Live Blog 2. Halbfinale Portugal: Simone de Oliveira nach 42 Jahren wieder im Finale

Simone de Oliveira Portugal 2015

In Lissabon warteten 6 Künstler auf ihre Chance im zweiten Halbfinale des Festival RTP da Canção eine der begehrten drei Karten fürs Finale am Sonnabend zu ergattern. Neben jungen Talenten stellte sich eine Legende dem Concours. Simone de Oliveira (Foto oben), die vor 50 Jahren zum ersten Mal am ESC teilnahm, wollte es nochmals wissen und erreichte neben José Freitas und Teresa Radamanto das Finale. Wir haben nachfolgend die Sendung live kommentiert.

Das erste Halbfinale am Dienstag, hier nochmals zum Nachlesen, hielt einige Überraschungen parat. Adelaide Ferreira scheiterte 30 Jahre nach ihrer Eurovisionsteilnahme daran, nochmals zum Song Contest zu fahren und auch Sara Tavares konnte als Komponistin weniger glänzen als 21 Jahren, als sie haushoch die Fahrkarte nach Dublin gewann. Sílvia Alberto und José Carlos Malato werden das Spektakel präsentieren. In ihren Händen lag auch die letztjährige Vorentscheidung, von der wir hier und hier berichteten. Sílvia Alberto präsentiert das Festival seit 2008.

Mit großem Tumult endete der Vorentscheid in Deutschland. Andreas Kümmert lehnt die Fahrkarte nach Wien ab und Ann Sophie darf reisen. Wer sich nun etwas beruhigendes wünscht, der schaue doch mal nach Portugal, wo nach einer Anmoderation von Lúcia Moniz und Eládio Clímaco die Moderatoren Sílvia Alberto und José Carlos Malato das Zepter übernehmen.

Die beiden Moderatoren stellen die sechs Komponisten vor, die heute verantwortlich zeichnen für die Beiträge. Sie dürfen nachher auch über den dritten Finalisten entscheiden. Die anderen zwei werden durch Televoting ermittelt.

Leider begann das Programm etwas eher, so dass wir nicht alles am Anfang mitbekommen haben. Na die Portugiesen haben es nicht so mit der Zeit. Nun geht es los.

1. Rubi Machado – Quando a Lua voltar a passar
(Sebastião Antunes)

„Wenn der Mond wieder vorbeizieht“ heißt der Song von Rubi Machado. Sie wurde in Mocambique geboren und hat indische Wurzeln. Sie hat viel auf Hochzeiten und privaten Parties gesungen. Erst 2013 nahm sie den Gesang professionell auf. Ein wenig Country ganz in Rot vorgetragen, überzeugt Rubi nicht unbedingt. Selbst ihre Stimme trug nicht bis zum Schluss. Nur 3 von 10 Punkten.

2. José Freitas – Mal Menor (Ninguém me guia à razão)
(Diogo Churky)

Nun kommt ein Radiomoderator, der auch schon mal Mentor bei X-Factor war. Das Lied heißt „Kleineres Übel (Niemand führt mich zum Grund)“. Geschrieben wurde das Lied durch den 21 jährigen Churky, der neu im Eurovisionszirkus ist. Der 46 jährige José Freitas trägt den Song eher im Presley-Rockstil vor. Stimmlich ganz gut, überzeugt das Lied nicht unbedingt. 4,5 Punkte

Nun werden die ersten beiden Komponisten von José Carlos Malato interviewt. wir erfahren dabei, dass José Freitas begeistert vom Retro-Stil des Komponisten Churky sei.

3. Teresa Radamanto – Um Fado em Viena
(Fernando Abrantes, Jorge Mangorrinha)

1998 und 2007 hatte die heute 35-jährige Teresa Radamanto Platz zwei nationale Festivalteinahmen. „O vento mudou“ genoss 1998 große Beliebtheit. Aber die große Karriere blieb aus. Fernando Abrantes verbindet viel mit Deutschland. Mitglied der Band Kraftwerk, wirkte er am Erfolg von Sandras „Maria Magdalena“ mit. Zudem schrieb er die offizielle Musik der Expo 1998. Ein Reiselied, das aussagt, Fado kann man überall singen. Gut vorgetragen, aber ein klassischer Schlager. 7 Punkte.

4. Simone de Oliveira – À espera das canções
(Renato Júnior, Tiago Torres da Silva)

Als viertes kommt eine Legende. Simone de Oliveira, 77 Jahre, nahm 1964, 1965, 1968, 1969 und 1973 am Festival teil und durfte 1965 mit „Sol de inverno“ und 1969 „Desfolhada portuguesa“. National gewann sie 1969 haushoch, international wurde sie vorletzte mit 4 Punkten auf Platz 15. Das Lied wurde zu einer Art Nationalhymne.
In Erwartung der Lieder heißt Simones Song. Mit großer Passion vorgetragen überzeugt die großartige Künstlerin trotz hohem Alters bei ihrer Interpretation. Nicht unbedingt etwas für Wien, aber Hochachtung für die Sängerin. 6 Punkte.

