ESC 2017: Zweite Probe Spanien – Blasser Surferguy verkauft Langnese light

Spanien probt als drittes am heutigen BIG5-Tag und setzt natürlich weiterhin auf ein entspanntes, buntes Happy-Beach-Setting. Nur leider will sich so richtiges Sommerfeeling mit Manel Navarro nicht einstellen. Folgt fulminantes Fiasko?

Manel startet im Finale in der zweiten Hälfte.

Heute ist alles eng getaktet. Nur 5 Minuten nachdem sich der italienische Gorilla getrollt hat, betritt Spanien die Bühne im International Convention Centre.

Manel Navarro trägt wie in Probe Eins das offene Hawaiihemd (Schwarz mit orangefarbenen Blüten und reichlich grünen Pflanzenblättern), diesmal hängt ihm aber keine Brustwarze über der Gitarre (ein geöffneter Knopf mehr oder weniger kann da schon einen Unterschied ausmachen). Manel hat zwei weitere Gitarristen, die auch singen und einen Schlagzeuger auf der Bühne.

Das Setting ist natürlich passend zum Song als Sommer – Sonne – Strand – Surfen gewählt, allerdings in einer reichlich überzeichneten Version voller Klischees. Die Farben sind grellbunt – orange, gelb, grün, lila, rot. Es beginnt aber mit einem Shot auf Europa auf der Weltkugel und einem Strand mit Wellen, der sich auf einem der Erde entfernenden Himmelskörper zu befinden scheint (dorthin haben viele Fans Manel ja nach dem skandalumtosten spanischen Vorentscheid gewünscht).

Dann poppen Sonnenschirme auf, Palmen wedeln und ein roter VW-Bus wiegt sich entweder zur Musik oder soll die mit Sommer-Sonne-Alkohol-und-Strand meist einhergehenden zwischenmenschlichen Wippbewegungen in abgestellten Fahrzeugen symbolisieren. Von Benidorm oder sagen wir eher von Lloret del Mar nach Kiew…

Die Kamera konzentriert sich auf Manel, seine Locken sitzen heute eher enger um den Kopf (da muss mal kräftig durchgewuschelt werden). Gelegentlich ist auch ein Gitarrist und der Schlagzeuger mal im Bild, insbesondere als Manel mit ihnen interagiert.

Gesanglich ist es in Ordnung, aber der Song strahlt bleierne Monotonie aus und daran ändert sich auch durch das bunte Setting nichts. Wir sehen dann eine Parade an Surfbrettern auftauchen, die der Reihen nach ins Wasser zu plumpsen scheinen. Am Ende stehen Manel und seine Surferkollegen auf Surfbrettern, die auf dem Bühnenboden projiziert sind, Manel macht dann dazu passende Gleichgewichtsübungen.

Fazit: Die Leichtigkeit eines Langnese- oder Bacardi-Rum-Werbespots soll hier transportiert werden, alles easy, alles hip… aber es handelt sich um Vanille-Einfacheiskrem mit leichtem Schimmer (falsche Lagerung) und um Rum-Backaroma statt echtem Rum. Weder Song noch Interpret verkaufen das Setting überzeugend. Es wird sicher auffallen, aber ich zweifle sehr daran, dass Spanien damit über die letzten Ränge im Finale hinaus kommen wird.

 

Heute haben wir übrigens wieder unseren Fotografen Volli in der Halle und sind nicht auf die EBU-Bilder angewiesen, können also schneller liefern.

 

Die Pressekonferenz

Manel bestreitet die PK mit seinen drei Surferkollegen und der neuen spanischen Delegationschefin Ana Maria Bordas, sowie einem weiteren Offiziellen. Die Moderatorin fragt das Übliche. Ja, sie haben eine Stadtrundfahrt gemacht und nach der ersten Probe paar Dinge geändert, er ist nun sehr zufrieden und fühlt sich auf der Bühne wohl.

Die Close-Ups stimmten nun. Delegationschefin Ana Maria Bordas, die Nachfolgerin des im Zuge des Skandals geschassten Federico Llanos, wird auf Medienberichte angesprochen, es sei bereits beschlossen, dass die legendäre Castingshow Operacion Triunfo im nächsten Jahr neu aufgelegt werden wird und dann als Vorentscheid dienen wird (wir erinnern uns an die erste Auflage und die kollektive ESC-Begeisterung, als Siegerin Rosa ins Baltikum zum ESC fuhr). Nein, sagt Ana Maria resolut, es sei noch gar nichts entscheiden, das werde man alles hinterher beschließen. Ein Dementi also.

Insbesondere an das Arbeiten mit dem visuellen Bühnenuntergrund mussten sie sich im Vergleich zum spanischen Vorentscheid gewöhnen, auch Kameraeinstellungen und Licht seien neu gewesen. Aber das Arbeiten mit ihrem niederländischen Stage Director Hans Pannecouke sei ein Vergnügen.

Es dauert nicht lang bis der Skandal im Vorentscheid angesprochen wird, den Manel nach Ansicht vieler Fans zu Unrecht und unlauter gewonnen hat. Der PK-Saal ist übrigens schwach besetzt (ganz anders als bei Italien), anders als in früheren Jahren fehlen die Busladungen von spanischen Fans. TVE hat nach dem Skandal den aufmüpfigen ESC-Fans offenbar die Zahl der Akkreditierungen rigoros zusammengestrichen.

Ja, sagt Manel, es war nicht so, wie er es sich gewünscht hätte, er hätte gern auf andere Weise gewonnen. „Aber das ist wie beim Fußball, wenn Dein nicht Team gewinnt, bist Du sauer. Ich habe das alles mittlerweile hinter mir gelassen und daraus gelernt.“ Es hat also keinen bitteren Nachgeschmack hinterlassen (das war die Frage von Blair aus Australien) und zum Surfen kommt er sehr gern bald mal nach Australien, da sei er noch nie gewesen.

Natürlich singt er auch eine Acapella-Version von „Do it for your lover“ für die Presse. Abschließend bestätigt er, dass die Hawaiihemden, die sie heute tragen, auch diejenigen sein werden, die am Samstag im Finale zum Einsatz kommen werden. Außerdem habe er sich noch nicht entschieden, ob er dann (Frage eines Spaniers) auch wieder Brustwarze zeigen wird. Die Moderatorin ist sichtlich ein wenig platt bei der Fan-Frage „Zeigst Du uns im Finale auch Deine Nippel?“

Dann die Auslosung. Sehr konzentriert zieht Manel die hintere Starthälte. Ein gutes Omen, das ihn vor dem letzten Platz bewahren könnte.