„Zeit“ für viele „Sommermelodien“: Das Eurovision Weekend 2018

Fast zwei Wochen ist das Eurovision Weekend 2018 in Berlin nun schon her – Zeit, ein wenig zurückzublicken auf zweieinhalb schöne Tage mit den Gaststars Moran Mazor, Bianca Shomburg und Cindy Berger und mit vielen schönen Erinnerungen.

In diesem Jahr waren die Veranstalter um Frank Lochthove und PRINZ-Blogger Salman für das Main Event, die große Gala am Samstagabend, umgezogen – aber nur wenige Meter. Statt im Pfefferberg Haus 13 fand die Show dieses Mal im benachbarten Pfefferberg-Theater mit Klimaanlage statt. Das war auch gut so, denn das Wochenende wurde in Berlin wieder recht warm, auch wenn das am Donnerstag, als der erste Gaststar Moran Mazor aus Israel (ESC 2013) anreiste, noch nicht ganz abzusehen war.

Doch schon am Freitag wich der Regen einem wärmer werdenden Wetter, und so freuten sich die Berliner Fans wie ihre Gäste, die wieder aus allen Ecken Europas anreisten, auf das inzwischen 7. Eurovision Weekend in der Hauptstadt. Los ging es wie in den Vorjahren am Freitagabend mit der „Welcome Party“: nach der offiziellen Begrüßung (Opener mit „Layla tov Eropa“) zeigten die Berliner Fans eine Karaoke-Show (bei der insbesondere Frank als Betty Dittrich und als „Mamma“ bei „Viva la mamma“ für Lacher sorgte…), danach gab es ESC Karaoke für alle und es wurde bis weit nach 3 Uhr zu ESC-Musik von DJ Jay-T getanzt.

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Der Discokeller im Restaurant März in Prenzlauer Berg war wieder über und über mit Flaggen europäischer Länder geschmückt, und die Flaggen Deutschlands und Israels bildeten quasi das Eingangsportal zur Tanzfläche – schließlich war in diesem Jahr OGAE Israel Partner-Fanclub des Weekends (zum zweiten Mal nach 2013). Der Grund: Im Vorjahr hatte Rilli Willow mit ihrer Version von „Ey sham“ den OGAEvision Song Contest gewonnen.

Dieser Wettbewerb fand auch in diesem Jahr wieder statt, mit 9 Teilnehmern – der erste Programmpunkt der Gala am Samstagabend. Am heißen Samstagnachmittag hatten alle Teilnehmer und die drei Stargäste geprobt, und Bianca, Cindy und Moran standen für Interviews zur Verfügung (mehr dazu demnächst hier). Außerdem wurden wieder Stadtrundgänge für die angereisten ESC-Fans angeboten. Und während England und Belgien das WM-Spiel um Platz 3 austrugen (Public Viewing im Hof des Pfefferbergs), gingen Alice und Omri, die Moderatoren der Gala, ihre Texte nochmal durch… und dann konnte die Gala auch fast schon beginnen im Saal des Pfefferberg-Theaters. Die Contest-Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich in ihre Bühnen-Outfits geschmissen – los ging’s.

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Kurz nach halb acht eröffneten die Berliner Fans zusammen mit den neun Contestants die Show, sangen ein Medley israelischer ESC-Songs und beendeten das Opening mit „Halleluja“. Danach konnte es auch schon losgehen. Unter den neun stachen insbesondere die Teilnehmer für Malta (Grecia Bezzina, „Everything“), Bulgarien (Malomir Ingilizov, „Rise like a phoenix“), Deutschland (Christian Deußen, „Flieger“) und San Marino (Basti, „Stay“) heraus, aber auch die anderen fünf machten ihre Sache gut. Ville aus Finnland war leider erkältet, was man seiner Darbietung von „My friend“ anhörte. Souverän führten Alice und Omri durch den Abend.

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Als Interval Act gab Rilli Willow zusammen mit ihrem Mann Benedikt und Begleitung am Keyboard ihren Vorjahres-Siegertitel „Ey sham“ sowie einen neuen Titel auf Arabisch zum Besten, gefolgt vom irischen 1994er-Sieger „Rock ’n‘ Roll Kids“ – ein sehr schönes Programm.

Als Gegenpol präsentierten Host Omri und OGAE-Israel-Präsident Itzik Fishely in Vollplayback, aber mit akkuraten Bewegungen, den humorvollen israelischen Beitrag von 1987, den die meisten vermutlich als „Hupa hule hule hule“ kennen („Shir habatlanim“ von den Lazy Bums).

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Nach der Abstimmung der Länderjurys und nach dem in der Pause abgegebenen und ausgezählten Saalvoting stand das Ergebnis fest:

  1. Malta: Grecia Bezzina, „Everything“ (GRE 2006), 210 Punkte
  2. San Marino: Basti, „Stay“ (Vorentscheid 2018), 172 Punkte
  3. Bulgarien: Malomir Ingilizov, „Rise like a phoenix“ (AUT 2014), 119 Punkte
  4. Deutschland: Christian Deußen, „Flieger“ (GER 1989), 112 Punkte
  5. Israel: Aýa, „Hasheket shenish’ar“ (ISR 2005), 106 Punkte
  6. Schweden: Carro & Niko, „Stay the Night“ (Mello 2009), 86 Punkte
  7. Finnland: Ville, „My Friend“ (CRO 2017), 72 Punkte
  8. Ukraine: Constantin Crystallum, „Fairytale“ (NOR 2009), 70 Punkte
  9. Großbritannien: Sam, „Beautiful Mess“ (BUL 2017), 49 Punkt

Rilli überreichte der glücklichen Grecia die Siegertrophäe, OGAE-Finnland-Präsident Miksu Behm händigte ihr den Preis aus: die Fahrt auf der Eurovision Cruise Anfang September zwischen Helsinki und Tallinn verbunden mit einem Auftritt an Bord des Schiffs. Natürlich ließ man Grecia nicht gehen, ohne noch einmal „Everything“ zu schmettern.

