte mit Louis Neefs sowohl den Walzer als auch die nationale Karriere gemein. „Dukkeman“ kam allerdings deutlich komplizierter daher als das zugängliche Sorgenlied aus Flamen. Kirsti sang in Wien eine Art Jazz-Walzer über einen Hampelmann, aber so nah das Lied inhaltlich an „Puppet on a string“ war, so weit war es am Ende der Punktevergabe von diesem entfernt. Trotz aller modischen (hellila Hosenanzug!) und musikalischen Ambitionen landete Kirsti wie schon zwei Jahre zuvor in Neapel unter Ferner sangen: Platz 14 mit zwei Punkten war die Ausbeute. Aber immerhin erhielt sie einen Punkt mehr als beim ersten Versuch.

Zwei Jahre später kam Kirsti Sparboe mit dem fabelhaften „Oi, Oi, Oi“ noch einmal zum ESC zurück. Aber wieder gab es nur einen Punkt und sie wurde sogar Allerletzte. Erfreuchlicherweise nahmen ihre Landsleute ihr die dauernden ESC-Pleiten überhaupt nicht übel und Kirsti erfreute sich einer langjährigen Karriere mit vielen Hits. Einer davon fand auch in Deutschland statt: „Ein Student aus Uppsala“.

Apropos Deutschland: deutsch wurde natürlich auch gesungen beim ESC und zwar neben Inge Brück war Peter Horten für die Gastgeber am Start.

Peter Horton Vorentscheidung 1972Peter Horten entwickelte sich lange nach diesem Abend in Wien zu einem brilletragenden und gitarrespieleneden Liedermacher, der auch in Deutschland eine recht hohe Popularität genoss. Sogar bei zwei deutschen Vorentscheidungen in den Jahren 1972 und 1975 war er mit von der Partie. 1972 brachte er einen dynamischen Gospelsong namens „Wann kommt der Morgen“. Inzwischen hatte er auch seinen Namen in Peter Horton geändert, um nicht mit einer Kaufhauskette verwechselt zu werden. Von der Individualität, die er in den 70ern an den Tag legte war in der Wiener Hofburg aber noch nicht ganz so viel zu spüren.

Sein ESC-Beitrag „Warum es hundertausend Sterne gibt“ war ein getragenes und traniges Chanson der alten Schule. Eine hübsche Melodie, ein introvertiert-verträumter Text alles aber ein wenig unübersichtlich. Peter traf die Töne zielsicher und legte auch eine schöne Schippe Emotion in seinen Vortrag. Dennoch, es sollte wohl nichtsein. Gemeinsam mit Norwegen und den Niederlanden belegte er mit 2 Punkten Platz 14 und verschob die große Karriere zunächst einmal.

Inge Brück Frag den WindFür Deutschland stieg Inge Brück in den Ring. Einige Monate zuvor hatte sie beim ersten Internationalen Songfestival in Rio mit „Frag den Wind“ den ersten Platz belegt. Das hatte beim Hessischen Rundfunk wohl für rote Ohren gesorgt und so wurde die Sängerin, die zwar irgendwie in der Szene mitmischte, aber eigentlich keine nennenswerten Hits zu verzeichnen hatte, direkt für Wien nominert.

Dort sang sie ein Lied namens „Anouschka“, geschrieben und getextet von Hans Blum. Inge legte sich mächtig ins Zeug, sang ordentlich und dynamisch In der Optik war das Lied gar nicht so weit von „Puppet on a string“ entfernt. Auch Inge trug Mini und hatte als einzige neben Sandie Shaw drei kraftvolle Choristinnen hinten links positioniert. Aber wenn der englische Beitrag ein Schlager war, dann war „Anouschka“ ein Schlager-Schlager. Das Lied war zwar eingängig, aber auch einige Nummern zu simpel für den ganz großen Wurf. Dennoch gab es einen soliden achten Rang gemeinsam mit den Walzer-Herren aus Schweden und Jugoslawien. Aber auch mit „Anouschka“ gelang Inge Brück kein Hit. Und auch mit keinem anderen Lied. Da half dann nur noch Beten und in den 70ern mutierte Inge Brück zur Interpretin christlicher Schlager.

1970 erlebte „Anouschka“ aber noch ein Da Capo. Als „Kleine Anouschka“ war das Lied auf der letzten, posthum veröffentlichen LP von Alexandra enthalten.

Drei weitere Länder haben bisher noch keine Erwähnung gefunden, der Vollständigkeit halber seien sie hier genannt: die Niederlande wurden vertreten durch Terese Steinmetz, die mit der angestaubten Kabarett-Nummer „Ringe ding ding“ das Festival eröffnete und es mit 2 Punkten auf Platz 14 beendete.

Fredi aus Finnland versuchte sich an einer hochdramatischen Nummer namens „Varjoon, Suojaan“ und erhielt dafür 3 Stimmen und den 12. Rang. 9 Jahre später wurde er zwar auch nur Elfter, aber sein 76er Beitrag „Pump pump“ wurde zum ESC-Kultsong. Irgendwie hat der 67er-Song aber auch schon was sehr Kultiges.

Für Portugal stand erstmals ein dunkelhäutiger Sänger auf der Bühne. Eduardo Nascimento sang sehr druckvolll-dynamisch und Tom-Jones-like, aber das konnte das sehr portugiesische und für viele europäische Ohren vermutlich etwas sperrige Lied „O vento mudou“ nicht vor einem gemeinsamen 12. Rang mit Fredi retten.

Während also die 17 Beiträge vorgestellt wurden, saß unsere gute Erica Vaal vermutlich bei einer Zigarette und einem Gläschen Wein hinter der Bühne und bereitete sich auf ihre nächsten Schandtaten vor. Doch darum wird es erst in der nächsten und finalen Folge unserer Wien-67-Reihe gehen.

Hier geht es zum ersten Teil unserer Reihe „Wien lädt ein: ESC 1967“

Teil 1: Märchenbuch und Minirock