Wir spielen Edgar: PrinzBlog-Reihenfolge für die ESC-Semifinals (1)

Edgar Böhm

Was ist „Edgar“? Es ist kein Karten-, sondern ein Rollenspiel. Edgar ist eine der wichtigsten Personen des diesjährigen Eurovision Song Contest. Edgar Böhm ist TV-Unterhaltungsdirektor beim ORF und diesjähriger Executive Producer für den ESC. Er und sein Team legen die Reihenfolge der Auftritte fest. Wir simulieren das hier gerne im Vorfeld.

2013 erklang ein Aufschrei durch die Eurovisionsgemeinde, als bekannt wurde, dass die Startreihenfolge nicht mehr ausgelost wird. Die armen Schweden mussten viel Schelte einstecken. Nun nach zwei Jahren hört man kaum noch Unmutsäußerungen und die Leute haben sich daran gewöhnt, so wie an das nicht mehr vorhandene Orchester und das Nicht-Vorlesen aller einzelnen Punkte.

Wir vom Prinz-Team haben uns einen Spass daraus gemacht, einmal in die Rolle der Produzenten zu schlüpfen und in den letzten zwei Jahren unsere Startreihenfolge festgelegt. Vier Blogger sind jeweils in die Rolle des Christer und der Pernille geschlüpft. Leider haben die beiden sich kaum an unsere Vorgaben gehalten, aber vielleicht können wir ja Edgar überzeugen.

Den Anfang macht für die erste Hälfte des ersten Halbfinales Tjabe-Edgar. Acht Lieder stehen zur Auswahl und die sollen verteilt werden. Ende Januar wurden die Länder im sogenannten Allocation-Draw den zwei Halbfinals zugelost. Zudem erfuhren die Delegationen in welcher Hälfte der Sendung ihr Auftritt zu finden ist, was für die Anreise zu den Proben von großer Bedeutung ist.

Wie jedes Jahr stellt sich die Frage, wie soll man vorgehen. Das ist wie im Kaffeesatz lesen.

Kaffeesatz

Nachstehend die acht Ingredienzien zum Spiel

Armenien: Genealogy – Face The Shadow
Belgien: Loïc Nottet – Rhythm Inside
Estland: Elina & Stig – Goodbye To Yesterday
Finnland: Pertti Kurikan Nimipäivät – Aina mun pitää
Griechenland: Maria Elena Kyriakou – One Last Breath
Mazedonien: Daniel Kajmakoski – Autumn Leaves
Moldawien: Eduard Romanyuta – I Want Your Love
Niederlande: Trijntje Oosterhuis – Walk Along

Natürlich beschäftigt man sich die ganzen Tage damit und möchte am liebsten die Würfel entscheiden lassen, denn die Erfolgsbilanz sah für Tjabe-Christer und Tjabe-Pernille eher mau aus. Oder man könnte jemanden befragen, aber eine Wahrsagerin kostet Geld und ist zudem schwer zu finden. Und unser Hunde-Orakel hat auch keine Zeit. Die Eurovisionsthematik liegt nicht jedem. Da werden eher die zwischenmenschlichen Abgründe beleuchtet.

Man schnappt sich also am besten einen, der die Lieder kennt und der sich aufs Gewinnen versteht. Vor kurzem gewann er erst den Hanse Grand Prix 2015. Dabei bewies er guten Geschmack, in dem er für die Niederlande die Common Linnets und „Calm After The Storm“ antreten ließ. Nun stand PrinzBlog Leser Mirko mir mit gutem Rat zur Seite.

Hanse Grand Prix 2015 May We Have Your Votes Please

Für Mirko stand gleich fest, wer die Nummer acht erhalten sollte, aber dazu kommen wir erst später. Zunächst geht es um die Nummer 1. Hier fand mein Vorschlag gleich Gegenliebe. Ein hymnisches, flottes Lied sollte den Anfang machen. Wenn das Lied dann auch noch mit dem Wort „open“ beginnt, dann kann daran nicht vorbeigehen. Schon 2003 eröffnete ein Lied mit dem „open“ in der Titelzeile den Contest. Birgitta Haukdal sang damals „Open Your Heart“ und wurde für Island mit 81 Punkten Neunte. 2015 obliegt dieses Schicksal den Niederlanden. Trijntje Oosterhuis steigt mit den „Open Up My Heart To You“ in ihren Song „Walk Along“ ein.