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Danach war die Bühne frei für die drei Stargäste des Abends. Den Anfang machte Cindy Berger, die auf Englisch und Deutsch ihre Lieder ankündigte, damit kokettierte, dass sie ab und zu die Liedtexte auf den vor ihr liegenden Blättern ablesen müsse – und ein unterhaltsames Programm bot. Los ging es mit dem nicht-ESC-affinen größten Hit „Immer wieder sonntags“, danach feuerte die sympathische Schlager-Ikone ESC-Hits wie „Puppet on a String“, „Theater“, „Ein bisschen Frieden“, „Aufrecht geh’n“ und natürlich die eigentlich eher gehasste „Sommermelodie“ ab. Bei der das Publikum im Saal wunderbar die Arme schwenkte. Das wird der Sängerin gefallen haben.

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Für die Fans hatte sie außerdem ihre Vorentscheidungssongs „Geh die Straße“ (1972), „Und leben will ich auch“ (1988) und „Nie allein“ (1991) dabei. Am Ende gab es dann noch ein Rock’n’Roll-Oldie-Medley („Let’s have a party“, „Na na hey hey kiss him goodbye“, „Tutti Frutti“, „Rock around the clockT“ und andere), bei dem es die wenigsten im Saal noch auf den Sitzen hielt.

Anschließend war Moran Mazor an der Reihe. Ihre Performance war okay, aber für den Autor dieser Zeilen denn doch ein wenig kühl und unnahbar. Ein Kontrast zu Cindy und auch zu der locker-lässigen Bianca Shomburg nach ihr. Moran sang neben ihrem ESC-Beitrag „Rak bishvilo“ zwei neue Singles in Hebräisch, außerdem „Milim“ (ISR 2010) und „Amen“ (ISR 1995) plus „Crazy in love“ von Beyoncé.

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Deutlich überzeugender war da der spritzige Auftritt von Bianca Shomburg, die sich schon am Vorabend und am Nachmittag als überaus herzlich und zugänglich erwiesen hatte. Als ob eine alte Freundin zu Besuch wäre…. sehr sympathisch. Sie nahm das Publikum im Theatersaal sofort für sich ein mit „Lass die Sonne in dein Herz“. Weitere Knaller, die für Super-Stimmung sorgten, waren „Fly on the wings of love“, „Take me to your heaven“ im Duett mit Host Alice, die eine Strophe auf Schwedisch sang, sowie „Euphoria“ im Duett mit Moran Mazor.

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Schön war auch Biancas Performance von  „Wunder gibt es immer wieder“. Und natürlich durfte auch ihr ESC-Lied „Zeit“ nicht fehlen, für das sie ihren mit angereisten Ehemann Björn auf die Bühne holte (mit ihm zusammen spielt sie in mehreren Formationen). Er begleitete Bianca auf der Akustikgitarre, eine sehr schöne Präsentation des Siegel-Songs. Wonach sie gleich sagte: „Aber da gab es damals ein Lied, bei dem ich vorher schon wusste, dass das gewinnen würde“ – und damit leitete sie über zu „Love shine a light“, was vor allem einer Sitzreihe in der Mitte (OGAE UK) ganz besonders gut gefiel.

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Alles in allem eine wunderbare Show, bei der vor allem die beiden deutschen Acts für mächtig Stimmung im Saal sorgten.

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Damit war kurz nach Mitternacht der Weg bereitet für die Party im oberen Stockwerk des Theaters, wo bis nach 4 Uhr wieder zu den „üblichen Verdächtigen“ getanzt wurde…

Nach kurzer Nacht bereitete das Berliner Fanteam das Eurovision Brunch im Sonntags-Club vor, das kurz nach 11 Uhr offiziell von Frank, Itzik und Brunch-Organisator und Koch Antti eröffnet wurde. Gegen 1 Uhr begrüßte Salman Bianca, Moran und OGAEvision-Sieger Grecia nochmal auf der Bühne des Sonntags-Clubs für kleine Interviews – in denen Moran von ihrer Pause und ihrem „Comeback“ berichtete, Bianca über die Zusammenarbeit mit Ralph Siegel erzählte und Grecia nochmal allen danken konnte für die vielen Punkte am Abend davor.

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Mit dem Eurovision Quiz von Tamás (OGAE Ungarn) endete fast schon das Eurovision Weekend. In einer Online-Vorrunde mit Quizfragen hatte Tamás am Mittag die besten 8 Teilnehmer gefunden, die in vier Duellen aufeinander trafen und Fragen beantworten mussten wie etwa „Welche nicht-europäische Stadt wird in der ersten Strophe von Non mi avete fatto niente erwähnt?“ oder „That’s how you write a song war der 1500. Beitrag der ESC-Geschichte. Der wievielte war Alexander Rybaks Fairytale?“

Eine spontane Performance-Einlage zu „I’m never giving up“ (UK 1983) beendete dann aber wirklich das Eurovision Weekend, das gegen halb vier von Frank und Salman offiziell für beendet erklärt wurde. Da waren viele Gäste aus dem Ausland schon auf dem Weg Richtung Flughafen… hoffentlich mit besten Erinnerungen an ein schönes ESC-Fantreffen im sommerlichen Berlin.

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