Nun geht Sílvia Alberto zu den Komponisten und den Interpreten und kleine Lobhudeleien folgen. Während in den Tagesthemen nochmals die Absage an die Teilnahme von Andreas Kümmert gezeigt wird, freut sich Simone de Oliveira über ihren Song, der 50 Jahre nach ihrem ersten Eurovisionsauftritt geschrieben wurde.

5. Filipe Gonçalves – Dança Joana
(Héber Marques)

2003 nahm Filipe am ersten Wettbewerb Operação Triunfo teil und wurde dort Zweiter. Es wurde oft gefragt, am Festival teilzunehmen, aber erst 2015 hat er zugesagt. Seine Lieder sind in verschiedenen Sendungen als Titellieder zu hören gewesen. Ein flotter Song aber auch nicht so überzeugend 7,5 Punkte

6. Diana Piedade – Maldito Tempo
(Carlos Massa)

Dianas Karriere begann 2009 bei der portugiesischen Version von DSDS und einige Erfolge schlossen sich an. Ihr Weg führte in die Staaten, wo sie sich musikalisch weiterentwickelte. Ihr Song „Verdammte Zeit“ zeigt auch viele amerikanische Anklänge. Im Cowboy-Renato-Look (Malta 1975) ist sie heute die einzige, die mich überzeugen kann. Das sind 9 Punkte.

Heute war das schwächere Halbfinale. Vielen Dank an Leser kaspar und die anderen wenigen Leser, die sich von Hannover losreißen konnten, um etwas Portugal zu schauen.

Mein Tipp ist:

1. Diana Piedade
2. Filipe Gonçalves
3. Teresa Radamanto
4. Simone de Oliveira
5. José Freitas
6. Rubi Machado

Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Komponisten Simone de Oliveira ins Finale schicken.

Nun gehen die Moderatoren auf die 60 Jahre Eurovision ein und singen Hallelujah. Dann darf Lúcia Moniz ihren Song „O Meu Coração não Tem Cor“ vortragen, mit dem sie 1996 auf Platz 6 kam, was bisher der beste Platz der Portugiesen ist. Letztes Jahr trug sie würdevoll „Silêncio e tanta gente“ von Maria Giunot vor und die Bilder der verstorbenen Festivalteilnehmer wurden eingeblendet. Dabei auch Pedro Osório, der den besten portugiesischen Song komponierte und 2012 starb. Lúcias Auftritt kann man in einem der oben gezeigten Links nochmals sehen.

Nach einem weiteren Schnelldurchlauf dürfen wir nun einen Rückblick auf 60 Jahre Eurovision miterleben. Die Teilnehmer des heutigen Halbfinals tragen Siegertitel vor. 1967 Sandie Shaw, 1979 Hallelujah vorgetragen von Simone de Oliveira, Sandra Kim 1986 von Filipe gesungen und José Freitas mit „Hold me now“ von Johnny Logan. Céline Dion wird durch Teresa Radamanto dargebracht und Diana Piedade bringt Euphoria. Und unvermeidlich alle Sänger mit „Waterloo“ von ABBA.

Nun geht es langsam zur Entscheidung und ich denke, dass es hier in Lissabon keine Ablehnung des Preises geben wird. Bin ja immer wieder begeistert, wie die Portugiesen versuchen Spannung durch viel Reden zu erzeugen.

Am Samstag sehen wir als Moderatoren Catarina Furtado und Júlio Ísidro, Catarina ist die Casting Show Moderatorin Portugals.

José Carlos Malato stellt nun die beiden Televoting-Singer vor. Teresa Radamanto ist die erste, die mit ihrem Reisesong „Um Fado em Viena“ weiterkommt. Und die zweite ist Simone de Oliveira, die große Dame ist weiter mit „À espera das canções“. Und nun die Entscheidung der Komponisten. Elena bringt den Umschlag und es ist José Freitas mit „Mal Menor (Ninguém me guia à razão)“.

Na, heute ist es nicht so meine Entscheidung. Schade um Diana Piedade.

Am Samstag geht es dann ums Ganze. Folgende 6 Lieder kommen dann zum Zuge:

1. Leonor Andrade – Há um mar que nos separa (Miguel Gameiro)
2. Yola Dinis – Outra Vez Primavera (Nuno Feist, Nuno Marques da Silva)
3. Gonçalo Tavares – Tu tens uma mágica (Gonçalo Tavares e José Cid)
4. José Freitas – Mal Menor (Ninguém me guia à razão) (Diogo Churky)
5. Teresa Radamanto – Um Fado em Viena (Fernando Abrantes, Jorge Mangorrinha)
6. Simone de Oliveira – À espera das canções (Renato Júnior, Tiago Torres da Silva)

Vielen Dank an all die wenigen, die mit zugesehen haben. Am Samstag freue ich mich dann, mit allen Lesern das Finale anzuschauen.

Bis dahin eine gute Nacht.