1. Niederlande: Trijntje Oosterhuis – Walk Along

Der niederländische Song hat ein starkes Entrée, aber lässt leider zum Ende des Liedes stark nach. Am Anfang des Contests fällt das hoffentlich nicht so sehr ins Gewicht, da die ganzen Zuhörer noch sehr gespannt sind, was das Halbfinale für sie zu bieten hat.

Somit ist der Anfang gemacht. Die Start-Nr. 2 lastet der Ruf an, nicht unbedingt das Sprungbrett zum großen Erfolg zu sein. Noch nie gewann ein Lied von dieser Startposition den Eurovision Song Contest. Auch den Halbfinals haftete dieses Schicksal an, was aber in den letzten Jahren relativiert wurde.

Somit benötigen wir ein Land, das in den Halbfinals zumeist mit Erfolgen glänzen konnte. Hierzu zählen in der ersten Hälfte des ersten Halbfinals Griechenland und Armenien. Um nicht gleich die einzigen Solistinnen am Anfang des Wettbewerbs zu verschleißen, entscheide ich mich für Armenien, das mit einer Gruppe stimmgewaltiger Künstler aufwartet. Die aus der ganzen Welt zusammengewürfelte Gruppe Genealogy änderte ihren Song „Don’t Deny“ noch in „Face The Shadow“ um, um eventuellem Unmut vorzubeugen.

2. Armenien: Genealogy – Face The Shadow

Durch die intensive Steigerung innerhalb der Ballade fesselt der Song den Zuhörer und lässt den Startplatz 2 nicht so schnell vergessen.

Auf Startplatz 3 darf sich nun wieder was Schnelleres wiederfinden, und Tjabe-Edgar und Mirko sind sich wie bei Armenien schnell einig, dass hier der langhaarige Blondie aus Moldawien hinpasst. Eduard Romanyuta, der in seinem Video zu „I Want Your Love“ im Gefängnis landet, kann durch sein dynamisches Lied einen guten Kontrast zur armenischen Darbietung bieten.

3. Moldawien: Eduard Romanyuta – I Want Your Love

Wir dürfen gespannt sein, wie er in Wien sein Lied auf die Bühne bringt. In Moldawien schlug er eine große Konkurrenz aus dem Rennen.

Im balladesk dominierten 2015 sorgt eine vernünftige Verteilung der Lieder für einiges Kopfzerbrechen. Im ersten Teil von Halbfinale 1 sind zum Glück nur drei. Mit Armenien haben wir schon eines gesetzt und nun nach der flotten Nummer aus Moldawien darf es wieder etwas ruhiger werden. Mazedonien schickt zwar das wohl unauffälligste Lied ins Rennen, aber durch die erfolgreiche Übersetzung ins Englische überrascht Daniel Kajmakoski im Feld der Balladen. „Autumn Leaves“ glänzt durch eine stete Steigerung und eine große Stimme und braucht die sehr starke Konkurrenz dieser Hälfte nicht scheuen.

4. Mazedonien: Daniel Kajmakoski – Autumn Leaves

Die Startposition 4 für Mazedonien ergab sich für Blogger und Berater eher automatisch, da zu dem Zeitpunkt die anderen Plätze zumeist verteilt waren.

Im ersten Halbfinale steckt ein Titel, der neben dem Debüt von Australien und dem Kümmert-Gate von Hannover medial am meisten besprochen wird. Finnland schickt mit den Jungs von Pertti Kurikan Nimipäivät eine Gruppe ins Rennen, die keine Mitleidspunkte haben möchte, von der aber viele Nicht-Eurovisionsfans den Sieg erwarten. Nach meinem ersten Plan hatte ich das Lied „Aina mun pitää“ als Abschluss der ersten Hälfte gesehen, da an dieser Stelle die Produzenten gern mal etwas besondere Songs platzierte. Als Beispiel seien die Niederlande 2013, Rumänien 2013 und Ungarn 2014 genannt. Jedoch nach Rücksprache mit meinem Berater Mirko vergab ich den Platz an einen anderen Song. Zu früh sollten die Finnen aber auch nicht kommen und daher stellte ich sie in die Mitte der ersten Hälfte.

