Winner’s Press Conference: Conchitas Botschaft an die Welt

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Soeben ist die Winner’s Press Conference mit der diesjährigen ESC-Gewinnerin Conchita Wurst zu Ende gegangen. „Das ist alles einfach unglaublich. Ich bin so dankbar“, wiederholte sie wie immer wieder vor dem jubelnden Auditorium. Dem zu erwartenden Wahnsinnsandrang war vorab mit einer Limitierung des Zugangs auf 675 Plätze Rechnung getragen worden, was aber letztlich nicht nötig gewesen wäre. Parallel wurde die PK auch in den Nachbarräumen auf Großleinwand übertragen.

Conchita wurde mit stehenden Ovationen empfangen und erklärte direkt zu Anfang ihre aktuelle Gefühlslage: „Mein Traum ist wahr geworden. Die Gesellschaft in Europa schaut nach vorne, und dafür bin ich sehr dankbar“. Abergläubisch sei sie zwar nicht wirklich, aber ihre Startpositionen in dieser Woche 6 und 11 ergäben ihren Geburtstag, dazu falle das Geburtsjahr mit dem Sieg ihres Idols Céline Dion zusammen. Vielleicht solle sie nun doch anfangen, an Zeichen zu glauben? Zudem habe erst diese Woche ein farbenprächtiger Regenbogen über dem Pressezentrum gestanden. Lauter Zeichen…

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Dieser Sieg ist ein Sieg der Zukunft, des Friedens, der Liebe und der Toleranz. Und natürlich habe sie während ihrer Zeit hier in der ESC-Bubble auch immer gehofft, dass die Menschen außerhalb auch so denken wie sie, dass die Message ankommen würde. Sie träume von einer Welt, wo wir uns nicht mit so nebensächlichen Dingen beschäftigen müssen wie zum Beispiel der sexuellen Orientierung. An die Adresse Russlands gerichtet meinte sie nur stolz: „We are unstoppable“. Das werde dort garantiert als Provokation aufgenommen, meinte ein Kollege, der sich mit den russischen Medien gut auskennt.

So richtig mit dem Sieg gerechnet hatte sie nie, ich hatte auch den Eindruck, für die österreichische Delegation sei die Chance auf den Sieg erst ganz zum Schluss überhaupt in den Bereich des Möglichen gerückt. Sie habe während der Wertung geweint vor Glück und Dankbarkeit, und sei noch immer sprachlos.

Ob sich denn ihre Erwartungen ans Finale verändert hätten, als sie beim Semi die Reaktion des Publikums erlebt habe. Das verneinte sie, sie hätte einfach alles genossen, und keine Erwartungen aufgebaut. Große Ziele seien aber wichtig in ihrem Leben.

Conchita plant natürlich weiterhin Musik zu machen, vielleicht mit den anderen beiden Diven des Contests, Suzy und Ruth Lorenzo, sagte sie verschmitzt. Sie habe viel gelernt seit 2012, und jetzt sei der richtige Moment und der richtige Song da gewesen.

Ob sie das nächste Bond-Girl werden wolle, wenn man sie fragte? „I think you know the answer… NO!“ Und einer Einladung nach Australien würde sie gerne folgen: „Klar würde ich gerne zu Euch kommen“.

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Ihr Manager René Berto verlas eine lange Dankesliste an die Gastgeber, das Team „Wurst“ vor Ort und in Österreich, und natürlich Conchita, die er liebe, und Tom, der zuhause jetzt wohl auf dem Sofa liege. Den liebe er auch für die enge Zusammenarbeit der letzten beiden Jahre. „I want to hug you all now“, sagte er am Schluss der sehr emotional vorgetragenen Worte.

Die ORF-Verantwortlichen (vertreten u.a. durch Direktorin Kathrin Zechner) sagten, Österreich wolle versuchen, ein ebenso guter Gastgeber zu sein wie Dänemark in diesem Jahr. Über den Austragungsort müsse man noch sprechen. Conchita könne ja eventuell moderieren, sagte René Berto. An dieser Idee schien sie direkt Gefallen zu finden. Der nächste Contest würde in jedem Fall „glamorous“ werden.

Jan Ola Sand bedankte sich bei Conchita und den Songschreibern (es sollen übrigens vier Deutsche sein, die alle nicht anwesend waren), und bot wie üblich dem nächsten Ausrichter die Hilfe der EBU an. Frau Zechner bedankte sich ihrerseits artig und fragte, ob er denn morgen schon was vorhabe. Nunja, nach dem Contest ist eben auch vor dem Contest. Ein EBU-Manual mit wertwollen Einstiegsinfos in das Abenteuer ESC hält sie in jedem Fall schon mal in der Hand.

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Eine kürzere Runde mit auf deutsch gestellten Fragen wiederholte weitgehend die Inhalte des internationalen Teils. Einzig erwähnenswert ist vielleicht der Moment, als Conchita vom Podium stieg, um einen Handkuss von einem ungarischen Pressekollegen entgegenzunehmen.

Wir gratulieren unserem Nachbarland und freuen uns riesig, dass dieses Jahr die Community den Contest nicht nur begeistert begleitet, sondern auch noch selbst gewonnen hat!