5. Finnland: Pertti Kurikan Nimipäivät – Aina mun pitää

Damit konnte ich auch eine gute Abwechslung von schnell und langsam bewahren und die beiden Gruppen weit genug voneinander platziert. Nach Startplatz 1 und 8 stand Finnland auf Nummer 5 als Drittes fest.

Aber wer sollte dem Punksong folgen? Die meisten Lieder würden untergehen. Somit muss es ein Land sein, dessen Finalteilnahme eigentlich schon gesichert ist. Und das kann in dem Fall nur Griechenland sein. Passend dazu bringen die Griechen eine Ballade mit dem „One Last Breath“, so dass es eine gute Abwechslung zu den Finnen darstellt. Und es wird ja auch mal wieder Zeit, dass eine Solistin die Bühne betritt.

6. Griechenland: Maria Elena Kyriakou – One Last Breath

Mirko hätte Belgien auf Startplatz 6 gesetzt, aber als ich ihn auf die hochfavorisierten Finnen hinwies, schloss sich mein Berater meiner Meinung an, Maria Elena Kyriakou hier starten zu lassen.

Nun bleiben nur noch das Duo aus Estland und der Loïc aus Belgien. Um etwas mehr Kontrast zur griechischen Ballade zu schaffen, entscheiden sich Blogger und Berater für „Rhythm Inside“ vom sympathischen Loïc Nottet aus dem wallonischen Part Belgiens. Zu früh sollte er nicht starten, um nicht unterzugehen, da Belgien endlich mal wieder ein finalreifes Lied schickt, das Land aber nicht so selbstredend ein Finale erreicht.

Belgien: Loïc Nottet – Rhythm Inside

Eingebettet zwischen den balladesken Griechen und dem auch eher ruhigen Lied aus Estland kommt Belgien an dieser Stelle am besten zur Geltung,

Als ich meinen Berater Mirko fragte, wie er die Reihung vornehmen würde, war seine erste Antwort: Estland auf jeden Fall als Letztes. Da ich mir ja eine Beratung für diese Aufgabe wünschte, schloss ich mich dieser Entscheidung an. Hier kommt wieder der Gedankengang des ungewöhnlichen Liedes zum Abschluss einer Hälfte ins Spiel. Mit dem modernen belgischen Song vorher kommt der nicht so typische Eurovisionssong „Goodbye To Yesterday“ gut zur Geltung.

8. Estland: Elina Born & Stig Rästa – Goodbye To Yesterday

In den Fanforen werden Elina Born & Stig Rästa hoch gehandelt. Da will man hoffen, dass das Lied nicht zu einem unglücklichen Fan-Favoriten mutiert wie 2013 San Marino oder 2014 Lettland und Israel.

Damit steht die Reihenfolge der ersten Hälfte des ersten Halbfinals gemäß PrinzBlogger fest

Sie lautet wie folgt:

1. Niederlande: Trijntje Oosterhuis – Walk Along
2. Armenien: Genealogy – Face The Shadow
3. Moldawien: Eduard Romanyuta – I Want Your Love
4. Mazedonien: Daniel Kajmakoski – Autumn Leaves
5. Finnland: Pertti Kurikan Nimipäivät – Aina mun pitää
6. Griechenland: Maria Elena Kyriakou – One Last Breath
7. Belgien: Loïc Nottet – Rhythm Inside
8. Estland: Elina Born & Stig Rästa – Goodbye To Yesterday

Die zweite Hälfte übernimmt Blogger Jan-Edgar und Tjabe-Edgar hofft, dass das Prinz-Edgar-Team in 2015 wenigstens ein paar Startpositionen richtig gesetzt hat.